Okkultismus boomt wieder!

Mit Beginn des neuen Jahrtausends hatten es okkultistisch angehauchte Filme schwer, nachdem sie vor allem in den 1970er-Jahren Millionen Zuschauer in die Kinos gelockt hatten. Allmählich erholt sich dieses Horror-Subgenre jedoch wieder und feiert zumindest auf DVD und blu-ray fröhliche Urstände, wie der Psychothriller "Shelter" mit Julianne Moore beweist.

Okkultismus boomt wieder!
Deutscher Trailer "Shelter"

Küchentischpsychologin Julianne Moore

Die resche Psychologin Cara Harding (Julianne Moore) ist seit der brutalen Ermordung ihres Ehemannes verbittert und wird zunehmend zynischer. Trotzdem hat sich die gestandene Wissenschafterin und alleinerziehende Mutter nicht vom Glauben abgewandt. Eine hilfreiche Eigenschaft, wie sich später herausstellen soll. Denn zunächst zweifelt sie noch daran, dass ihr neuer Patient Adam (Jonathan Rhys-Meyers) mit dem Übernatürlichen in Verbindung steht, auch wenn sich ihr Vater und wissenschaftlicher Mentor (Jeffrey DeMunn) dessen multiple Persönlichkeiten nicht mit rechten Dingen erklären kann.

Je eingehender sich Cara mit dem Fall beschäftigt, umso erschreckender sind ihre zu Tage tretenden Entdeckungen. Sämtliche Identitäten Adams basieren nicht nur auf realen Menschen, sondern noch dazu auf solchen, die allesamt längst tot sind. Cara ist schleierhaft, wie dies möglich sein kann, und weitet ihre Spurensuche aus, die sie auf okkulte Fährten führt. Plötzlich wird ihr Glauben zum wichtigsten Verbündeten im Kampf gegen dunkle Mächte …

Okkultismus boomt wieder!

Rezension "Shelter"

Man könnte den von Mans Marlind und Björn Stein in Szene gesetzten Psychothriller ruhigen Gewissens als "One-Woman-Show" bezeichnen. US-Schauspielerin Julianne Moore drückt dem Horrordrama ihren Stempel auf und stemmt den gesamten Film. Keine leichte Aufgabe angesichts des mehr als dürftigen Drehbuchs, auf dem "Shelter" basiert.

Prinzipiell laborieren okkulte Thriller an meist merkwürdigen Moralvorstellungen oder ungerecht scheinenden Bestrafungen für harmloses Fehlverhalten. "Shelter" treibt diese spirituellen Stilblüten auf die Spitze: Der Unglaube wird mit aller Härte sanktioniert, und handle es sich bei den Betroffenen um unschuldige Seelen. Mitunter hinterlässt der Psychothriller den Eindruck, von christlichen Fundamentalisten produziert worden zu sein. Dies soll natürlich die beeindruckende Darstellerleistung von Julianne Moore in keiner Weise schmälern, wirft aber die Frage auf, wie ernst der Zuschauer einen dermaßen religiös verbrämten Streifen überhaupt nehmen kann.

Auf der Alm, da gibt's die Sünd...

Nach verheißungsvollem und spannenden Beginn gleitet "Shelter" rasch in gewohnte Klischee-Gefilde ab. Bergbewohner werden offenbar auch von Hollywood-Drehbuchautoren entweder als harmlose Spinner oder schamlose Hedonisten betrachtet. Kein Wunder also, dass Julianne Moore schon bald mit einer besonders widerwärtigen Sünde aus der Vergangenheit konfrontiert wird, die - gemäß esoterischen Spielregeln - von Generation zu Generation übertragen werden. Unfreiwillig komischer Höhepunkt des Mummenschanzes ist eine "Hexenjagd" in den Bergen. Den freiwillig unkomischen Tiefpunkt stellt aber der hemmunglos religiöse Showdown dar.

Gewiss: Viele Genrefilme bedienen sich mit Vorliebe aus der Bibel oder kruden esoterischen Schriften und sogar rein fiktiven Büchern wie dem berüchtigten "Necronomicon". Indes schafft es "Shelter" nicht, seinen Plot zusammenhängend und flüssig zu erzählen. Immer wieder gerät der Film ins Stocken, insbesondere in Szenen ohne Julianne Moore. Denn Jonathan Rhys Meyers ("Match Point") mag ein Frauenschwarm sein, für höhere Schauspielaufgaben empfiehlt er sich zumindest mit seiner Leistung in "Shelter" nicht.

DIe Regiearbeit von Mans Marlind und Björn Stein kann als durchschnittlich eingestuft werden. Ihr erster großer Spielfilm erweckt den Eindruck einer Fernsehproduktion. Dies können auch einige ekelhafte Horroreinlagen nicht verbergen, die im Kontext des Filmes sehr bemüht und als Zugeständnis an die Horrorfans wirken.

Fazit

"Shelter" sitzt zwischen den Stühlen: Psychothriller? Horrorfilm? Okkulter Thriller? Drama? All diese Elemente werden aufgegriffen, aber nicht sinnvoll miteinander verwoben, sodass am Schluss ein fahles Gefühl entsteht. Zwar ist "Shelter" einerseits kein völlig misslungener Film, vermag jedoch andererseits nicht wirklich zu überzeugen. Man hätte jedenfalls mehr aus dem Plot machen können.

Tapfer legt sich Julianne Moore dennoch ins Zeug und holt aus ihrer Rolle das Optimum heraus. Für Genrefans lohnt "Shelter" zumindest einen näheren Blick und eignet sich für einen launigen Filmabend, solange sich der Zuschauer keine allzu großen Hoffnungen auf einen extrem spannenden Thriller macht.

Daten & Fakten

Originaltitel: "Shelter"

Regie: Mans Marlind, Björn Stein

Produktionsland und -jahr: USA, 2010

Filmlänge: ca. 108 Minuten

Verleih: Universum Film GmbH

Deutscher Kinostart: -

FSK: ab 16 Jahren

Autor seit 6 Jahren
835 Seiten
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