Leistungsdruck und Medikamente

Damit dürfte es anfangen, man fühlt sich nicht "so recht" und glaubt dem Alltag nicht voll gewachsen zu sein. Mit dem Griff zur Pille lassen sich Unpässlichkeiten abbauen und das schlechte Gewissen besänftigen. Ob die so erreichte Verbesserung auf das Medikament oder auf autosuggestive Effekte beruht, kann natürlich nicht beurteilt werden. Im Lauf der Zeit ist meist eine Dosis nicht mehr ausreichend und deshalb wird die Einnahme mehrmals täglich wiederholt. 

Spätestens jetzt hat sich die Gefahr Nebenwirkungen zu erleben, zur Wahrscheinlichkeit entwickelt und es könnte sein, dass nun Beschwerden auftreten, die dann mit weiteren Medikamenten behandelt werden müssen. 

Iatrogen lautet die Bezeichnung für Beschwerden, die von Medikamenten ausgelöst werden. Beschwerden, deren Behandlung durch weitere Medikamente noch weitere Beschwerden bewirken. Dazu kommt noch, dass einige Wirkstoffe selbst Schmerzen bewirken können. Der in vielen Schmerzmitteln enthaltene Wirkstoff Acetylsalicylsäure, besser unter dem Markennamen Asperin bekannt, gehört dazu. Ab einer gewissen Menge, es wird von 15 Tabletten im Monat gesprochen, soll es Kopfschmerz erzeugen. Es entsteht ein Teufelskreis. Gegen den Schmerz wird eine Tablette genommen, die stärkeres Kopfweh verursacht und nun zu weiterem Konsum des Medikaments führt. Ein Karussell, das besser gar nicht in Bewegung gesetzt werden sollte.

Der Boom - frei erhältliche Schmerzmittel

Frei, also ohne Rezept, sind die in Apotheken erhältlichen Schmerzmittel "in aller Munde" und der mit diesen Medikamenten erzielte Gewinn der Pharma´s  steigt kontinuierlich. Eine Entwicklung, an der Ärzte nicht so ganz unschuldig sind. Deren Botschaft in den Medien, Gesundheitssendungen etc. lautet; "Bei Schmerzen gleich zum Arzt".

Wird dieser Rat befolgt, ergibt sich daraus eine weitere Schwierigkeit, denn es bestehen meist monatelange Wartezeiten bis zur Konsultation mit "dem Meister der Schmerzen". Hat man es dann endlich geschafft in Allerheiligste vorzudringen, werden entzündungshemmende und Schmerz unterdrückende Medikamente in meist hohen Dosen injiziert und verordnet. Medikamente, mit denen "einfach mal so das Licht ausgemacht wird". 

Obwohl es im System offiziell überhaupt nicht gern gesehen wird, bleibt die Tatsache, dass auch Patienten (Geduldige) lernfähig sind. Bevor die sich der weiteren Tortur langer Wartezeiten, mit "Blitzkonsultationen" und mageren Ergebnissen aussetzen, gehen viele lieber in die nächste Apotheke. Dort ist z. B. Diclofenac in Stärken bis zu 25 mg pro Tablette rezeptfrei zu bekommen. Höhere Dosierungen erfordern eine ärztliche Verordnung aber man muss kein mathematisches Genie sein, um auszurechnen, dass 2x 25 mg die verschreibungspflichtige Größe von 50 mg ergeben. Dazu kommt, dass in vielen Urlaubsländern, wie Griechenland, Spanien, der Türkei und Ägypten etc. dieser Wirkstoff auch in höchsten Konzentrationen in jeder "Farmacia"  und deutlich preiswerter als in Deutschland über den Ladentisch frei verkauft werden. Ein Mitbringsel, das es "in sich" haben kann.

2000 Tote jährlich wegen Diclofenac & Co

Es wird geschätzt, dass in Deutschland jährlich zwischen 1500 bis 2000 Personen an Magen-Darmblutungen sterben, die von nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR), wie beispielsweise Diclofenac, Ibuprofen aber auch Acetylsalicylsäure (Asperin) verursacht wurden. Wahrscheinlich ist diese Zahl wegen der aufgrund der Menge der verbrauchten Medikamente sogar noch deutlich höher. 

Dazu kommen wahrscheinlich weitere schätzungsweise 100.000 Fälle, die wegen so ausgelösten Magen-Darmblutungen behandelt werden müssen. Das perfide an diesen Blutungen ist, dass deren Vorzeichen, wie beispielsweise Magenempfindlichkeiten nicht von jedem empfunden werden. Das solche intestinalen Blutungen den Stuhl verfärben steht nicht auf den Beipackzetteln. Die normale Farbe des Stuhlgangs ist vergleichbar mit einem Kastanienbraun. Bei leichten Blutungen aus dem Magen-Darm-Bereich beginnt sie sich ins Hellgraue zu verändern. Mit zunehmender Blutungsintensität wird der Stuhl das schwarz. Es wird von einem Teerstuhl gesprochen und das sollte dann spätestens Anlass sein, einen Arzt zu konsultieren.

Bevor es jedoch zu Blutungen kommt, entstehen Reizungen der Schleimhäute, die sich auf dem spinalnervlichen Weg in die Skelettmuskulatur übertragen und so genau die Beschwerden auslösen können, gegen die die Medikamente genommen werden. 
Siehe auch: Diclofenac, Ibuprofen und tote Geier 

Migräne und ihre Therapie

Egal, ob es sich um eine Migräne oder "nur" um außergewöhnlich starke Kopfschmerzen handelt, endet der Gang zum Arzt oft im Nirwana. Da die heutige Medizin symptomorientiert ist, d. h. dass der Ort der Beschwerden mit der Ursache gleichgesetzt wird, wird in solchen Fällen der Kopf und die Halswirbelsäule von Fachärzten der verschiedensten Disziplinen sehr gründlich untersucht.,Insbesondere sind es Tumore nach denen zu Recht gefahndet wird. Sofern diese Untersuchungen keine Begründungen für die Beschwerden erbringen, wird den Patienten eine Schmerztherapie als Behandlung empfohlen. Als weitere Variante besteht Aussicht für diese Patienten zum Psychiater überwiesen zu werden.

Viele dieser der in diese Schublade geworfenen Leidenden beschließen daraufhin Ärzte zu meiden und versuchen sich mit frei erhältlichen Schmerzmitteln das Leben erträglicher zu machen. Damit es nicht so auffällt, kaufen sie ihre Medikamente in verschiedenen Apotheken ihrer Nachbarschaft ein und enden dann nicht selten wegen irreparabler Nierenschädigungen auf einer Dialysestation im Krankenhaus.

Also, dann doch wohl besser die Migräneschmerztherapie. Positiv daran ist, dass u. a. auch Entspannungstechniken unterrichtet werden. Ansonsten bleibt es jedoch bei Medikamenten, die kaum andere oder gar weniger Nebenwirkungen haben, als die frei erhältlichen. Dabei verbleibt gewissermaßen  als Trost, dass in verhältnismäßig kurzen Abständen Laboruntersuchungen vorgenommen werden, mit deren Ergebnis ein Crash durch Wechsel der Medikamente vermieden werden kann. Da jedoch Migränepatienten Dauerpatienten sind, ist auch das nicht absolut sicher.

Schmerztherapie und der "Schönheitsfehler"

Wie bereits erwähnt, ist unser Medizinsystem symptomorientiert. Es wird angenommen, dass Schmerz und Ursache am gleichen Ort zu finden sein müssen. Deshalb wird dann auch bei der Migräneschmerztherapie mit Schmerzmitteln so freigiebig umgegangen, weil ja Untersuchungen des Kopfes und des Gehirns keine Abweichungen vom Normalen ergaben. Der "Schönheitsfehler" ist dabei, dass andere mögliche Auslöser nicht in Erwägung gezogen werden. Wieder einmal ist ein Grund dafür die Aufteilung der Medizin in ihre Fachgebiete.

Dazu folgendes Fallbeispiel: Bei der seit mehr als 25 Jahren unter etwa 5 Anfällen pro Monat und jeweils etwa 4 Tage andauernden starker Migräne leidende Patientin, stellte sich als denkbare Ursache eine Beeinträchtigung ihres Magens heraus. Magenbeschwerden hatte sie jedoch nicht. Durch die versuchsweise Anwendung eines Magenschutzmittels (Wirkstoff Omeprazol) verminderte sich nicht nur die Intensität der Schmerzattacken, sondern verringerte sich die Zahl der Anfälle geringfügig ebenfalls. Was lag also näher, als der Patientin eine Konsultation eines Gastroenterologen nahe zu legen. 

Der fragte sie nach dem Grund ihres Erscheinens und rastete dann sichtlich aus, als er ihre Begründung hörte: "Wegen meiner Migräne". Seine in fast aggressiv vorgetragene Antwort war: "Ich bin zuständig für Krankheiten des Magen-Darm-Trakts aber nicht für Migräne". Die Patientin hatte statt einer direkten Entgegnung einen Link auf eine meiner Seiten bei Pagewizz dabei: http://pagewizz.com/der-zwerchfell-halswirbelsaeulen-reflex-dzr/

Der Computer wurde bemüht und nach relativ kurzer Zeit bedankte sich der Arzt dafür, wieder dazugelernt zu haben. Die Gewebeproben der anschließend durchgeführte Gastroskopie ergaben eine Infektion mit einem Bakterium (Helicobacter pylori) und nach dessen Behandlung mit antibiotischen Medikamenten löste sich ihr Problem annähernd völlig. Diätfehler bewirken auch heute noch mildere und deutlich kürzere Migräneanfälle, das geschieht aber nunmehr nur noch etwa einmal pro Monat.

Denkbare Abhilfen

Bedenken Sie, dass ihr Körper eine Einheit ist und nicht in fachmedizinische Schubladen zergliedert werden kann. Also, vergleichbar mit einem Pullover, alles ein Faden. Rückenschmerzen kommen, mit Ausnahme von Unfallfolgen, in aller Regel nicht vom Rücken, sondern meist von einem inneren Organ. Untersuchungen der Wirbelsäule bringen zwar die Erkenntnis, dass da irgendwo ein Schaden vorliegt. Damit ist aber in keinem Fall geklärt, warum die Wirbelsäule Schaden nehmen konnte. Sofern Ihnen Störungen innerer Organe bewusst sind, lassen Sie besser diese abklären und behandeln. Der Rückenschmerz verschwindet dann meist von selbst.

Versuchen Sie herauszufinden, ob Ihnen Wärme oder Kälte Linderungen verschafft. "Abbonieren" Sie keinesfall unbesehen Wärmeanwendungen, nur weil Sie gelesen haben, dass Wärme entspannt. Entzündungen und entzündungsähnliche Zustände müssen zwangsläufig auf warme Packungen etc. mit einer Verschlimmerung reagieren. Vergessen Sie dabei die klassischen Zuordnungen von "chronisch" und "akut" und bedenken Sie, dass ständige Wärmeanwendungen einen Zustand gar nicht chronisch werden lassen. Wärmende oder kühlende Anwendungen sind zwar keine Heilmittel, versetzen aber einen gestörten Organismus in die Lage, sich selbst helfen zu können. Die genaue Anleitung dazu finden Sie hier: "Wärme bis zur Invalidenrente".

Gefährliche Medikamente - Zulassungspraktiken
Klaus_Radloff, am 06.10.2012
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Autor seit 7 Jahren
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