Redewendungen aus alten Zeiten

Wesentlich älter hingegen sind die Begriffe aus dem vorherigen Abschnitt. Der Rote Faden, beispielsweise geht auf die griechische Sage vom Labyrinth des Minos zurück: Der Held Theseus sollte in besagtem Labyrinth einen gefährlichen Kampf bestehen. Die Gemeinheit bestand darin, dass er selbst im Falle eines Sieges nicht wieder ans Tageslicht zurückgefunden hätte. Die Königstochter Ariadne rüstete ihn deshalb mit einem roten Faden aus, der am Eingang des Labyrinths von ihr befestigt wurde ...

Der Begriff Zankapfel entstammt ebenfalls der griechischen Sagenwelt. Der trojanische Prinz Paris sollte mittels eines Apfels einst einen Schönheitswettbewerb zwischen drei Göttinnen entscheiden! Er gab den Apfel schließlich der Göttin, die ihm Liebesglück und die schönste aller Frauen versprach. Eine fatale Fehlentscheidung, denn die abgewiesenen Göttinnen, Hera und Athene, waren mächtig sowie rachsüchtig. Auf diese Weise löste der Prinz mit seinem Zankapfel indirekt den Trojanischen Krieg aus, der ihn selbst das Leben kostete.

Immerhin noch bis ins Mittelalter zurück reichen die Redewendungen einen Zahn zulegen und aus dem Nähkästchen plaudern. In den Großküchen der Ritterburgen waren die Kochkessel einst über offenen Herdfeuern an Zahnstangen befestigt. Wenn es mit dem Kochen ein wenig schneller gehen sollte, hängte man den Kessel eben einfach an der Zahnstange einen Zacken tiefer.

Die Burgfräuleins wiederum verbrachten viel Zeit mit Handarbeit und versteckten in ihren kunstvoll gestalteten Nähkästchen auch so manches brisante Briefchen. Wer die darin enthaltenen Geheimnisse veröffentlichte, hatte also offenbar "aus dem Nähkästchen geplaudert".

Tierisches und andere Synonyme

Gelegentlich müssen auch die verschiedensten Tiere für sprichwörtliche Ausdrucksweisen herhalten. Wer beispielsweise auf einer Party reihert, also sich übergibt, wird ganz schnell als schwarzes Schaf der Gruppe abgestempelt. Solch ein Pechvogel hat umgangssprachlich ausgedrückt die totale Arschkarte gezogen. Letztere war ursprünglich ein Synonym für die Rote Karte, welche der Fußballschiedsrichter meist in der Gesäßtasche aufbewahrte.

Doch zurück zur Tierwelt: Das "Reihern" wird völlig zu Recht mit dem entsprechenden Vogel assoziiert, denn sobald ein Reiher sich durch Raubvögel bedroht fühlt, "erleichtert" er sich recht unfein, um durch diesen Gewichtsabbau höher fliegen zu können. Ein Pechvogel hingegen kann überhaupt nicht mehr fliegen. Dieser Begriff entstammt der mittelalterlichen Vogeljagd, wobei die Äste eines Baums mit Pech bestrichen wurden. Ein darauf landender Vogel blieb unweigerlich kleben. Eine andere Variante jenes Jagdverfahrens begründete übrigens die Redewendung "auf den Leim gehen".

Gänzlich unschuldig an seinem schlechten Ruf ist hingegen das schwarze Schaf. Seine negative Assoziation verdankt das Tier dem Wollhandel, denn schwarze Wolle lässt sich nur schlecht oder gar nicht färben. Schwarze Schafe sind somit für Züchter nicht profitabel genug. Die Bibel erzählt dazu übrigens in 1. Mose 30, 31-43 eine verblüffende Geschichte.

Nur scheinbar tierischen Ursprungs ist der Satz: Da liegt der Hund begraben. Das Wort "Hund" leitet sich in Wirklichkeit vom altdeutschen Begriff "Hunde" ab und war im Mittelalter die Bezeichnung für einen Schatz.

"Auf der Jagd" nach weiteren Redewendungen

Natürlich konnte dieser kurze Text nur wenige Redewendungen auf ihre Herkunft untersuchen. Weitere interessante Geschichten sind uns dabei sicherlich durch die Lappen gegangen. Dieser Begriff stammt übrigens aus dem Jagd-Brauchtum vergangener Jahrhunderte: Das betreffende Waldstück wurde während der Jagd mit bunten Lappen abgegrenzt. Anschließend wurde mit Treiberstecken auf den Busch geklopft. Das auf diese Weise aufgescheuchte Wild wagte sich auf der Flucht meist nicht an den verwirrend bunten Lappen vorbei und wurde somit zur leichten Beute. Nur besonders pfiffige Tiere ließen sich nicht beeindrucken und konnten den Jägern daher "durch die Lappen gehen".

Autor seit 7 Jahren
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