Hier haben die Grünen die Mehrheit

Muss Chuck Baker unters Messer?

Planet 51Auf den ersten Blick wirkt in der kleinen Stadt alles ganz normal: Zufriedene Mittelstandsbürger grillen im Garten, während Sohnemann Lem heimlich in die fesche Nachbarstochter Neera (im Original von Jessica Biel gesprochen) verliebt ist und sie lediglich aus der Ferne bewundert.

 

Und doch sollte nach diesem Tag nichts mehr so sein, wie es zuvor war. Aus heiterem Himmel rast ein unbekannter Flugkörper herab und landet auf dem perfekt getrimmten Rasen von Lems Eltern. Ein fremdartiges Wesen entsteigt dem Raumschiff … und hisst die US-Flagge! Erst spät bemerkt Astronaut Chuck Baker (Originalstimme: Dwayne "The Rock" Johnson), dass er sich auf einem von grünen Aliens bewohnten Planeten befindet. Diese fürchten sich vor dem Erdenmenschen allerdings weitaus mehr, als er vor ihnen. Schließlich haben sie aus Filmen gelernt, dass eine Invasion fremder Lebewesen wie Chuck ihr Ende bedeuten würde.

 

Fortan muss der tugendhafte Astronaut Reißaus nehmen, um nicht vom ebenso genialen, wie wahnsinnigen Professor Kipple (Originalstimme: John Cleese) seziert zu werden. Nur Teenager Lem steht dem Fremden bei. Aber auch er kann nicht verhindern, dass das Militär unter Führung von Kipple auf Chucks Spur stößt und schon einmal die chirurgischen Instrumente schärft … 

Komödie für die ganze Familie: "Planet 51"

Verdrehter "Krieg der Welten"

Was für eine originelle Filmidee: Was, wenn nicht wir eine Invasion Außerirdischer fürchteten, sondern die Aliens sich vor uns grauten? In der von Jorge Blanco inszenierten spanisch-britischen CGI-Komödie geschieht exakt dies! Die viel zitierten Grünen Männchen bekommen unfreiwilligen Besuch von einem US-Astronauten und schlottern vor Angst, dass eine Horde blutrünstiger Menschen ihren Planeten verwüsten könnte. Woher sollen sie nach all der jahrelangen Indoktrination mit billigen Science-Fiction-Streifen der Marke "Krieg der Welten" auch ahnen, wie harmlos und freundlich der Eindringling ist?

 

Auf die Spitze getrieben wird der computeranimierte Spaß durch das parodistische Szenario einer außerirdischen 1950er-Jahre-Welt mit allem, was man aus zeitgenössischen Medien kennt: Jungen tragen College-Jäckchen, Mädchen Petticoats, spießige Eltern, paranoide Militärvertreter, ulkige Fahrzeuge und vieles mehr. Konsequenterweise nützt "Planet 51" sein Potenzial für eine Reihe satirischer Gags, die das nur allzu menschliche Verhalten der Aliens widerspiegelt.

 

 

Von "Alien" bis "Terminator"

Zu den munter parodierten Filmen zählen Genreklassiker wie "Alien" (beispielsweise erklärt Astronaut Chuck Baker: "Im Weltall hört dich niemand schreien"), "Terminator", "Star Wars" oder "E.T." Trotzdem versteh sich "Planet 51" keinesfalls als reine Abfolge gelungener Anspielungen und Veralberungen. Dazu ist die clever konstruierte Story zu mitreißend und spannend umgesetzt. Trotz der niedrigen Alterseinstufung langweilen sich auch ältere Zuschauer nicht. Im Gegenteil: Reges Filmwissen ist Voraussetzung dafür, die vielen Parodien überhaupt erst als solche erkennen zu können!

 

Zu den bizarrsten und originellsten Ideen der Komödie zählt ein Hund, der frappante Ähnlichkeit mit H. R. Gigers "Alien"-Kreatur aufweist. Allerdings ist dieser Vierbeiner völlig harmlos und verspritzt lediglich beim Pinkeln ätzende Säure …

 

 

Familienspaß für alle: "Planet 51"

"Planet 51" stellt einen der gelungensten Familienfilme der letzten Jahre dar. Origineller Plot, wahnwitzige Parodien, viele Gags und dennoch eine spannende Story. Trotzdem war dem bis dato teuersten spanischen Film überhaupt kein allzu großer Kinoerfolg beschieden. Dabei regt gerade die "verdrehte" Sichtweise zum Nachdenken über althergebrachte Denkmuster an: Wie kann ein "Fremder" beweisen, den "Einheimischen" nichts Böses zu wollen? Geschickt wird mit bekannten Invasionsthemen gespielt, um dem Zuschauer ein Stückchen weit einen Spiegel vorzuhalten.

 

Ein bisschen zu kurz kommen die Charakterisierungen. Des Weiteren erleidet die Story im Mittelteil einen leichten Spannungsknick und erfängt sich erst gegen Ende hin wieder. Nichtsdestotrotz ist "Planet 51" ein überaus witziger und stellenweise anrührender Film über Vorurteile und den Wert von Freundschaft und Toleranz. Deshalb bitte Fassung bewahren, wenn mal wieder Aliens auf der Erde eintreffen oder Menschen aus ihren Schlafzimmern entführen, um Doktorspiele zu veranstalten …

Originaltitel: "Planet 51"

Regie: Jorge Blanco

Produktionsland und -jahr: GB, Spanien 2009

Filmlänge: ca. 90 Minuten

Verleih: Sony

FSK: Ab 6 Jahren

Deutscher Kinostart: 3.12.2009

Autor seit 6 Jahren
836 Seiten
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