Verhängnisvolles Walfangverbot

Wer den Wal hat, hat die Qual

Reykjavik Whale Watching MassacreAuch in Island stehen die Uhren nicht still. Das Walfangverbot macht vielen Einheimischen schwer zu schaffen. Einige haben ihre Schiffe umgebaut, damit sie Touristen das friedliche Beobachten von Walen ermöglichen können.

 

Einer von ihnen ist Kapitän Pétur (Gunnar Hansen), ein echtes isländisches Original. Wieder einmal hat er eine bunt gemischte Touristengruppe an Bord, angefangen vom ständig besoffenen Franzosen Jean (Aymen Hamdouchi) über drei Hardcore-Feministinnen bis hin zu seltsamen Japanern.

 

Doch diese Tour wird anders, denn Pétur wird sie nicht überleben. Versehentlich wird er vom hackedichten Jean mit der eigenen Harpune aufgespießt. Fortan treiben die in maritimen Angelegenheiten völlig unerfahrenen Besucher hilflos auf dem Ozean herum, bis die vermeintliche Rettung in Form und Größe eines Walfängerschiffes naht. Dankbar klettern die Touristen an Bord ihrer Retter, nichtsahnend, dass sich die dreiköpfige Crew nach dem Verbot des Walfangs auf das Abschlachten von Reisenden verlegt hat …

Trailer "Reykjavik Whale Watching Massacre" (englisch)

Slashermovie „Reykjavik Whale Watching Massacre"

Leatherface an Bord!

Als Filmfan ist man mittlerweile an allerlei Skurrilitäten gewöhnt: Horrorfilme aus Österreich, Michael-Bay-Filme mit Ansätzen kohärenter Handlung, deutsche Filme, die nicht von der Nazi-Ära handeln – aber ein Horrorfilm aus Island? Das ist zunächst einmal eine Novität, die man sich auf der Zunge zergehen lassen muss.

 

Regisseur Júlíus Kemp gelang 2009 das Kunststück, den ersten isländischen Genrestreifen zu produzieren. "Reykjavik Whale Watching Massacre", so der schön trashige Titel, sieht sich als Vertreter klassischer Slashermovies und wartet sogar mit einer Ikone des Subgenres auf. Gunnar Hansen, der "Leatherface" aus den "Texas Chainsaw Massacre"-Filmen, verkörpert den ebenso schrulligen, wie liebenswerten Berufskollegen von Käpt'n Iglo.

 

Mit der beliebten Horrorreihe hat Kemps Werk aber einiges mehr gemeinsam, als nur den "Leatherface"-Darsteller. Auch im isländischen Massaker-Movie des Jahres spritzt Blut und fliegen die Körperteile völlig losgelöst von ihren ehemaligen Besitzern fröhlich in der Gegend herum – bei passender wie auch unpassender Gelegenheit. Dumm gelaufen, wenn sich Herz und Lungen endgültig trennen!

 

 

"Reykjavik Whale Watching Massacre": Gut aufgepasst bei den Amis!

Wie schon weiland der unfreiwillig komische deutsche "Scream!"-Abklatsch "Flashback - Mörderische Ferien" hat "Reykjavik Whale Watching Massacre" gut bei den amerikanischen Genrefilmen aufgepasst, mit allen Stärken und Schwächen. Die Inszenierung ist durch akzeptabel und die technische Umsetzung überzeugt vollends. Schön-schaurig ergießen sich Blut und andere Körperflüssigkeiten über die Leinwand.

 

Allerdings hat dies seinen Preis. Anstatt sich – idealerweise positiv – von der US-Konkurrenz abzuheben, kopiert der Film dümmliche Dutzendware und verpasst die Gelegenheit, den Zuschauer zu überraschen. Nun erwartet man von einem Slasherfilm natürlich nicht unbedingt eine komplexe und verblüffend wendungsreiche Handlung. Etwas mehr, als das simple Abschlachten nerviger Touristen sowie der Jagd auf die attraktivsten Darsteller hätte es aber ruhig sein dürfen.

 

 

Nicht besser, nicht schlechter als die Konkurrenz

Eingedenk der zahlreichen Klischees – chauvinistischer Franzose, verhärmte Feministinnen, hässliche Bösewichte, lustige Japaner, etc. bietet "Reykjavik Whale Watching Massacre" allenfalls leidlich gelungene Unterhaltung. Das ist zwar nicht schlechter, aber auch nicht wesentlich besser als die Konkurrenz. Zumindest die offenherzige Frauenfeindlichkeit hätte in den USA für Diskussionen gesorgt. Aber in der vorliegenden Form entpuppt sich das Machwerk aus Island als Fast-Food fürs Hirn.

 

Die einzigen bedrückenden Szenen verpulvert der Film gleich zu Beginn. Dabei wird authentisches Archivmaterial von Waljagden gezeigt, das in jeder Sekunde des Abschlachtens stärker an den Nerven zerrt, als der gesamte restliche Film während seiner Laufzeit.

 

Fazit: "Reykjavik Whale Watching Massacre" ist oberflächlicher Splatter, der an einem verregneten Abend die Zeit vertreibt – und leider nicht mehr als das.

Originaltitel: "Reykjavik Whale Watching Massacre"

Regie: Júlíus Kemp

Produktionsland und -jahr: Island, 2009

Filmlänge: ca. 90 Minuten

FSK: Freigegeben ab 18 Jahren

Verleih: Telepool

Deutscher Kinostart: 19.8.2010

Veröffentlichung auf DVD und blu-ray: 19. Oktober 2010

Autor seit 6 Jahren
836 Seiten
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