Beobachtungen beim Bau

"Die Liebe zu den Fledermäusen muss schon sehr groß bei den Naturschützern sein" sinniere ich beim Aufstieg mit meiner Kamera am steilen mit Baum und Gebüsch bewachsenen Gebirgshang. Der ehemalige Bierkeller, in dem die Tiere einen neuen Unterschlupf finden sollen, liegt gut geschützt hoch oben. "Wanderer werden hier wohl eher selten vorbeikommen", denke ich. Aber ich will es den Leuten von der Arbeitsgemeinschaft Fledermaus gleichtun und darum klimme ich unerschrocken weiter. Sie besprechen kurz ihren Arbeitseinsatz, verteilen das Werkzeug und steigen in die Höhe. Vor Ort ist dann schnell geklärt wie lang, damit man sieht was man tut, das Stromkabel für die Beleuchtung sein muss. Unten wird der Generator in Gang gesetzt und die Notbeleuchtung erhellt erst den Höhleneingang und dann je tiefer wir eindringen, die gesamte gemauerte Höhle. Bei der Arbeit erfahre ich einiges über die zukünftigen Bewohner.

Fledermausschützer in Aktion

Fledermausschützer in Aktion

Fledermaus blutrünstig oder schutzbedürftig?

Der Name Fledermaus jagt zarten, phantasievollen Gemütern oft einen Schauer über den Rücken. Es steht dabei das Wort Vampir im Raum und damit "das willig machen von unschuldigen Opfern" und deren latenten Tod durch Blutverlust. Diese Schauermärchen haben in der Realität wenig mit der Fledermaus zu tun. Fakt ist, dass Fledermäuse dafür sorgen, das die Insekten nicht überhand nehmen. Sie dezimieren, weil sie Nachttiere sind, den Bestand an nachtaktiven Insekten, zum Beispiel Stechmücken und Forstschädlinge. Alle der in Baden-Württemberg beheimateten etwa 20 Fledermausarten stehen inzwischen auf der Liste der gefährdeten Arten, erklärt Tobias Tunk. Der dramatische Rückgang setzte vor etwa 50 Jahren ein.
Konnten 1955 noch über 1 000 der Insektenfresser in der Sontheimer Höhle, einem Schauobjekt, gezählt werden, waren es später weniger als 20 Tiere. Einige Arten, die kleine Hufeisennase und die Mopsfledermaus, verschwanden völlig. Das seit den 80er Jahren der Fledermausbestand wieder etwas angewachsen ist, ist vor allen Dingen den Arbeitsgemeinschaften, die sich für den Schutz der Tiere einsetzen, zu verdanken. Sie sehen Fledermäuse als positive Indikatoren für den Zustand der Umwelt. Wo es sie gibt, sind auch unsere eigenen Lebensräume noch weitgehend intakt.

Fledermäuse im Schutzkasten

Fledermäuse im Schutzkasten

Gibt es andere Hilfsprogramme für Fledermäuse?

Ein kleines Hilfsprogramm für Fledermausfreunde ist auf der Homepage: www. Flederhaus.de zu finden. Dort wird darauf hingewiesen dass Naturfreunde schon beim Hausbau an Fledermäuse denken sollen. Denn wie schon ein chinesisches Sprichwort verheißt, kann sich der glücklich schätzen, der Fledermäuse unter seinem Dach beherbergt. Auf der Internetseite ist auch die Bezugsmöglichkeit von Bauanleitungen für Fledermauskästen zu erfragen. Es wird die Frage beantwortet welche Sträucher, Bäume und Wildpflanzen Fledermäuse als Futter benötigen.
Das Flederhaus ist eine Kooperative der Arbeitsgemeinschaften Fledermaussschutz und seit 1999 in Betrieb. Die Bilanz von zwei Jahren spricht für ihr Wirken. "Wir haben über 350 Fledermäuse gepflegt und aufgezogen. Weit über die Hälfte der Tiere konnten nach ihrer Genesung wieder in die Freiheit entlassen werden", geben sie bekannt.
Warnung vor der Berührung von Fledermäusen
Vorsicht sollte man bei dem Fund von Fledermäusen walten lassen. Sie sind Wildtiere und wehren sich, wenn sie krank oder verletzt sind. Es müssen also vor dem Anfassen Handschuhe angezogen werden. Der Transport sollte in einem luftigen Behälter, wie etwa einer mit Löchern versehenen Schuhschachtel, erfolgen.
Die Nummer des Notfalltelefons lautet: 0179 49 72 995. Natürlich werden hilfsbedürftige Fledermäuse in Oberschwaben auch von der Fledermausschutzgruppe Kreis Ravensburg angenommen und versorgt. Beratung und Kontakt: Pia Wilhelm, Naturschutzzentrum Pfrunger-Burgweiler Ried,

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