Keiner denkt an Schlehen

Der Schlehdorn ist einer der ersten Frühlingsblüher (© bobby M / pixelio.de).

In früheren Zeiten waren frisch geerntete Schlehen in der Adventszeit der letzte Vitaminstoss, bevor es in den Winter ging. Mit Blick auf den bevorstehenden Winter wurden Schlehen fast ausschließlich mit Hochprozentigem verarbeitet: Entweder wurde aus Schlehen meistens mit Wodka ein Schlehenlikör oder mit Gabiko (ganz billiger 40-prozentiger Korn) ein Schlehenfeuer hergestellt.

Die Verbindung mit Alkohol liegt auch auf der Hand, weil das grünliche Fruchtfleisch roher Schlehen sehr herb und sauer schmeckt, wenn die Früchte keinen Frost abbekommen haben.

Schlehen sollten den ersten Frost abbekommen haben

Ab Mitte September reifen die Schlehen an ihren Sträuchern. Da die Wildfrüchte viel Gerbsäure enthalten und die Konzentration des Gerbstoffes durch Frost von 10 Gramm pro Liter auf ungefähr 5 Gramm pro Liter absinkt, werden Schlehen üblicherweise nach dem ersten Frost und somit bis Ende November und Anfang Dezember bis weit in die Adventszeit gepflückt. Der Frost wandelt die Stärke in Zucker um und macht das Steinobst weich und bringt einen süßen Geschmack. Das ist purer Eigennutz der Schlehen, denn jetzt schmecken sie im tiefen Winter allen Vögeln und den Wildtieren. Durch deren Exkremente können sie sich an anderer Stelle weiter ansiedeln.

Aber keine Angst, den Schlehen ist es egal, ob es sich dabei um den späten ersten natürlichen Frost handelt oder für 24 Stunden den hausgemachten Frost in der Tiefkühltruhe. Also kann die Erntezeit schon Anfang Oktober beginnen.

 

Seien Sie beim Pflücken vorsichtig und tragen Sie am besten dicke Gartenhandschuhe, denn die Zweige des Schlehdorns haben sehr spitze lange Dornen.

© Axel Alm

Schlehen sollte man selber pflücken und sofort verarbeiten

Schlehen gibt es in unseren heimischen Geschäften selten bis gar nicht zu kaufen. Höchstens einige traditionsbewußte ländliche Bauernmärkte in abgelegenen Regionen haben Schlehen im Angebot. Das ist auch schnell erklärt, denn gepflückte Schlehen halten sich nicht lange und müssen innerhalb von 1 bis 2 Tagen verarbeitet werden.

 

Also nutzen Sie den nächsten Spaziergang zum Schlehenpflücken. Es lohnt sich, denn 2014 ist ein tolles und ertragreiches Schlehenjahr. © Axel Alm

 

 

 

Zwei Kilogramm Schlehen sind schnell gesammelt. © Steffi Pelz / pixelio.de

Die frischen oder soeben aufgetauten Schlehen müssen gut gewaschen und anschließend trockengetupft werden. Anschließend werden sie mit einem scharfen Messer halbiert und der fest sitzende Stein mit der Messerspitze herausgelöst.

Schlehengelee

Für das wohlschmeckende Schlehengelee benötigen Sie 1 Kilogramm geputzte und entsteinte Schlehen, ein Pfund säurereichen Apfel, zum Beispiel Boskop, Gelierzucker 1:1 mit drei Teilen auf vier Teile Saft oder anderen Gelierzucker entsprechend umgerechnet und drei Eßlöffel Zitronensaft.

Die Äpfel waschen, achteln und das Gehäuse und den Stiel entfernen. Schlehen, Apfelstücke und Zitronensaft in 1,5 Liter Wasser geben und alles langsam zum Kochen bringen. Dann zirka 60 Minuten bei mäßiger Hitze köcheln lassen. Abkühlen lassen und durch ein feines Sieb, sauberes Tuch oder eine Kaffeefiltertüte filtern. Den gewonnenen Saft wiegen und entsprechend der obigen Rezeptur mit Gelierzucker vier Minuten sprudelnd kochen lassen. In saubere Twist-Off-Gläser bis zum Rand füllen und sofort verschließen.

Schlehensirup

Für zwei Kilogramm Schlehen benötigen Sie 1,5 Pfund Zucker, einen Viertelteelöffel Nelkenpulver und einen Teelöffel Zimtpulver. Die geputzten Schlehen in einen Topf geben und mit so viel Wasser auffüllen, dass die Schlehen bedeckt sind. Einen Tag stehen lassen, dann die Flüssigkeit aufkochen und wieder über die Schlehen gießen. Diese Prozedur noch zwei Tage wiederholen. Dann den Saft abnehmen und durch ein feines Sieb, sauberes Tuch oder eine Kaffeefiltertüte filtern. Anschließend den Saft mit dem Zucker so lange kochen, bis sich der Zucker vollkommen aufgelöst hat. Den Schlehensirup sofort heiß in saubere Flaschen füllen und sofort verschließen.

Als Speise paßt der Sirup zu Eis, Pudding oder auch Grießbrei und als Getränk zu Sodawasser oder Sekt.

Und da wir schon bei den Getränken sind, nun noch zwei der bewährten hochprozentige Schlehengetränke.

Schlehenlikör

Sie benötigen 300 Gramm geputzte Schlehen, 250 Gramm Kandiszucker, einen halben Liter Wodka, 10 Gewürznelken, eine Zimtstange und etwas Orangenschale. Die entsteinten Schlehen geben Sie mit allen übrigen Zutaten in ein verschließbares Glas und stellen es an ein Fenster möglichst in der Nähe eines Heizkörpers. Hin und wieder das Getränk gut durchschütteln. Nach ungefähr 6 Wochen filtern Sie den Schlehenlikör und füllen es in nicht zu große Flaschen ab. Schlehenlikör wird gekühlt serviert.

Schlehenfeuer

Ein Schlehenfeuer kann ohne jegliche hausfrauliche Übung in wenigen Minuten angesetzt werden. Dazu werden 200 Gramm frisch geputzte Schlehen, 200 Gramm Kandiszucker und eine Flasche 40-prozentiger Korn in eine saubere, verschließbare Flasche oder ein verschließbares Glas gegeben. Dann bleibt das Gefäß zirka zwei Monate zu, wird aber hin und wieder geschüttelt. Anschließend wird das Getränk durch ein feines Sieb, sauberes Tuch oder eine Kaffeefiltertüte gegossen und somit gefiltert und in Flaschen gefüllt.

Wollen Sie das Schlehenfeuer verschenken, geben Sie zur Zierde einige wenige Schlehen in die Flasche.

 

 

 

Massenhaft Schlehen. Das Sammeln lohnt sich dieses Jahr. © Axel Alm

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