Feinschmecker: Zombies mögen’s roh

Der Mittdreißiger Shaun (Simon Pegg) ist alles andere als ein Erfolgstyp. Seinen kargen Lohn verdient er sich im Elektrowarengeschäft, wo ihn seine eigenen Kollegen nicht ernst nehmen, sein bester Freund Ed (Nick Frost) handelt mit Drogen, wenn er nicht gerade faul auf der Couch herumlungert und an der Playstation daddelt, und sein Stiefvater Philip (Bill Nighy) ist ein Ekel, das ihn ständig nur kritisiert. Kein Wunder also, dass ihm Freundin Liz (Kate Ashfield) schließlich den Laufpass gibt.

Doch ausgerechnet eine Katastrophe eröffnet ihm die Möglichkeit zu beweisen, welches Potenzial in ihm schlummert. Eine mysteriöse Seuche verwandelt fast ganz London in eine Zombie-Kolonie. Anfangs bemerkt Shaun von den Änderungen gar nichts. Aber als er von einer jungen Frau im eigenen Garten angefallen wird, ahnt er den Grund dafür, dass die Geschäfte plötzlich leer stehen und Leichen auf den Straßen liegen. Jetzt liegt es an ihm, seine Ex-Freundin Liz und seine Mutter Barbara (Penelope Wilton) vor den hungrigen Untoten zu retten. Großmütig springt Shaun sogar über seinen Schatten und versucht, den ungeliebten Stiefvater Philip in Sicherheit zu bringen. Vergebliche Liebesmüh, denn der humorlose Haudegen wurde bereits mit dem Zombie-Virus infiziert …

Vorbild „Dawn of the Dead“

Welcher Film Pate für "Shaun of the Dead" stand, ist nicht schwer zu erraten: George Romeros legendärer Zombiefilm "Dawn ot the Dead" wird bereits im Titel liebevoll veralbert und entpuppt sich als Inspirationsquelle zahlreicher köstlicher Gags und ironischer Anspielungen. Trotzdem bereitet der Film auch dann mächtig Spaß, wenn man noch nie einen Zombiefilm gesehen hat. Gerade darin zeigt sich eine der ganz großen Stärken des Streifens: Er funktioniert auf seiner komödiantischen Ebene dermaßen prächtig, dass er keinerlei Insiderwissen voraussetzt.

Freilich schaden derlei Kenntnisse nicht, etwa dann, wenn Ed Shauns Mutter Barbara am Telefon zuraunt: "We're coming to get you, Barbara!", eine Anspielung auf den legendären Satz: "They're coming to get you, Barbara!" aus "Night of the living Dead".

Zombies? In „Shaun of the Dead“ halb so schlimm wie die Lebenden!

Nicht nur die Infizierten erleben eine Mutation, auch Titelheld Shaun erfährt eine ungewöhnliche Transformation vom mitleidig belächelten Loser zum buchstäblich über Leichen gehenden Helden wider Willen. Bis es so weit ist, muss der nicht besonders helle Shaun aber erst einmal die Gefahr bemerken. Wenn er sich wie jeden Morgen im Laden ums Eck ein Eis kauft, auf einer Blutlache ausrutscht und sich über den offenbar arbeitsunwilligen Verkäufer wundert, mag dies zwar an den Haaren herbeigezogen wirken, doch: Wer achtet in seiner täglichen Routine schon darauf, ob sich irgendetwas verändert hat?

Alsbald sich Shaun dieser radikalen Veränderung gewahr wird, wächst er über sich hinaus. Kein leichtes Unterfangen angesichts der Ablehnung seitens des Stiefvaters und seiner "Es war einmal"-Freundin Liz. Führt man sich Shauns Demütigungen vor Augen fällt es schwer zu entscheiden, wer grausamer zu ihm war: Sein persönliches Umfeld oder die Zombies, die keinerlei moralische Wertungen, Boshaftigkeiten oder kühle Abwägungen kennen, wie sie beispielsweise Liz demonstriert, wenn sie Shaun aus nichtigen Gründen abserviert, weil sie ihn für einen Versager hält.

Alles fließt: Lachtränen beim Zuschauer, Blut bei den Figuren

Trotz der in ihrem Kern äußerst dramatischen Story verwehrt sich "Shaun of the Dead" jeglichen düsteren Szenen. Der obligatorische Großangriff der Zombies wird etwa mit dem "Queen"-Song "Don't stop me now" untermalt. Erstaunlicherweise wirken derlei groteske Einfälle nicht wie Fremdkörper, die noch rasch ins Drehbuch eingebaut wurden, sondern fügen sich nahtlos in die innere Logik des Filmes ein.

Ätzende Konsum- und Sozialkritik schließen den knapp 100 Minuten langen Ausflug ins Subgenre der Zombiekomödie ab. Eine Fortsetzung des Kinohits wurde nie in Erwägung gezogen. Stattdessen engagierte Edgar Wright für seinen nächsten Film "Hot Fuzz" (feinsinniger deutscher Untertitel: "Zwei abgewichste Profis") die meisten Darsteller von "Shaun of the Dead" und nahm diesmal Actionfilme aufs Korn. Zu Recht geriet auch "Hot Fuzz" zum Kinohit und stellte den enormen Einfallsreichtum britischer Komödien unter Beweis.

Fazit: "Shaun of the Dead" ist eine wunderbar leichte, originelle Komödie, die vom ausgefeilten Drehbuch, vielen Witzen und den grandiosen Darstellern (allen voran natürlich Simon Pegg) lebt. Wer bei diesem Film nicht lacht, ist wohl selber schon ein Zombie …

Originaltitel: "Shaun of the Dead"

Regie: Edgar Wright

Produktionsland und -jahr: GB, 2004

Filmlänge: ca. 97 Minuten

Verleih: Universal/DVD

Veröffentlichung auf blu-ray: 1. Oktober 2009

Autor seit 6 Jahren
837 Seiten
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