Grenzenlos ist unser Hunger

Wie schafft man es ein bestimmtes Thema in das Bewusstsein der Menschen zu tragen, damit es dort für Bewegung sorgt?

Eine Möglichkeit ist beispielsweise eine Allen bekannte Melodie zu nehmen, diese mit ein paar eigenen Notenfolgen zu vermischen und den dazugehörigen Text umzuändern und zu ergänzen. Dies bringt die Leute schon einmal dazu genauer hinzuhören. Ist der gesamte Text zudem auch noch schnörkellos und unverblümt, kann dadurch ein provokantes Lied entstehen. Werden die in der heutigen Zeit üblichen Instrumente wie Gitarren und Schlagzeug mit mittelalterlichen Musikinstrumenten wie Sackpfeifen ergänzt, formt sich daraus ein neues Musikstück das einem dennoch bekannt vorkommt.


Getrieben von der Lust am Zuwachs,
besoffen von Geschwindigkeit
sind Eitelkeit, Wachstum und Ego
drei Todsünden uns‘rer Zeit.

Ein solches Kunststück haben Saltatio Mortis mit "Wachstum über alles" geschaffen. Rein musikalisch gesehen könnte es als eine neue, wesentlich lebendigere Version der deutschen Nationalhymne durchgehen. Die durchaus gewollte Provokation entsteht jedoch erst im Zusammenspiel mit dem Liedtext.

Dieser versteckt sich nicht hinter seichten Andeutungen, sondern sagt unumwunden aus, was die Jungs von Saltatio Mortis uns mitteilen möchten. Der Text kritisiert das blinde Streben nach Wachstum der Wirtschaft, welcher immerfort den Ton angibt aber auch die Gier nach immer mehr persönlichen Reichtum. Er prangert zudem die Ungerechtigkeiten an, die einigen wenigen als Wegzehrung dienen, durch die aber ein Großteil der Menschheit ausgeblutet auf der Strecke bleibt.

Grenzenlos ist unser Hunger.
Warum werden wir nie satt?
Gnadenlos ist unser Fortschritt,
überreizt ist unser Blatt.

Ich wage es, mich der prononcierten Aussage anzuschließen. Wachstum über alles spricht mir aus der Seele.

Trotz des Gefühls, der Text könne von mir stammen - immerhin beinhaltet er meine Gedanken - wäre es anmaßend dies zu behaupten, denn mir fehlt schlichtweg die nötige Genialität (und auch ein wenig der Mut), um überhaupt auf eine solche Idee zu kommen. Die Ideenfindung haben mir Saltatio Mortis abgenommen. Das Nachdenken und auch das Hinterfragen hingegen haben sie uns allen überlassen. Gut so!

Was passiert, wenn wir das Denken unterlassen, unsere Gedanken einem anderen übereignen und ihm die Leitung über diese übertragen?

Dies kann zu einer kollektiven Blindheit führen, navigiert von einem Blindenstock der aus Gier, Selbstherrlichkeit, Egoismus und Unmenschlichkeit besteht. Luxus und Konsum leuchten uns an jeder Ecke als Wegweiser getarnt. Sie tragen eine freundliche Maske, die uns locken soll. Doch wer genau hinhorcht, hört das hämische Lachen hinter der Maskerade. Sie strecken uns ihre Hände entgegen, aber nicht, um uns zu empfangen. Wir lassen zu, dass wirtschaftliche Wachstumsgier uns instrumentalisiert. Ja, in gewisser Weise beuten wir uns sogar selbst aus. Wir sind die steten Geber, während ein paar wenige permanent von uns nehmen. Eine pausenlose finanzielle und materielle Expansion steht auch immer in Verbindung mit fortwährender Ausbeutung sämtlicher Ressourcen sowohl den natürlichen, wie auch den ökonomischen und den mentalen. Was uns als Stärkung aller vorgegaukelt wird, ist in Wirklichkeit eine Schwächung. Nicht nur die der Schwachen, auch die der scheinbar starken.


Grenzenlos ist unser Hunger.
Warum werden wir nie satt?
Blind vor Gier sieht niemand hier,
dass jedes Wachstum Grenzen hat.

Offener Brief von Saltatio Mortis

In einem offenen Brief haben die Spielmänner ihre Beweggründe dargelegt. Sie wollen die Bevölkerung wachrütteln. Ihnen liegt jedoch nichts an blindem Zuspruch. Im Gegenteil. Die Mittelalter-Rock-Band aus Karlsruhe ruft zur öffentlichen Diskussion auf. Dass der Text, insbesondere in Verbindung mit der gewählten Musik, nicht bei jedem auf Gegenliebe stößt, darüber waren sich Saltatio Mortis bereits im Vorfeld bewusst. Dennoch scheuen sie sich nicht vor der zum Teil harschen Kritik, die ihnen entgegenschlägt.


Wachstum, Wachstum über alles,
über alles in der Welt.
Danach lasst uns alle streben,
bis der letzte Groschen fällt.
Eitelkeit und Gier und Ego
sind es was die Welt erhält.
Wachstum, Wachstum über alles,
über alles in der Welt.


Es ist nur eine kleine Lobby, von der wir uns marionettenhaft lenken und treiben lassen. Sie weisen uns den Weg, auf dem wir brav und stumm in großer Schar marschieren. Somit betrifft "Wachstum über alles" schlussendlich jeden Einzelnen von uns. Zwar ist einer allein zu unscheinbar, um einen merklichen Schritt in eine andere Richtung zu gehen. Viele kleine, schreitende Individuen sind jedoch durchaus in der Lage, einen neuen Pfad zu erschaffen. Ein Weg, umgeben von natürlichem und gesundem Wachstum, der für alle ausreichend materielle, aber vor allem menschliche Ressourcen bereithält.


Wie Pestilenz und Ungeziefer
vermehrt sich unser Geld vom Zins.
Stillstand heißt Tod - alles muss wachsen,
wie die Marge des Gewinns.

Offizielles Video - Wachstum über alles

Eine globale Hymne

Gnadenlos wächst alles weiter,
steckt die ganze Welt in Brand!
Lasst uns über Leichen gehen,
Aug‘ um Aug‘ und Hand um Hand!

 

Die Single enthält neben dem bereits beschriebenen Lied von Saltatio Mortis auch ein paar Remix-Versionen befreundeter Bands.

Während der Epic Remix von Subway to Sally dem Original recht ähnlich ist, wenn auch mit mehr mittelalterlichen Klängen bestückt, ist mit "Profit über alles" von Omnia auch eine englischsprachige Version dabei. Dadurch reift "Wachstum über alles" zu einer globalen Hymne. Das ist gut so. Denn die Problematik, die blinde Gier nach immer schneller werdenden grenzenlosen Fortschritt, nach immer mehr Wohlstand und Besitz, macht nicht an unseren Landesgrenzen halt. Nein, sie überschreitet sie mit Hochmut und verbreitet sich wie ein Krebsgeschwür auf allen Kontinenten. Und das alles ohne Rücksicht auf die Schwachen, die lediglich der Ausbeutung dienen. Erbarmungslos wird genommen, ohne dafür etwas zu geben. Nicht einmal das Gewissen wird befragt.

Gnadenlos wächst diese Plage
bis ans Ende dieses Wegs.
Auch in dir wächst das Geschwür,
denn wildes Wachstum heißt auch Krebs.

Bestechlichkeit und Geiz und Zinsen
sind des Geldes Unterpfand –
wachs‘ im Glanze uns‘res Goldes,
wachse lieber Kontostand!

Mit ihrem "niveauvollen Remix" haben Das Niveau eine humorvolle Interpretation beigesteuert. Auch wenn diese Variante albern erscheinen mag, so passt sie dennoch zum gesamten Projekt und lockert alles einwenig auf. Diese Auslegung eignet sich wunderbar, um die erhitzten Gemüter wieder zu besänftigen. Wenn das allein nichts bringt, kann sicherlich die Piano-Version zur Gemütsberuhigung beitragen.

Mit "Lebensweg" enthält die EP einen exklusiven und hörenswerten Single Track.

Das Schwarze Einmaleins

Natürlich wird "Wachstum über alles" auch auf der neuen Veröffentlichung "Das Schwarze Einmaleins" zu hören sein. Das Album wird es in vier verschiedenen Varianten geben.

Die auf der klassischen Version befindlichen Tracks, sind selbstverständlich auch auf den weiteren Variationen vorhanden:

1. Früher war alles besser
2. Wachstum über alles
3. Krieg kennt keine Sieger
4. Der Kuss
5. My Bonnie Mary
6. Sandmann
7. Satans Fall
8. Idol
9. IX
10. Galgenballade
11. Abrakadabra
12. Nur ein Traum
13. Randnotiz

Neben der klassischen Edition gibt es auch eine erweiterte Version, die einen zusätzlichen Bonustrack "Schloss Duwisib" enthält. Außerdem gibt es eine DVD vom Saltatio Mortis Auftritt auf dem Wacken Open Air 2011 und zudem das Making of vom schwarzen IXI sowie Stimmen der Band zu den Songs.

Das Schwarze Enmaleins - Prelistening

Die auf 1000 Stück limitierte Deluxe-Version enthält unter anderm eine Leinwand im Format 50x50 sowie eine zusätzliche CD mit ausgewählten Stücken in der Piano-Version. Genau das Richtige für Sammler.

Die Vinyl-Editionen sind in verschiedenen Farben von verschiedenen Anbietern erhältlich. Die schwarze Edition gibt es bei Amazon. Napalm Records bietet die 2 Vinyl-Schallplatten in dunkelblau an und bei EMP gibt es die Scheiben in der Farbe Aqua-Blau. Im Saltatio Mortis Shop wird die limitierte Edition in rot zu kaufen sein.

Saltatio Mortis

»Der lateinische Bandname, übersetzt "Totentanz", spielt auf die im Mittelalter gängige künstlerische Darstellung des Todes als Spielmann an. Mit dem Bandmotto "Wer tanzt, stirbt nicht" setzte die Band sich das Ziel, lauter und besser zu spielen als der Tod.«

(Saltatio Mortis)

Die im Jahre 2000 gegründete Band besteht derzeit aus acht Spielmännern. Sämtliche Bandmitglieder bringen eine musikalische Vielfalt mit, die auch Einfluss auf die Werke haben. Saltatio Mortis sind mit mittelalterlichen Klängen vor allem in den Sommermonaten im Zuge des "Mittelalterlich Phantasie Spectaculum" zu sehen und zu hören. Kältere Monate sind eher den Rockshows vorbehalten. Zwischendurch arbeiten die Spielleute unermüdlich an neuen Liedern und Alben.

Alea der Bescheidene
Er ist von Beginn an dabei. Seine markante Tenorstimme gibt den Ton an. Zudem spielt Alea mehrere Instrumente, wie beispielsweise Gitarre, aber auch mittelalterliche Blasinstrumente, wie Dudelsack und Schalmei. Des Weiteren beherrscht er den musikalischen Umgang mit dem Didgeridoo.

Lasterbalk der Lästerliche
Der Taktgeber spielt Schlagzeug, Percussion und Davul. Keineswegs lästerlich ist seine Betätigung als Haupttexter der Band. Gekonnt nutzt er die Sprache, um mit ihrer Hilfe aus hintergründigen Themen gelungene Liedtexte zu formen.

Falk Irmenfried von Hasen-Mümmelstein
Der vielseitige Musiker spielt neben Sackpfeife, Schalmei und Drehleier unter anderem auch mein persönliches Lieblingsinstrument, die Nyckelharpa.

El Silbador
"Elsi" ist gelernter Mediengestalter und somit ein Berufskollege von mir. Sein musikalisches Können teile ich jedoch nicht. Noch weniger seine Fähigkeiten beim Dudelsack bauen.

 

 

Bruder Frank
Seine Fähigkeiten als Bassist kommen nicht nur Saltatio Mortis zu Gute, sondern auch anderen Bands. Zudem unterrichtet er Privatschüler und an verschiedenen Musikschulen.

Der Tambour
Ein weiterer vielseitiger Musiker, der Saltatio Mortis bei den Akustik-Shows mit Trommelspiel und Percussion verstärkt. Auch die Stimme des studierten Musikwissenschaftlers kommt dabei zum Einsatz. Zudem ist er in verschiedenen Bands sowie als Studiodrummer aktiv. Nebenbei gibt er noch Schlagzeug- und Gesangsunterricht.

Luzi das L
Der ehemalige Schelm ist erst seit Anfang 2011 bei Saltatio Mortis. Jedoch hat er sich in kürzester Zeit mit seinem Sackpfeifenspiel in die Herzen der Fans gedudelt, sodass er deren Empfinden nach bereits seit einer Ewigkeit dazugehört.

Till Promill
Er ersetzt seit November 2012 Herr Samoel, der zum Bedauern aller Fans die Band verlassen hat, um neue Wege einzuschlagen.

Donnaya, am 11.08.2013
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Bildquelle:
Donnaya (Gothic, Mittelalter, Dark Metal - Musik außerhalb des Mainstreams)
Agentur Charis (Standing ovations für Gitte in Eckernförde)

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