Speed Dating: Im Eiltempo zum neuen Partner?

Immer mehr Singlehaushalte in Westeuropa führen zu neuen Geschäftsideen. Eine davon: Speed Dating! Neun Frauen und neun Männer bekommen exakt 5 Minuten Zeit, sich mit dem Gegenüber zu unterhalten, bis ein neuer potenzieller Partner die Gelegenheit zum Smalltalk erhält. Ob daraus die große Liebe erwachsen kann? Ralf Westhoffs Film zum Speed Dating ist möglicherweise nicht die definitive, aber eine bemerkenswert erfrischende Antwort auf diese Frage!

Shopping der Gefühle

Achtzehn Menschen lassen sich auf ein Abenteuer ein: Bei einem Speed Dating wollen sie einen neuen Partner suchen, vielleicht sogar fürs Leben, wie die schüchterne Krankenschwester Irina (Lisa Wagner), die von ihren Arbeitskollegen einen Gutschein fürs Speed Dating geschenkt erhielt. Achtzehn unterschiedliche Charaktere prallen aufeinander: Vom Macho über die Unnahbare bis hin zum Ökospinner, der mit seinem Weltrettungsfimmel jeden Menschen sofort auf die Palme bringt.

Nach den insgesamt neun Gesprächsrunden bleibt nicht nur so manche tiefschürfende Erkenntnis zurück, sondern bei manchen Teilnehmern die Überzeugung, sich auf Grund eines einzigen Satzes in einen der Flirtpartner unsterblich verliebt zu haben...

"Shoppen": Ausgezeichnete Komödie

Deutschland und Komödien: Das passt bekanntlich so gut wie Österreich und Fußball zusammen. Doch es gibt Ausnahmen, wie die mit dem Bayerischen Filmpreis 2007 ausgezeichnete Komödie "Shoppen" von Ralf Westhoff beweist. Dabei verzichtet der Film auf bekannte Namen oder kostspielige Schauplätze. Auf diese Weise wirkt der Streifen weitaus authentischer und lädt von Beginn weg dazu ein, dem eher unbekannten Ensemble auf dem Weg ins erträumte Liebesglück oder wenigstens einen schnellen Flirt zwischendurch zu folgen.

Zentrales Handlungselement ist dabei Speed-Dating, das in Europa insbesondere dank Hollywood-Streifen wie "Hitch – Der Date-Doktor" (Amazon-Werbelink) bekannt wurde und in den meisten größeren Städten Einzug gehalten hat. Dabei sitzen sich gleich viele männliche wie weibliche Teilnehmer gegenüber und haben jeweils wenige Minuten Zeit, mit dem Gegenüber zu sprechen, ehe nachgerückt wird und sich neue Gesprächspaare bilden.

Viel Dialogwitz

Diese Art des Kennenlernens mag zunächst befremdlich, kühl und sehr geschäftsmäßig wirken, wie auch der Filmtitel "Shoppen" impliziert. Mit dem Erwerb einer Teilnahme wird die Hoffnung auf Liebe "erkauft", der Vorgang des Datens selbst ist distanziert und bis ins Kleinste hin durchorganisiert. Erstaunlicherweise bietet gerade diese Prämisse Raum für viel Dialogwitz. Ralf Westhoff, der auch das Drehbuch verfasste, weiß seine Figuren liebevoll zu charakterisieren.

Zwar kann man seinem ersten Spielfilm "Shoppen" den Vorwurf machen, tief in die Klischeekiste gegriffen zu haben – so tummeln sich beim Speed Dating der eitle Selbstverliebte, die hysterische Emanze, der langweilige Managertyp, das schüchterne Mauerblümchen, etc. -, doch fällt dies umso weniger ins Gewicht, je mehr sich die Verletzlichkeit der Charaktere herausschält.

Speed Dating mit Ökospinner

Anders als in einer typischen Romantikkomödie spielt es keine Rolle, ob sich tatsächlich Pärchen finden. Bedeutender sind die Reibereien der Teilnehmer samt abschließendem  - mitunter überraschendem – Wiedersehen. Gerade die Dialoge sind das stärkste Element des Filmes und sprühen einerseits vor Wortwitz, transportieren andererseits auch viele ernsthafte Gedanken und Einsichten in die anfangs holzschnittartig präsentierten Figuren.

Auf allzu simple Schwarz-Weiß-Malerei wird verzichtet. Beispielsweise reizt ein junger Student vom Typus weltverbessernder Öko-Spinner zum Lachen und Kopfschütteln gleichermaßen. Während des Speed Datings sowie danach wird aber klar, dass hinter dem nervigen Gutmenschentun eine labile und durchaus liebenswerte Persönlichkeit steckt.

Geringes Budget, maximaler Spaß: Komödie "Shoppen"

Besonders erstaunlich und bemerkenswert ist der Umstand, dass "Shoppen" seine 18 Hauptfiguren prägnant genug zeichnet, um die Figuren dem Zuschauer näher zu bringen, ohne ihn mit unnötigen Hintergrundgeschichten zu verwirren. Der Grund dafür, weshalb die Charaktere so sind, wie sie sich geben, wird auf meist subtile Weise bewusst gemacht. Dabei profitiert Regisseur Ralf Westhoff von seinem hervorragenden Schauspielensemble, das auch mich sichtlich viel Freude agierte.

Die mitunter etwas steife Inszenierung ist wohl dem geringen Budget geschuldet, fällt aber ohnehin nicht unangenehm auf, sondern passt durchaus zur Atmosphäre des Films.

 

Fazit nach gut eineinhalb Stunden "Shoppen": Köstlicher Dialogwitz, nachdenklich stimmende Momente, hervorragende Schauspieler und ein interessanter inszenatorischer Rahmen sorgen für einen von Beginn weg höchst unterhaltsamen Filmspaß mit Anspruch. Ralf Westhoffs Komödie "Shoppen" ist uneingeschränkt empfehlenswert und eine positive Überraschung im Mainstream-Kino.

Originaltitel: Shoppen

Regie: Ralf Westhoff

Produktionsland und -jahr: D, 2006

Filmlänge: ca. 95 Minuten

Verleih: Warner Home Video

Deutscher Kinostart: 2007

FSK: Freigegeben ab 0 Jahren

Autor seit 6 Jahren
836 Seiten
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