In Pompeji zerbröselt ein Stück Antike

 Das Haus der Gladiatoren war eines der am besten bewahrten Gebäude im archäologischen Gelände von Pompeji. Das Haus, in dem die Gladiatoren trainierten, war zugleich Waffenarsenal. Der Einsturz war aber nur eines von vielen Anzeichen für zunehmenden neuen Verfall. Zeitweise blieben nur sechs der rund 1.500 der normalerweise zugänglichen Villen für Besucher geöffnet. Die Hälfte der weltbekannten Ausgrabungen ist überhaupt nicht zu besichtigen. "Achtung, Einsturzgefahr", stand und steht zum Teil noch auf den Schildern überall im Areal. In Pompeji zerbröselte - auch wegen mangelnder Aufsicht - jeden Tag ein Stück Antike.

 In der Hauptstrasse sechs Häuser restauriert

Aber – es geschehen auch in Italien manchmal noch kleine Wunder: In einer feierlichen Einweihungsfeier am 24. Dezember 2015 hat der italienische Ministerpräsident Matteo Renzi zusammen mit Kulturminister Dario Franceschini in dieser UNESCO-Welterbestätte sechs frisch restaurierte antike Häuser der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Zu diesen so genannten domus gehören: Fullonica di Stephanus, Casa del Criptoportico, Casa di Paquius Proculus, Casa del Sacerdos Amandus, Casa di Fabius Amandio und die Casa dell'Efebo.

 Alle Häuser befinden sich entlang der Via dell‘Abbondanza, einer der Hauptstraßen der bei dem großen Ausbruch des Vesuvs zerstörten Stadt. Wieder zu sehen ist mit der Fullonica des Stephanus ein Beispiel für die damalige Art der Textilreinigung und das Haus des Efebo, ein mit Mosaikfußböden und Fresken prächtig geschmücktes Anwesen eines Händlers.

105 Millionen Euro bereitgestellt 

 Im Rahmen des "Grande Progetto Pompei" unterstützt die EU seit 2012 die Restaurierung der Ruinen von Pompeji mit insgesamt 105 Millionen Euro. Pompeji ist eine der meistbesuchten archäologischen Stätten der Welt. Sie ist als außergewöhnlich authentisches Zeugnis des Lebens in der Antike seit 1997 als Weltkulturerbe der UNESCO geschützt.

So wurde nun nach Jahren Bürgermeister Claudio D'Alessio, eines Besseren belehrt, als er vor fünf Jahren mit einigem Sarkasmus sagte: "Bürokratismus, Korruption und Ignoranz versetzen der antiken Stadt ein zweites Mal den Todesstoß". Nicht erst im 21. Jahrhundert, sondern in den gesamten vergangenen mehr als einhundert Jahren hätten es die Verantwortlichen versäumt, die ausgegrabenen Schätze für die Nachwelt sorgsam aufzubewahren.

Gefährliches Leben an den Hängen des Vesuv

 Im Dunstkreis des Vesuvs, und nicht allein im antiken Pompeji, sondern auch im weiteren Umfeld des Golfs von Neapel und Kampaniens, ist – gefährliche – Lotterwirtschaft eh an der Tagesordnung. Alle Experten warnen seit langen Jahren vor einem neuen brutalen Ausbruch des Vesuvs; er hätte erneut verheerende Wirkung. Denn an seinen Hängen haben sich, wuchernd, neue Siedlungen ausgebreitet. Eine erneute Eruption, die immer wahrscheinlicher wird, bedroht in der allergefährlichsten, der "roten Zone", rund 600.000 dort lebende Menschen. Insgesamt dürften im Ernstfall bis zu zwei Millionen Menschen binnen kürzester Zeit zu evakuieren sein. Und die Behörden zucken mit den Achseln.

 Ein Satellit tastet das Gelände ab

Vorsichtshalber wird der Berg, der beispielsweise im Winter mit seinem Schneehäubchen so harmlos wirkt, inzwischen scharf beäugt. Ein Satellit tastet mit Mikrowellen das Gelände aus dem Weltraum permanent ab; der Berg ist gespickt mit Messinstrumenten. Bodentemperatur und chemische Zusammensetzung der Dämpfe, Hangneigung und das leiseste Zittern des Kegels – alles wird auf die kleinste Veränderung überwacht.

 Derweil sammelt sich in weiten Teilen des alten Pompeji weiterhin der Müll, verwilderte Hunde streunen durch die Ruinen und greifen Touristen an, Fresken verblassen und Mauern verfallen.

 

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