Mühelos durch den Alltag (Bild: romelia / pixelio.de)

Der Alltag – das Zahnrad am Bewegungsapparat

Die Hektik des modernen Menschen sowie die überdimensional ausgeprägten Sitztätigkeiten vor Computern oder an Schreibtischen haben einen negativen Einfluss auf die Bewegungsweisen des Menschen. Während der Mensch lange Zeit von handwerklichen und bewegungsorientierten Tätigkeiten gelebt hat, trägt die moderne Gesellschaft zu Verschleißerscheinungen und Fehlbelastungen bei. Das übermäßig lange Sitzen vor Computern schwächt den Rücken, die eingeschränkten Bewegungen im Alltag, besonders in der Stadt, schwächen den gesamten Bewegungsapparat, so dass es früher oder später zu Schmerzen und Einschränkungen kommen muss.

 

Da wir die ungünstigen Bewegungen und Haltungen tagtäglich ausführen, sind sie fest in unser Verhaltensrepertoire integriert. Der Alltag hat gewissermaßen zu einer Verinnerlichung falscher Bewegungen und Haltungen geführt, die wir nicht als falsch erkennen können, weil wir uns schon zu sehr an sie gewöhnt haben. Und doch gibt uns unser Körper täglich Hinweise, dass wir etwas korrigieren müssen. Im Extremfall legt er uns komplett lahm und macht uns nahezu bewegungsunfähig.

Richtiges Gehen – nur mit Schwerkraft

Wie viel Beachtung schenken wir eigentlich unseren Füßen? Wir betrachten uns im Spiegel, sehen unser Gesicht, pflegen die Haare, aber was ist mit unseren Füßen, jenen Teilen des Körpers, die unser gesamtes Körpergewicht zu tragen haben? Sie werden in Schuhe gedrückt und ab und an gewaschen. Doch wie fühlen sie sich beim Gehen an? Wo spürt man die eigenen Füße am deutlichsten? Wie verteilen wir unser Gewicht auf sie? Wie steuern wir unser Gehen?

 

Richtiges Gehen ist bewusstes Gehen. Das bedeutet, dass wir mit unserer Aufmerksamkeit zu unseren Füßen müssen, um zu verstehen, was günstig und was ungünstig an unseren Bewegungen ist. Wer spürt die Schwerkraft, die unseren Körper ständig nach unten drückt? Wo berühren unsere Füße den Boden? Ist unser Gewicht eher auf den Fußballen, an den Rändern oder auf die Fersen verteilt? Ein Grundproblem des Gehens ist das nicht ausgeführte Abrollen der Füße von der Ferse hin zu den Zehen. Stattdessen lässt man sich in den Schritt hineinfallen und wuchtet das gesamte Körpergewicht um. Jede dabei erzeugte Erschütterung wirkt sich unmittelbar auf die Füße, Knie und Hüften aus.

 

Wer richtig gehen will, sollte zunächst in langsamen Bewegungen ein Gespür für die Gewichtsverteilungen im Körper entwickeln und auf das sanfte Abrollen der Füße achten. Um so verschleißarm wie möglich zu arbeiten, sollte man darauf verzichten, eigene Kräfte zu mobilisieren und stattdessen jene Kräfte nutzen, die bereits am Werk sind. Das ist in erster Linie die Schwerkraft, aus der eine kontinuierliche Fallbewegung des Körpers folgt. Würden alle Muskeln ihre Arbeit einstellen, würde der Körper stürzen. Diesen "inneren" Fall kann man nutzen, um die eigenen Bewegungen auszuführen ohne unnötige Muskelkraft aufzuwenden. In der Regel drücken wir uns mit dem hinteren Bein nach vorne ab, um unser gesamtes Gewicht auf den vorderen Fuß zu wuchten. Dieser Fuß muss dann die Bewegung abbremsen, damit der Körper nicht nach vorne fällt. So bewegt man sich wie ein Auto, welches ständig beschleunigt wird und wieder abgebremst wird. Das Ziel des richtigen Gehens ist aber vielmehr, sich wie ein Auto zu bewegen, das bergab fährt – es reicht ein leichtes Gasgeben, aufgrund der Schwerkraft, rollte es von selbst.

 

Man kann sich die Wirkung der Schwerkraft am eigenen Körper mit Pfeilen vorstellen. Die Kräfte wirken nach unten wie ein Wasserfall. Und im untersten Punkt reicht ein kleiner Bewegungsimpuls aus, um das Gewicht, welches eh nach unten gedrückt wird, nach vorne zu lenken. So gleitet man auf das vordere Bein und ein Umwuchten des Gewichts und Abbremsen der Bewegung wird verhindert. Ein aufrechter Gang, Entspannung und das Bewusstsein bei den Füßen vereinfachen das Gehen und lassen den Körper bei korrekter Ausführung fast schwerelos erscheinen.

Autor seit 3 Jahren
17 Seiten
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