Thomas Eder erschafft in seinem Artikel Das Internet - Eine kostenlose Parallelwelt? Die Metapher des Vergnügungsparks Internet. Im Gegensatz zu einem realen Vergnügungspark erfolgt die Unterhaltung über Datenströme. Der Besucher hat am Ende des Besuchs nichts, was er in den Händen halten kann und ist daher auch nicht dazu bereit, etwas zu bezahlen.

Eder will darauf hinaus, dass die New York Times sich derzeitig darauf vorbereitet, dass Nutzer ab 2011 für den Großteil der Onlineinhalte zahlen sollen. Dadurch soll der Qualitätsjournalismus geschützt und finanziert werden.

Zunächst einmal finde ich die Metapher schwierig, da der Eintritt in einen Vergnügungspark Geld kostet und im Park die Nutzung der meisten Geräte im Eintritt enthalten ist. Das trifft im Internet auch zu. Der Internetnutzer kauft Hardware und Software und zahlt Verbindungskosten oder Flatrategebühr an seinen Netzanbieter. Eder setzt den Preis für Paid-Content mit einer Investition in Sicherheit gleich:Preise für immaterielle Güter?

"Oder ist es etwa doch eine gute Idee, ein klein wenig Geld in die Sicherheitsbügel unseres neuen Vergnügungsparks zu investieren?"

In diesem Vergleich ist nicht stimmig, dass ein Vergnügungsparkbesucher davon ausgeht, dass sein Eintrittsgeld die Kosten dafür deckt, dass die Benutzung der Fahrgeschäfte sicher ist. Wie paradox wäre es, im Park zwischen kostenlosen, unsicheren Achterbahnen und TÜV-geprüften Kotzschleudern mit Münzeinwurf zu wählen? Wie dem auch sei, das Internet ist wohl nicht als ein einheitlicher Park zu betrachten. Es gibt die kostenlosen Angebote auf den meisten Seiten. Und de New York Times, die für den Zutritt zu bestimmten Angeboten Ihres Parks ab 2011 Geld sehen möchte.

Der Hauptkritikpunkt Eders bleibt bestehen: Internetnutzer sind kaum dazu bereit, für Informationsinhalte Geld zu bezahlen, denn sie können diese nicht anfassen.

Naheliegender finde ich den Vergleich zwischen Print- und Onlinemedien. Die Printausgabe wird von vielen Menschen als hochwertiger eingestuft, allein dadruch, dass der Zeitungskäufer Geld dafür bezahlt.

Aber: zahlt der Kunde hier wirklich für die Informationen? Oder ist es nicht viel eher so, dass er das Papier bezahlt, das er in den Händen hält. Ein Abonnent nimmt Kosten in Kauf, damit ihm die Zeitung bis an die Haustür gebracht wird. Ist es nicht am ehesten so, dass der Preis einer Zeitung eine Entschädigung für die Druckkosten darstellt? Und dass die Zeitungsverlage daran Geld verdienen, weil ihnen Druckereien gehören? Ist es nicht genauso wie im Internet, dass der Leser nichts für die Informationen bezahlt? Genau aus diesem Grund schalten Zeitungen Werbung: Der Zeitungspreis deckt die Druckkosten und die Inhalte werden dadurch finanziert, dass daneben Werbung platziert wird.

Das stellt keinen Unterschied zum Internet dar. Es besteht die Möglichkeit, die von Redakteuren erstellten Inhalte mit Werbung zu versehen, Einnahmen zu erzielen und damit Qualitätsjournalismus zu finanzieren. Weil Onlinewerbung im Gegensatz zur Printwerbung statistisch besser ausgewertet werden kann und mehr Aufschluss über erzielte Wirkung, erreichte Zielgruppe usw. gibt, ist sie sogar die bessere Werbung.

Paradoxerweise ist Onlinewerbung die günstigere Werbung. Experten geben hierfür sogar den Verlagen die Schuld: Sie halten die Preise für Onlinewerbung niedrig, schrecken damit reine Online-Konkurrenten ab, die zu den gleichen Konditionen Werbung anbieten müssen, aber Kosten für guten Journalismus kaum decken können. Im Gegenzug halten Verlage die Kosten für Printwerbung hoch und subventionieren damit ihr Onlineangebot.

Dem Jammern der Verlage ist zu entnehmen, dass diese Praxis nicht mehr lange aufrecht erhalten werden kann und sie sich, nach dem Wegbrechen von Werbebudgets im Printbereich, nach anderen Einnahmemodellen im Onlinebereich umschauen

Weil der Internetnutzer bereits viel Geld für Hardware, Software und Internetzugang ausgegeben hat, ist er kaum dazu bereit, noch einmal für jeden einzelnen Inhalt zu bezahlen. Das tut er bei der Zeitung schließlich auch nicht. Es gibt genügend legale, seriöse Anbieter für Nachrichten und Informationen im Internet. Früher kauften oder gründeten Zeitungen Druckereien, um an de Druckkosten zu verdienen. Vielleicht werden sie in Kürze zu Händlern von e-Zeitungslesegeräten oder versuchen sich als Dienstanbieter von Internetzugängen.

Wenn der Internetnutzer schon nicht für Nachrichten und Informationen bezahlt, weil es genug seriöse und kostenlose Anbieter gibt, wie sieht es dann mit der Bereitschaft aus, für Inhalte zu bezahlen, die er sich sonst nur illegal beschaffen könnte? Musik aktueller Künstler z.B.?

Eders Hauptargument schlägt auch hier zu: Kosument hält nach dem Kauf nichts in den Händen, er kann es nicht anfassen und ist nicht bereit, zu bezahlen.

Was dabei in unserer bunten Konsumentenwelt immer wieder außer Acht gelassen wird:

Selbst bei den Waren, die wir bezahlen und in den Händen halten können, also in den materiellen Gütern, wird der Preis am wenigsten von den Rohstoffen bestimmt.

Markenwert, menschliche Arbeit und die Gewinnspanne des Unternehmers sind die Faktoren, die den Preis maßgeblich bestimmen. Das sind alles Faktoren, die auch beim Verkauf von immateriellen Gütern, als Bild-, Text-, Video-, und Audiodateien den Preis ausmachen.

Dafür sind die Verbraucher in der Tat nicht sensibel genug. Wie viele wunderbare Arbeitsplätze entstehen könnten, wenn die Produkte der Arbeit von Internetschaffenden fair bezahlt werden würden.

Die Menschen bezahlen, weil sie etwas in den Händen halten. Aber das reine Material, das sie in den Händen halten entspricht kaum dem Wert des dafür verbrauchten Materials. Sie bezahlen für Design, Markenprestige, Qualität. Warum nicht auch im Netz? Warum nicht für das Prestige bezahlen, nicht zu den Datendieben und Raubkopierern zu gehören?

textpressi, am 12.03.2010
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