Das Saloon-Gericht von Richter Roy Bean (Bild: Woody Hibbard)

Roy Beans Gefängnis bestand aus einem Pfahl mit einem zahmen Grizzlybären

Einer der origniellsten Vertreter dieser Gattung war zweifellos Roy Bean, das "Gesetz westlich des Rio Pecos". Ohne je einen Mann erschossen, zum Tode verurteilt oder in ein Gefängnis gesperrt zu haben, schaffte er es, in Westtexas für Ordnung zu sorgen. Außerdem füllte er mit Gerichtsgebühren und Strafmandaten die Kasse seines Saloons. Von 1876 bis 1896 war er die einzige autoritäre Instanz in einem Gebiet - halb so groß wie Baden-Württemberg - in dem es von hartgesottenen Cowboys und Eisenbahnbauern wimmelte.

Sein Gefängnis bestand aus einem Pfahl, an dem sein zahmer Grizzlybär "Bruno", den er von einem Wanderzirkus erworben hatte, an einer langen Kette angebunden war. Wollte oder konnte jemand nicht zahlen, wurde er 24 Stunden lang an den Pfahl gebunden und musste nun dauernd vor dem Bären davonlaufen. Erschwert wurde das Ganze dadurch, dass die Kette genau 30 cm länger war, als die des Bären. Im Sommer 1882 wurde der Bahnbau der Southern Pacific, die den Pecos River erreicht hatte, durch zahlreiche Zwischenfälle aufgehalten. Morde, Überfälle und Raube waren in dem mit mehr als 10.000 Männern bevölkerten Arbeitslager an der Tagesordnung.

Ein wüster Haufen von Raufbolden, Spielern, Banditen und Totschlägern

Um die Lage wieder unter Kontrolle zu bekommen, wandte sich die Eisenbahngesellschaft schließlich an General W. H. King. Dieser beauftragte den Texas Ranger Captain Oglesby, sich ein Bild von der Lage zu machen. Oglesbys Bericht traf am 5. Juli 1882 aus dem Hauptlager "Eagle's Nest" ein und lautete: "Hier gibt es den wüstesten Haufen von Raufbolden, Spielern, Banditen, Totschlägern und Taschendieben, den ich je gesehen habe. Uns bleibt nichts anderes übrig, als die schlimmsten Totschläger unter Kontrolle zu halten, denn wir sind mehr als 200 Meilen vom nächsten Gericht entfernt. Was hier gebraucht wird, ist ein ein Richter, mit dem man Felsen auseinandersprengen kann."

Der Legende zufolge fühlte sich Roy Bean aus eigener Machtvollkommenheit zum Richter berufen. Bis zu seinem Tod im Jahr 1903 arbeitete er mit kurzen Unterbrechungen als Friedensrichter, Geschworenenbank, Coroner und Vollstreckungsbeamter in einer Person. Aus Dankbarkeit für seine Dienste ließ die Eisenbahngesellschaft den Zug von San Antonio nach El Paso für 15 Minuten am Saloon-Gericht in Langtry halten, nur damit die Reisenden Gelegenheit hatten, sich den inzwischen in ganz Amerika berühmten Richter anzusehen und sich in seinem Saloon zu erfrischen.

BerndT, am 23.11.2013
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Bildquelle:
Bernd Teuber (Isaac Charles Parker - Der Hängerichter im Wilden Westen)
Paul Lowry (Der Gesetzlose Billy The Kid)

Autor seit 5 Jahren
261 Seiten
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