Zwei Jahre später lassen Balagueró und Plaza erneut die Zombies auf ahnungslose Mitmenschen los. Anstatt eines Fernsehteams und Feuerwehrmännern sind es diesmal Beamte eines spanischen SWAT-Teams, die mitten in Barcelona unfreiwillige Bekanntschaft mit dunklen Mächten machen. Denn offenbar steckt hinter den nach Menschenfleisch gierenden Zombies mehr als bloß eine Infektionskrankheit.

Von Dämonen besessene Zombies

Unmittelbar nach den Ereignissen aus "Rec": Ein vierköpfiges SWAT-Team unter der Führung von Dr. Owen (Jonathan Mellor) dringt in das von Zombies beherrschte und unter Quarantäne stehende Miethaus ein. Im Dachgeschoss spürt das Team ein geheimes Labor auf, das mit zahlreichen religiösen Querverbindungen ausgestattet ist. Kurz darauf wird der Polizist Martos (Alejandro Casaseca) von einer Infizierten gebissen und verwandelt sich selbst in einen Zombie.

Den anderen Teammitgliedern gelingt es, den tobenden Martos in einen Raum einzusperren, wobei Dr. Owen Gebete spricht und an die Tür einen Rosekranz anbringt. Erst jetzt enthüllt der Gruppenführer seine wahre Identität: Er ist in Wahrheit ein katholischer Priester und wurde eingeschleust, um von einem Mädchen namens Niña Medeiros (Javier Botet) eine Blutprobe zu nehmen, aus der ein Gegenmittel zur Infektionskrankheit hergestellt werden könnte. Denn Niña ist der Ursprungswirt der Seuche, die die Bewohner des Hauses in von Dämonen Besessene verwandelt habe …

„Rec 2“ auf den Spuren von „Der Exorzist“ - und Ego-Shootern!

Formell betrachtet ist "Rec 2" ein typisches Sequel: Der Plot aus dem Original wird lediglich aufgewärmt und mit neuen Darstellern und einigen zusätzlichen Elementen gewürzt. Selbst der Schauplatz ist Kennern des ersten Teils "Rec" bereits vertraut. Trotzdem hat sich das Regie-Duo Jaume Balagueró und Paco Plaza einiges einfallen lassen, um "Rec 2" nicht in die Kategorie "rasch nachgeschobenes Sequel" fallen zu lassen.

Die Handkamera aus "Rec" wurde größtenteils durch Helm- und Schulterkameras ersetzt. Erst das unbeabsichtigte Auftauchen dreier mit einer gewöhnlichen Handkamera ausgestatteter Jugendlicher bringt die gewohnte Perspektive ins Spiel. Zuvor erinnern die Bilder aus den Kameras des SWAT-Teams nicht zufällig an diverse Ego-Shooter wie "Doom" oder an einige Szenen aus "Aliens – Die Rückkehr".

Völlig neue Dynamik gewinnt der Plot durch den Schwenk Richtung Mystizismus. Die in "Rec" noch als konventionelle Zombies dargestellten Infizierten erscheinen plötzlich in neuem Licht, nämlich als von Dämonen Besessene. Freilich: Mit Regans Besessenheit aus William Friedkins "Der Exorzist" haben diese bedauernswerten Menschen kaum etwas gemeinsam, weshalb "Rec 2" weniger in der Tradition des ebenfalls aus Spanien stammenden, subtilen Horrorthrillers "Delictum – Im Namen des Herren" steht, als vielmehr dem klassischen Zombiefilm mit einem Hauch "Der Exorzist" zugeordnet werden kann.

Keine Protagonistin, keine „Nacht der hebenden Quoten“

Woran es "Rec 2" leider mangelt, ist eine sympathische Protagonistin, wie sie Manuela Velasco in ihrer Verkörperung der Moderatorin Angela in "Rec" einbrachte. Obwohl Angela keine strahlende Heldin im klassischen Sinne, sondern eine auf möglichst hohe Quoten bedachte Sensationsjournalistin war, stand sie doch deutlich im Zentrum des Geschehens und konnte die Angst und Verwirrung glaubhaft darstellen.

In "Rec 2" heftet sich der Zuschauer an die Fersen eines blass bleibenden SWAT-Teams, das im Grunde lediglich als Zombiefutter dient. Auch die Figur des Dr. Owen vermag nicht zu überzeugen und hinterlässt somit eine deutliche Lücke in der nötigen Charakterisierung, um den Protagonisten Tiefe zu verleihen.

„Rec 2“: Solide Fortsetzung ohne große Höhen und Tiefen

Jaume Balagueró und Paco Plaza bleiben mit ihrer Fortsetzung dem Erfolgsprinzip von "Rec" treu: Pseudorealistische Kameraperspektive, kein vom Geschehen ablenkender Score, neue Fragen, die in einem weiteren Sequel – hoffentlich – geklärt werden. Auf den Subplot mit den eher nervigen Jugendlichen hätte man durchaus verzichten und stattdessen etwas mehr Splatter einbauen können.

"Rec 2" ist eine solide Fortsetzung mit einer interessanten neuen Plotidee, die den Grundstein zum dritten Teil legen dürfte. Etwas gewöhnungsbedürftig ist für hiesige Verhältnisse der im Film dokumentierte starke Einfluss der Katholischen Kirche auf das spanische Alltagsleben. Glücklicherweise verzichtet "Rec 2" auf allzu kitschige Religionsklischees und konzentriert sich auf seine immer noch vorhandenen Stärken.

Alles in allem bietet "Rec 2" gute Unterhaltung für Horrorfans, kann aber natürlich die Überraschungseffekte des Originals nicht wiederholen.

Autor seit 7 Jahren
823 Seiten
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