Wenn's im Schritt zwickt

Natürlich kann man Arnold Schwarzenegger, alias "Die steirische Eiche", bei Hispano-Haushälterinnen scherzhaft "Die steirische Eichel" genannt, nicht verübeln, sein mittlerweile fast 70-jähriges Überselbstbewusstsein aufmöbeln zu wollen. Selbst Eltern, die Gewalt strikt ablehnen und ihr Kind ohrfeigten, würde dieses einen "Terminator"-Film angucken, oder die Gutmenschen-Taliban der Verbots-Partei "Beschiss90/Die Dummen" müssen zugeben: Was der schmächtige Junge aus der Alpen- und Korruptionsrepublik Österreich erreicht hat, klingt wie ein modernes Märchen: Als Bodybuilder die uneingeschränkte Nummer eins, später der erfolgreichste Actionstar seiner Zeit und dann zur Krönung noch kalifornischer Gouverneur. Gälte nicht jene Klausel in der amerikanischen Verfassung, wonach nur in den USA geborene Bürger zum Präsidenten gewählt werden dürfen – ausgenommen natürlich die sakrosankten Mitschafe der sich selbst geißelnden weißen Ami-Schäfchen, also die Aphro-Amerikaner -, wäre die Schreckensvision eines US-Präsidenten Arnold Schwarzenegger wie im "Simpsons"-Film nicht unrealistisch gewesen.

Doch dann der tiefe Fall: Politisch brachte er in Kalifornien kaum etwas weiter, später kam auf, dass er seine Nudel in einer Enchilada versenkt hatte, und quasi zum Drüberstreuen steht seine Schauspielkarriere auf der Roten Liste gefährdeter Arten. Nicht, dass man es Arnie verdenken könnte, es noch einmal wissen zu wollen: Wenn's gutbürgerliche Ehemänner im Schritt zwickt, gehen sie ins Puff, der gottesfürchtige Mann muss dafür nicht einmal seine Arbeitsstätte verlassen und hat zudem den Vorteil, sich selbst verzeihen zu können, Frauen gehen Schuhe oder neue Lippen kaufen. Verständlicherweise muss es für Actionikone Arnold Schwarzenegger ein paar Nummern größer sein, wenn es ihm im Ego zwickt und zwackt.

Leider mangelt es ihm wie vielen anderen Stars an Freunden, die ihn schonungslos ehrlich davor bewahren, ein ums andere Mal in die Kacke zu greifen. Und das ist bei "Sabotage" wortwörtlich zu verstehen, wie mein unverschämt gut aussehender und schamlos geistreicher Kollege Jodomus in seiner Rezension gewohnt süffisant feststellt. Denn: "Sabotage" ist ein unappetitlicher Griff ins Klo und qualifiziert sich als Spülfilm der neuen Welle an Artscheißhousefilmen.

"Wir schalten live in die Parteizentrale der GrünInnen" (Bild: http://pixabay.com)

Drogenkartell: Widerstandskämpfer gegen den bösen Kapitalismus

DEA-Agent John Wharton (Arnold Schwarzenegger), Spitzname "Breacher", ist gar nicht gut aufs Drogenkartell zu sprechen, seitdem dieses seine Frau und seinen Sohn entführt und zu Tode gefoltert hat. Weitere Sympathien verscherzen sich die nach Gutmenschenlogik missverstandenen Widerstandskämpfer gegen den Kapitalismus, als sie einen Mann aus Breachers Einheit bei einem ganz normalen auf-alles-schießen-was-sich-von-selbst-bewegt-Einsatz abknallen.

Quasi als Schmerzensgeld zweigen Breachers Jungs und Mädels zehn Millionen Dollar vom konfiszierten Drogengeld ab, indem sie es in Plastik verpacken und das Klo runterspülen, um es später in der Kanalisation abzuholen. Damit gehen die Probleme aber erst so richtig los. Denn nicht nur ist der Laster-Zaster weg, als Breacher und sein Team einen Betriebsausflug in der Kanalisation abhalten. Zu allem Überfluss fällt das Fehlen von zehn Millionen Dollar sowohl dem offiziellen Kartell, also den Bundesbehörden, als auch dem inoffiziellen Kartell auf.

Irgendwo dort unten liegt das Drehbuch (Bild: http://pixabay.com/)

Und beide beschuldigen die MitgliederInnen der DEA-Spezialeinheit des Diebstahls. Während sich die Polizei auf Gefängnisdrohungen festlegt, belassen es die mexikanischen Kapitalismusopfer nicht bei "Du, du!"-Gebärden. Einer nach dem anderen aus Breachers Team wird vom Leben suspendiert. Schließlich nimmt die toughe (= wie eine Macho-Parodie agierende) Agentin Caroline Brentwood (Olivia Williams) die Ermittlungen auf und stößt auf Erschreckendes: Sam Worthington wird in diesem Leben wohl kein Schauspieler mehr …

Fuck!

Stellte man die ernsthafte Frage, was sich Arnie bzw. Regisseur David Ayer bei "Sabotage" eigentlich gedacht haben, lautete die einzige halbwegs annehmbare Antwort: "Gar nichts". Andere Antworten müsste man als absurd zurückweisen, etwa so, als würde man John Travolta unterstellen, nicht jeden Tag am Set von "Battlefield Earth" heimlich geweint zu haben. Wo soll man mit einer seriösen Kritik zu "Sabotage" beginnen? Dieses Machwerk ist ein jegliche Logik und Spannung verschlingender Blob ohne Arsch, in den man ihn treten könnte. Kaum eine Szene vergeht, in der man sich nicht fassungslos vergegenwärtigt, dass Arnold Schwarzenegger in Meisterwerken wie den ersten beiden "Terminator"-Filmen, "Total Recall" oder "Predator" jeweils die Hauptrolle verkörperte.

Zugegeben: Er hat auch in "Batman and Robin" mitgewirkt, aber den hat seinerzeit nicht einmal "Batman"-Parodist George Clooney ernstgenommen und deshalb gelangweilt aus dem Nippel-Sado-Maso-Dress gegrinst. Fast könnte man Mitleid mit Arnie empfinden: Einst ein Kassenmagnet, umjubelt und umschwärmt, und heute spielt er in Filmen mit, die selbst ein deutscher Privatsender peinlich berührt zwischen " Die Hurentester", "Das Geständnis: Ich bin eine transsexuelle Pornodarstellerin, die ihre bisexuelle Hündin geschwängert und ihre beiden kastrierten Ehemänner verlassen hat" und "Das Verbraucherschutzmagazin: Wie wehrlose Männer im Bordell abgezockt werden" verstecken würde.

Der Rezensent ersuchte diese Frau um ein Date (Bild: http://pixabay.com)

Aber nur fast, denn in erster Linie zerfließt man uneigennützig in Selbstmitleid, diesen abgelutschten Urinstein-Tab mit einem Muffin verwechselt zu haben. Und ja: Diese für den ansonsten feinsinnigen Rezensenten ungewohnt derben Worte sind in ihrer unappetitlichen Gänze angebracht. Vermutlich hat selbst Gina Wild während ihrer vorbildlichen Schauspielkarriere als Kämpferin gegen jegliches Geschlecht – nicht verschwiegen werden sollen dabei die einen oder anderen Löcher in den sozialkritischen Plots sowie teils unrealistische Handlungsbögen – bei weitem weniger oft das in Kinderbüchern aus politisch-korrekten Gründen zensierte F-Wort gehört, als es in "Sabotage" aufs Tapet gebracht wird.

... und auch diese Hündin! (Bild: http://pixabay.com)

Wahlweise als Schimpfwort oder als Umschreibung einer ungünstigen Situation verwendet. Vielleicht aber auch wurden die Drehbuchautoren, Regisseur David Ayer und ein Typ mit dem sagenhaften Namen Skip Woods, nach "Fuck"s bezahlt, ganz so, wie manche Autoren nach der Länge ihrer Dinger bezahlt werden. Und damit sind natürlich ihre Texte gemeint, wiewohl manche Schriftsteller wohl einfach nur auf ein paar Blatt Papier wichsen und es Kunst nennen. Womit nicht behauptet werden soll, es würde sich hierbei nicht um Kunst handeln, wenn selbst ein Machwerk wie "Sabotage" allen Ernstes als Film bezeichnet wird.

Wählt Arnie!

Nun ist es beileibe nicht so, als müsste sich jeder Film an "Citizen Kane" oder, was das Actionkino betrifft, an "Terminator" oder "Auf der Flucht" messen. Zumindest ein Mindestmaß an Plausibilität, Spannung oder Charakterisierung sollte dennoch vorausgesetzt werden dürfen. Soweit die bunte Theorie. Die graue Praxis produzierte hingegen ein Unwerk an wirrem Plot und vorhersehbarem "Plottwist"-Ende für Leute, die einst völlig verstört aus dem Kinosaal kamen, weil die Titanic gesunken ist. Das Schlimmste an "Sabotage" sind dabei nicht die intellektuell an die Insassen aus "Einer flog übers Kuckucksnest" erinnernden Charaktere und der lächerliche Showdown.

Nein – was der Zelluloid-Notdurft den Toilettendeckel ausschlägt ist vielmehr der Umstand, dass der Streifen tatsächlich wie ein zusammengeflickter RTL-Actionfilm für Zwischendurch wirkt. Arnies Filme genoss man – abgesehen von seinen Comedy-Ausflügen aus einer Zeit, als er selbst mit unlustigen Holzhammerkomödien zu Unrecht erfolgreich war – im Kino, weil sie für die große Leinwand gemacht waren. "Sabotage" ginge allerdings ohne Mühe als Van-Damme- oder Steven-Seagal-Ramsch durch, den man zwischen Pornos steckt, um sich weniger zu schämen. Reminiszenzen an Torture-Porn der Marke "Hostel" kommen mit ein paar Jahren Verspätung ums Eck und sollen Härte vortäuschen, wo Stumpfsinn vorherrscht.

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Gewiss: Arnies Filmen haftete immer das Etikett "dumm" und "primitiv" an. Manchmal zu Recht, überraschend oft zu Unrecht. "Total Recall" etwa ist unter der Actionhaube ein höchst intelligenter, doppelbödiger Science-Fiction-Kracher, der noch viele Jahre später nichts an seinem zynischen Charme eingebüßt hat und wie kaum ein anderer Arnie-Film mit seinem Markenzeichen aufwartete: Den One-Linern. Auch hiervon kann in "Sabotage" keine Rede mehr sein. Kein verschmitztes Grinsen Arnies, während er einen blöden Spruch anbringt: David Ayer meint es ernst, todernst sogar. So ernst, dass er – dies ist eine spoilerfreie Zone – aus der drogengeschwängerten Luft eine Sexszene andeutet, die erstens zum Glück lediglich angedeutet wird und zweitens kaum mehr Sinn als das Parteiprogramm der Grün-Zombifanten ergibt.

Fazit nach knapp 100 wie in der "Matrix"-Bullet-Time vergehenden Minuten: What the fuck? Zwar ist "Sabotage" mit Arnie und Schauspiel-Titanen Sam Worthington starbesetzt, weiß mit diesem Umstand aber nicht das Geringste anzufangen und drängt die schauspielerisch limitierten Mimen in Rollen, für die sie ähnlich gut geeignet sind wie der Filmrezensent als charmanter Womanizer. Gerüchteweise soll Ayer einen Actionthriller im Sinn gehabt haben, aber das kann man wohl in die Kategorie "Was hab‘ ich nur für einen Schädel! Ich rühr nie wieder ‘ne Flasche an!" ablegen. Wenn das Arnies Comeback sein soll, dann mögen uns die Amis einen Gefallen tun, ihre verlogene Verfassung ändern, Arnie zum Präsidenten wählen und das Kino jenen Filmen überlassen, für das es derzeit wie geschaffen scheint: Superhelden-Verfilmungen sowie "Twilight"- und "Hunger Games"-Klonen.

Anmerkung: Für diese Rezension wurden keine Drogen gefickt oder Tiere missbraucht.

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