Lasset die Zombies zu ihr kommen

Der von der Umbrella Corporation in die Welt gesetzte T-Virus hat die Überbevölkerungs- und Hungerproblematik drastisch gelöst. Inzwischen haben sich die meisten Menschen in Zombies verwandelt und fressen sich gegenseitig auf. Nur wenige sind noch nicht von dem Virus infiziert und sehen sich einem ständigen Überlebenskampf ausgesetzt. Die gentechnisch zur Superheldin modifizierte Alice (Milla Jovovich) befindet sich mit ihrer Klon-Armee auf einem Kreuzzug gegen die fortgesetzten Forschungsarbeiten der Umbrella Corporation. Einen Stützpunkt hat sie in Tokio ausgemacht und setzt all ihre übermenschlichen Kräfte zur Zerstörung der unterirdischen Anlage ein.

Zwar erfüllt sie ihre selbstgestellte Aufgabe, doch ausgerechnet dem bösartigen Forschungsleiter Albert Wesker (Shawn Roberts) gelingt die Flucht in einem Hubschrauber. An Bord der Maschine befindet sich die Original-Alice, deren Superkräfte sie nicht davor retten, von Wesker ein Serum gespritzt zu bekommen, das sie in eine gewöhnliche Frau zurückverwandelt. Eine unmittelbar anschließende Kollision mit einem Berg überlebt sie trotzdem unbeschadet.

Via Funk erfährt sie von einem Ort namens Arcadia, wo sich eine Schar Überlebender versammelt haben soll. Auf ihrem Weg dorthin stößt sie zufällig auf Claire Redfield (Ali Larter), die wiederum zufällig in Los Angeles ihren vermisten Bruder Chris (Wentworth Miller) aufspürt. Gemeinsam mit weiteren Überlebenden zieht die kleine Schar los, Arcadia zu finden …

"Matrix Reloaded" reloaded

Es fällt schwer, bei "Resident Evil: Afterlife" die Übersicht über die Geschehnisse und Figurenkonstellationen zu behalten. Ohne Vorkenntnisse der vorangegangenen drei "Resident Evil"-Filme dürften sich Neueinsteiger ziemlich verloren vorkommen. Die immer wieder eingeschobenen Off-Kommentare der Erzählerin Alice sind nur von bescheidener Orientierungshilfe.

Aber um eine zusammenhängende Handlung ist es Regisseur Paul W. S. Anderson ohnehin noch nie gegangen. Für ihn ist das Medium Film offenbar lediglich eine Aneinanderreihung bunter Bilder mit Hintergrundgeräuschen und ein bisschen Gequatsche zwischendurch. Einer seiner Lieblingsfilme dürfte "Matrix" sein, weshalb "Resident Evil: Afterlife" stellenweise wie ein inoffizieller vierter Teil der Science-Fiction-Serie wirkt. Gleich zu Beginn erledigen Alices Klone eine ganze Armee an Wachmännern in einer Lobby, was deutlich an die berühmte Lobby-Sequenz aus dem ersten "Matrix"-Film erinnert. Dazu kommen die mittlerweile inflationär eingesetzten "Bullet Time"-Effekte oder Shawn Roberts an Agent Smith gemahnende Darstellung des Albert Wesker – inklusive Sonnenbrille, dem unverzichtbaren Accessoire des Bösewichts von Welt.

Sterile Geisterbahnfahrt "Resident Evil: Afterlife"

Nüchtern und ohne 3D-Brille betrachtet ist "Resident Evil: Afterlife" eine 96-minütige cineastische Geisterbahnfahrt. Auf einen Roten Faden oder gar Logik muss der Zuschauer wohl oder übel verzichten. Schließlich ist Andersons Machwerk auf Spezialeffekte getrimmt, und nichts anderes. Und wie bei einer erwähnten Geisterbahnfahrt tauchen plötzlich aus dem Nichts Monster auf. Etwa ein riesiger Zombie mit proportional passender Streitaxt, der sich offenbar völlig unbemerkt an die Protagonisten herangeschlichen hat.

Fehlanzeige herrscht auch in Punkto Charakterisierung. Während im ersten Film der Reihe noch ansatzweise biographische Hintergründe der Hauptdarstellerin offengelegt wurden und ihr mit Michelle Rodríguez als Rain eine interessante Partnerin zur Seite stand, macht sich "Resident Evil: Afterlife" gar nicht erst die Mühe, Sympathien für die Figuren zu erwecken. Protagonistin Alice ist sakrosankt – wer neben ihr überlebt oder stirbt spielt nicht die geringste Rolle. Gute und weniger gute Menschen tauchen auf, sterben oder bleiben bis zum Ende am Leben.

Im Vordergrund stehen die visuellen Effekte sowie die Optik der Darsteller, was immerhin zu einigen wohl nicht beabsichtigten amüsanten Szenen führt. Beispielsweise wenn Ali Larter völlig verdreckt und mit verfilzten Haaren Milla Jovovich angreift und sich mit ihr im Dreck wälzt, nur um wenige Sekunden später perfekt gestylt und geschminkt wieder aufzutauchen. Petitessen? Angesichts der gewaltigen Plotholes, Ungereimtheiten, Zufälle und Absurditäten gewiss. Ärgerlich daran ist der Umstand, dass Anderson keinen Hehl daraus macht, sich um derlei elementare Storyelemente nicht im Geringsten zu scheren.

"Resident Evil: Afterlife" reiht sich somit in die Riege der von Kritikern gescholtenen Uwe-Boll-Werke ein, ohne die hierfür verdienten Prügel zu kassieren. Denn dermaßen schludrig inszeniertes, komplett spannungs- und humorfreies Effekte-Kino bar jeglicher Seele könnte ohne weiteres von Uwe Boll stammen. Aber vermutlich fällt gegenüber Deutschen aus historischen Gründen jegliche Beißhemmung weg …

Nikakoi, am 29.04.2014
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Bildquelle:
http://www.amazon.de (Horrorfilme: Nach wahrer Begebenheit oder frei erfunden?)

Autor seit 4 Jahren
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