Die Schreinacht hat eine lange Tradition

Der Weihnachtsmann bringt die Geschenke, unter dem Tannenbaum wird ausgepackt, der Gänsebraten duftet aus dem Ofen und sanfte Klänge weihnachtlicher Musik hallen durch die Räume. Liebe und Besinnlichkeit ziehen ein, wenigstens für einige Tage. So haben Sie es immer empfunden. Doch der Schein hat Sie stets getrogen. Denn wie oft haben Sie sich gefragt, was Sie mit dem fünften Binder hintereinander anfangen sollen oder warum Sie nur für 50 Euro, Ihr Bruder jedoch mit 500 Euro beschenkt wurde? Erinnern Sie sich daran? Hier wurde die Saat der Schreinacht gelegt. Gott, Happy Christmas und der ganze Zauber war nur die Hülle dafür, so wie das Trojanische Pferd. Sie, wir alle, wurden eingelullt. In Wirklichkeit war Gott, der Allmächtige, nur der Gehilfe des Teufels. Der Weihnachtsmann war der Gehilfe des Todes, Happy Christmas war die Begleitmusik zum Vergessen. Sie haben es nur nicht gemerkt, weil Sie es gar nicht wollten. Weil eine Hintertür immer offen stand, das Umtauschen der ungeliebten und lästigen Geschenke im Kaufhaus, das Versteigern bei ebay, um noch mehr Geld herauszuholen. Doch die Schreinacht war immer präsent, nur lieblich verpackt, in einfühlsamen Melodien, Kerzenschein und der geschmückten Nordmanntanne. Dieses Jahr jedoch zeigt sie sich offen.

Feiern Sie mit -- wild, gefährlich und auf dem Weg in die Hölle

Vergessen Sie die Wiener Philharmoniker. Kramen Sie schon mal die alten AC/DC CD-s hervor. Denn "Highway to hell" ist der wahre Schreinachtssong, der Krach, der uns alle auf dem Weg in die Höllenparty begeiten wird. Machen wir uns auf den Weg, offenbaren wir unsere dunkle, unsere wahre Seite, seien wir grundehrlich zu uns selbst. Hiebe statt Liebe, Wut statt Gut, lassen wir unseren wahren Gefühlen freien Lauf. Das ganze Jahr haben Menschen gebombt, geköpft, sich in Kriegen dezimiert. Und Weihnachten ist plötzlich alles Vegessen. Wie scheinheilig. Leidet die Menschheit plötzlich an Amnesie? Wieder AC/DC. "TNT", Sprengstoff, lassen wir es krachen, begraben wir endgültig die Lügen und frommen Gebete unter den Trümmern der einstürzenden Scheinheiligkeit. Bomben, morden und köpfen wir weiter wie bisher. Feiern Sie das Fest der Hiebe, ficken Sie sich die Seele aus dem Leib, solange Sie noch können. Schlagen Sie Ihren Nachbarn und lassen Sie die lange angestaute Wut über das falsche Lächeln der Politesse, die Sie immer abkassiert, in einer Schreikanonade heraus. Fressen und Saufen Sie, bis Sie platzen. Auch eine Kalorienbombe ist eine Bombe, und davon kann es nie genug geben. Gehen wir gemeinsam den "Highway to hell ", mit donnernden Gitarrenriffs und einem Schlagzeug, das sich in die hintersten Winkel der Gehörgänge brennt. Feiern wir eine gigantische, blutige, terroristische SCHREINACHT - PARTY. 

Und wo bleibt Gott?

Ach, der alte Rauschebart. Der ist schon so lange enttäuscht von uns Menschen und feiert fröhlich mit. Seine Engel sind mit der Aufklärung der besten Ziele beschäftigt. Passen Sie auf, diese reizenden Engel sind gefährlich. Wo sie während der Party auftauchen, ist die Scheinheiligkeit besonders präsent und die Bombenabwurfgefahr megahoch. Und Gott selbst? Der feiert in der Hölle, denn den Beelzebub wollte er schon immer mal besuchen. Als Feuermeister wacht er über die Kessel, in denen die besonders dreisten Lügner schmoren. Dabei summt er etwas von " Lügen haben kurze Beine, denn im Feuer sind sie meine" und seine Augen funkeln diabolisch, während der Strom der Partygäste unablässig in die angesagteste Location der Welt strömt. "Back in Black" der australischen Rockgötter hallt von den Wänden und die Toten Hosen singen "An Tagen wie diesen". Und Sie, ich, wir alle feiern eine gigantische Weltuntergangsparty, eine Schreinacht der Superlative.

Ich freue mich schon drauf.

Fotos by:pixabay.com

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