Schlachten auf der Weide bedeutet:

Für die Weideschlachtung haben Nils Müller und seine Frau Claudia Wanger, eine separate Koppel mit einem angrenzenden Hochsitz eingerichtet. Der Landwirt absolvierte eine Jagdausbildung, um die zur Schlachtung ausgewählten Tiere, vom Hochsitz aus, mit kurzer Distanz, mit einem Gewehr zu betäuben. Innerhalb von 90 Sekunden wird das Rind, mithilfe eines Frontladers angehoben um schneller entbluten zu können. Anschließend wird der Schlachtkörper, in einem Spezialanhänger in einen nahe gelegenen Schlachtraum wo er, innerhalb einer Stunde zerlegt wird, transportiert. Die Verhaltensfforscherin JJohanna Proobst vom Forschuungsinstitut für biologisschen Landbau FiBL, bestätiggt, dass die Weideschlachteung, bei der die Tiere bis zu ihrem Tode in der ihr vertrauten Umgebung bleiben, human ist.

Das Rind blutet aus (Bild: © Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiB)

Negativfaktoren der konventionellen Schlachtung werden vermieden

Die Separierung und Fixierung der Tiere, die bei der konservativen Schlachtung Alltag sind, fallen bei einer Weideschlachtung weg. Dort werden mehrere Tiere in die Koppel gebracht und das zu schlachtende Tier wird erst kurz vor der Schlachtung ausgewählt.
Eric Meili, ist der für das Projekt Weideschlachtung Verantwortliche beim FiBL Er sieht das neue Verfahren als Chance, für eine tierfreundliche Haltung, mit der die bestmögliche Schlachtung, die das Tierwohl und die Fleischqualität berücksichtigt.
Sabine Hartmann von der Tierschutzorganisation VIER PFOTEN begründet ihr Engagement für die Weideschlachtung damit, dass das Tierleid durch diese Art der Schlachtung verringert und der Respekt vor den Tieren bis in den Tod erhalten wird. Sie sieht das Projekt als Wegweiser, denn immer mehr Verbraucher lehnen die industrielle Intensivhaltung von Tieren und die ethisch fragwürdige Herstellung der Produkte ab. Mit diesem Projekt nimmt die Schweiz, ihrer Meinung nach, eine Vorreiterrolle in Sachen Tier- und Verbraucherschutz ein.

Das Tier wird verladen (Bild: © Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiB)

Wie kam es zur Bewilligung der Weideschlachtung?

Die für das Projekt ausgewählten Tiere stammen aus einer Angusrinderzucht von Mutterkühen, mit einer reinen Grasland-Fütterung auf der Alp, mit der gesamten Herde. Das Bioweiderindfleisch hat eine Reife von vier Wochen am Knochen.

Dipl.-Ing. Agr. ETH, Eric Meeili, vom FiB, erklärt wie der Prozess verlief: Bei erner Bewilligung Tiere auf der Weide zu schlachten muss nachgewiesen werden, dass das Verfahren tierfreundlich ist und der Schlachthofverordnung genügt. Eric Meili berichtet, dass Nils und er sich schon lange, unabhängig voneinander, mit der Einführung tierfreundlicher Schlachtsysteme in der Schweiz befassten. Aus diesem Grund waren sie sich schnell darüber einig, dass eine Weideschlachtung die Krönung einer artgerechten Haltung und Schlachtung von Nutztieren sei.

Eine erste Ernüchterung: Eine Anfrage beim Züricher Vetrinäramt wurde negativ beantwortet. Mit der Hilfe der Tiersschutzorgannisation Vier Pfoten, Schweiz,wurde ein Dokument erstellt auf dem dargelegt wurde, wie die Arbeitsanweisung sein sollte, um die Schlachthofverordnung zu erfüllen. Auf Grund dieser Eingabe wurde Ende 2014 eine zeitlich beschränkte Teilbewilligung für eine Weideschlachtung,unter Aufsicht des VETA, erteeilt. Eric Meili sieht die Weideschlachtung als Nische für eine Schlachtung von Tieren, bei der ein großer Wert auf das Tierwohl und eine hohe Fleischqualität gelegt wird. Sie ist in einem auf Masstentierhaltung ausgerichtetem System nicht umsetzbar.

Abtransport (Bild: © Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiB)

Vom Vegetarier zum nachhaltigen Fleischproduzenten

Nils Müüller, ist Betriebsleiter. Er berichtet, dass sein Schulweg, im Bündnerland, an einem kleinen Schlachthof vorbei führte. Für seine Schulkameraden und ihn war es gleichzeitig spannend und gruselig, durch die Fensterscheiben hindurch, heimlich, mitzuerleben, wie Tiere geschlachtet wurden.
Sein Vater leitete, als Vegetarier, eine kleine Landwirtschaft mit vielen Tieren. Da der kleine Nils mit diesen aufwuchs, ihre Aufzucht und ihr Leben miterlebte, konnte er sich nicht vorstellen, diese irgendwann einmal auf zu essen. So wurde auch er zum Vegetarier. Zu dieser Zeit war das Leben ohne den Verzehr von Fleisch noch keine Moderichtung, betont Nils Müller.
Erst viel später beschäftigte er sich mit den Schwierigkeiten beim Transport von Schweinen, Rindern, Kälbern odder Hühnern und dem respektvollen Umgang bei der Schlachtung mit diesen.
Er absolvierte eine landwirtschaftliche Ausbildung am Strickhof, arbeitete in der Gastronomie und in der Fischzucht vonn André Jaeeger in Schaaffhausen.
Ihm wurde klar, dass eine gute Qualität von Fleisch und Fische bei der Anzucht beginnt und über die Schlachtung hinausführen muss.
Seine zwiespältigen Jugenderinnerungen an die konventionelle Schlachtung von Nutztieren war der Antrieb zu erforschen, wie es besser zu machen sei. Aus der Idee einer Weideschlachtung, vor vier Jahren, entstand das beschriebene Projekt.
Bei einem Besuch der Hermaannsdorfer Landwerksstätten in Deutschland hatte Nils Müller und seine Frau den Visionär Karl Luddwig Schweeisfurth kennen gelernt. Dieserr motivierte zu einer Weideschlachtung.
Gemeinsam mit dem FFiBL-Berater Eric Meili, beschloss der Landwirt eine Kraftfuttterverfütterung auszuschließen, da er diese für Wiederkäuer für unverrantwortlich hält. Auf seinem Hof wird nur Gras, Grassilagee und Heu verfüttert. Durch eine Beweidung der Alp pflegen seine Tiere das Kulturland.

Weideschlachtung - Eine tiergerechte und stressfreie Schlachtmethode (Mai 2015)

Nur eine Verwertung des ganzen Tieres ist sozial verträglich und nachhaltig

Nils Müller weist darauf hin, dass eine Produktion von Rindfleisch, für Landwirte nur dann wirklich befriedigend sei, wenn sie unter dem Gesichtspunkt der nachhaltigkeit erfolge. Dazu gehöre ebenfalls eine regionale und ganzheitliche Verwertung.

Für Karl Ludwig Schweisfurth liegt die Antwort einer optimalenFleischproduktion und Verwertung in einer "Rückkehr zum menschlichen Mass". Für ihn heißt das:

  • Eine Rückkehr zu kleinen, überschaubaren und regionale Produktions und Vermarktungsstätten
  • Gemeinsames arbeiten von tierhaltenden Bauern und Metzgern in der Region
  • Den Menschen wieder in den Mittelpunkt des Umwandlungsprozesses stellen

Der Transport und die Schlachtung von Tieren sind bis dato nicht nur in der Schweiz ein
ungelösstes ethischhes Problem. Bei der Erstellung von Richtlinien zum Umgang mit Nutztieren wurden diese meist letzten Etappen im Leben eines Tieres, in der Regel, europaweit, nicht berückssichtigt.

Autor seit 4 Jahren
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