Die Frauenfiguren aus den 1930er Jahren

In Anbetracht der Tatsache, dass nur ein auserwählter Kreis an der Diskussion teilnimmt, spiegelt er ein sehr spezielles Frauenbild wider. Die Mutterrolle ist ausgeblendet. Die weiblichen Personen verkörpern schon durch die Mode der 30er Jahre erste emanzipatorische Gedanken.

Die Frauen werden nach und nach in die Runde eingeführt; ausgenommen die Stenographistinnen Alice (Neve Campell) und Zoe (Robin Tenney) - sie sind von Anfang an dabei.

Diese beiden Frauen sind natürlich völlig unterschiedlich. Das kaschiert auch nicht die "Uniform", eine elegante Kombination aus Bluse, Rock, Strapsen und hochhackigen Schuhen in schwarz, die sie während der Arbeit tragen müssen. Zoe fühlt sich wohl darin und weiß sich sogleich richtig in Szene zu setzen, während Alice sich auf Grund der direkten Konfrontation mit Sexualität verunsichert fühlt. Zwischen den beiden gibt es keine Konkurrenz. Gleich stellt sich heraus, dass Alice die tüchtigere Stenographistin ist, Zoe dafür die Erfahrenere in Sachen Liebe. Für sie ist der Sex etwas Angenehmes, das sie auch ohne Liebe betreibt. Dem gegenüber lebt Alice in einer Welt der Illusionen und leidet daran, ihre Bedürfnisse nicht so klar artikulieren zu können.

Weiterere Frauentypen werden durch Chloe (Julie Delpy) und Janet (Emily Bruni) eingeführt. Sie sind in gewisser Form eine Mischung aus Zoe und Alice, da sie etwas älter sind und liiert, wenn auch unglücklich. Beide vermissen den ultimativen Sinn ihres Frauendaseins und versuchen, ihre Sehnsüchte im Griff zu behalten. Janet wird dann die Glücklichere von den beiden, weil sie ihrem Leben einen Wendepunkt geben kann. Chloe entscheidet sich für eine konventionellere Lösung und zahlt dafür einen sehr hohen Preis, ihre Leidenschaft.

Sasha (Tuesday Weld) ist eine Frau ohne Scham und seit 20 Jahren glücklich verheiratet. Sie artikuliert und kleidet sich unbeschwert und hat das mit ihrem Mann, was man eine erfüllte Sexualiät nennt.

Was sagen sexuelle Fantasien über die Fähigkeit, Beziehungen einzugehen, aus?

Die Männerrollen sind sehr interessant besetzt. Überraschend gut passt Till Schweiger hinein, der den deutschen Schriftsteller Monty spielt. Monty ist jemand, den die versteckten Sehnsüchte der Frauen erregen. Er liebt es, ihre Geheimnisse ans Licht zu bringen.

Und darum geht es hauptsächlich: um das Geheimnisvolle. Die Männer sprechen nicht nur über ihre Fantasien; von Zeit zu Zeit versuchen sie auch die Fragen nach körperlichen Möglichkeiten objektiv zu beantworten. Wobei alle sehr schnell an ihre verbalen Grenzen stoßen. Oder besser gesagt: Alle bis auf einer, nämlich Faldo (Nick Nolte), der Ehemann von Sasha. Er gibt seine "Verführung des Mulis" bekannt und überschreitet damit die dieser Runde auferlegte Konvention. Er ist es auch, der Edgar (Dermot Mulroney) den selbsternannten Leiter dieses Experiments, darauf hinweist, dass es auf die Dauer besser ist, eine Frau statt einen Traum von einer Frau zu lieben. Faldo bringt auch sehr schonungslos auf den Punkt, wie es um die Männlichkeit des Malers Savy (Allan Cumming) bestellt ist und somit um dessen Ehe mit Janet.

Letztendlich bleibt festzuhalten, dass die Fragen nach Fantasien, deren Beschaffenheit und deren zeitliche Einordnung, die Menschen immer beschäftigen wird. Wenn Sasha auf die Frage ihres Mannes, was sie tun würde, wenn er von einer anderen Frau träumte, während er mit ihr schliefe, erwidert, sie sähe dann dieselbe Frau, ist das ein Hinweis auf zwei Aspekte einer Beziehung: Vereinigung und Dominanz.

Autor seit 2 Jahren
3 Seiten
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