Wie sehen Erdkröten aus?

Erdkröten gehören zu den Froschlurchen. Von den Fröschen lassen sie sich gut durch ihren plumpen Körper, die kurzen Beine und die mit vielen Warzen und Knötchen bedeckte Haut unterscheiden. Frösche dagegen sind eher schlank und haben eine glatte und feuchte Haut.

Typisch für die Erdkröte sind auch ihre Augen mit der waagrechten Pupille. Anders als Frösche können Erdkröten mit ihren kurzen Beinen kaum springen, sie bewegen sich kriechend vorwärts, verfallen bei Aufregung höchstens in eine Art "Hopsen". 

Die Warzen der Erdkröte sind eigentlich kleine Giftdrüsen: Die drüsenreiche Haut schützt die Kröten vor dem Austrocknen, das Sekret dient außerdem der Abwehr von Feinden.

Die Europäische Erdkröte (Bufo bufo) ist die größte Krötenart Europas: Die Männchen erreichen eine Länge von bis zu 8 cm, die Weibchen werden sogar bis zu 12 cm lang.

Erdkröten sind eher dunkel gefärbt, ihre meist graubraune Färbung dient ihnen als Tarnung. 

Die Männchen der Erdkröte kann man nicht nur anhand der Größe (sie sind deutlich kleiner als die Krötenweibchen), sondern auch an ihren schwarzen Brunstschwielen an Daumen und den nächsten beiden Fingern gut von den Weibchen unterscheiden.

Europäische Erdkröte (Bufo bufo)

Europäische Erdkröte (Bufo bufo) (Bild: JensRS / Pixabay)

Wie leben Erdkröten? Wo leben Erdkröten?

Erdkröten sind Nachttiere, wagen sich erst in der Dämmerung hervor. Tagsüber verstecken sie sich unter Mauern und Steinen, unter Laub, Holz, im Gebüsch oder in Erdlöchern.

Was den Lebensraum betrifft, sind Erdkröten nicht wählerisch, sondern sehr anpassungsfähig.

Man findet Erdkröten im Wald, auf Wiesen und Weiden, in Hecken, Gärten oder Parks, bevorzugt auf Streuobstwiesen und sogar in Städten.

Nur Orte, an denen es sehr trocken und warm ist, werden von Erdkröten gemieden.

Im Laufe ihres Lebens wechseln Erdkröten zwischen drei Lebensräumen: Dem Sommerquartier, dem Winterquartier und dem Laichgewässer.

Was fressen Erdkröten?

Erdkröten ernähren sich von Würmern, Spinnen, Asseln, Schnecken und Insekten. Ihre Larven, die Kaulquappen, sind jedoch noch Vegetarier: Sie fressen Algen.

Erdkröten nehmen reglose Beute nicht wahr. Erst Bewegungen lösen den Zuschnappreiz der Kröte aus: Entweder schnellt die Krötenzunge hervor oder der Kiefer schnappt zu. Die Beute wird vollständig geschluckt.

Erdkröten trinken übrigens nicht, sondern nehmen Wasser über die Haut auf.

Wie alt werden Erdkröten?

In freier Natur haben Erdkröten eine Lebenserwartung von ca. 10 bis 12 Jahren.

Nicht nur die Kaulquappen und Jungfrösche, sondern auch die erwachsenen Erdkröten haben viele Feinde, dazu gehören Marder, Marderhund, Iltis, Katze, Waschbär, Greifvögel, Rabenvögel, Reiher, ...

Um die hohen Verluste auszugleichen, legt das Erdkrötenweibchen beim Laichen besonders viele Eier ab: Etwa 3 000 Eier werden in langen Laichschnüren an Pflanzenhalmen oder Ästen im Wasser befestigt. (Frösche legen ihren Laich in Klumpen ab.)

In Gefangenschaft sollen Erdkröten schon bis zu 36 Jahre alt geworden sein.

Wo überwintern Erdkröten?

Erdkröten ziehen sich im Spätherbst in ihre Winterquartiere zurück, wo sie entweder alleine oder in kleinen Gruppen überwintern.

An feuchten, dunklen und vor Frost geschützten Orten halten Erdkröten eine Art Winterschlaf. Bevorzugt werden Erdhöhlen, Steine, Holzstapel, Laubhaufen, aber auch Kellerräume. 

Was tun gegen Erdkröten im Garten?

Da auch Nacktschnecken und Schadinsekten zu ihrer Nahrung gehören, sind Erdkröten im Garten sehr nützlich. Es gibt also keinen Grund, weshalb man Erdkröten aus dem Garten vertreiben sollte.

Das "Naturkundliche Arbeitsbuch" von 1970 empfiehlt Schülern: "Kluge Menschen setzen Erdkröten im Garten aus, damit sie die schädlichen Nacktschnecken loswerden."

Und betont außerdem: Erdkröten sind "überaus harmlose und nützliche Tiere".

Erdkröten auf dem Weg zum Laichgewässer

Erdkröten auf dem Weg zum Laichgewässer (Bild: Iwona_Olczyk / Pixabay)

Mutig und riskant: Die jährliche Erdkrötenwanderung zum Laichgewässer

Die Erdkröten wandern gemeinsam und in großer Zahl. Sie gehören im März/April mit zu den ersten Amphibien, die sich auf den Weg zum Laichgewässer und dann zurück zum Sommerquartier machen. 

Auf ihren Wanderungen legen Erdkröten 600 Meter pro Tag zurück und wandern mehrere Kilometer weit.

Als Laichgewässer bevorzugen Erdkröten mittelgroße bis größere Teiche, Weihe oder Seen: Der Wasserkörper sollte frei zugänglich, das Wasser mindestens 50 cm tief sein.

Anders als Molche laichen Erdkröten auch in Fischteichen, denn ihre Larven sind für Fische ungenießbar. 

"Heimattreu bis in den Tod"

Erdkröten sind "Traditionslaicher", sie kehren immer zum heimatlichen Gewässer zurück – dorthin, wo sie geboren wurden.

Selbst wenn das ursprüngliche Laichgewässer (Geburtsgewässer) in der Zwischenzeit zugeschüttet wurde, kehren die Erdkröten an den Heimatort zurück. Alternative Gewässer in der Nähe akzeptieren sie nicht. Vermutlich orientieren sich Erdkröten auf ihren Wanderungen nicht am Geruch des Wassers, sondern an Mondphasen und dem Magnetfeld der Erde.

Erdkröten sind – so Naturforscher Vitus Dröscher – "heimattreu bis in den Tod".

Faule Männer, starke Frauen

Die Wanderung zu den Laichgewässern ist eine gewagte Unternehmung. Die Weibchen der Erdkröte nehmen sie meist nur ein einziges Mal im Leben auf sich.

Oft besteht auf den Krötenwanderungen ein Überschuss an Erdkrötenmännchen.

Die Männchen lauern den Weibchen unterwegs auf und lassen sich huckepack zum Laichgewässer tragen. Weil die Männchen keine Schallblasen besitzen, können sie nur leise Balzrufe ausstoßen.

Meistens aber hört man die sogenannten "Befreiungsrufe", die Männchen dann äußern, wenn sie irrtümlicherweise von anderen Männchen geklammert wurden.

Die Laichablage funktioniert bei den Erdkröten nach dem Prinzip der äußeren Besamung: Das Weibchen legt die Eier ab, das Männchen stößt die Spermienzellen dazu.

Aus den Eiern schlüpfen fischähnliche Larven, die Kaulquappen, die sich innerhalb von 3 bis 4 Monaten zu Jungkröten entwickeln. Diesen Vorgang bezeichnet man als Metamorphose.

Mit 3 bis 4 Jahren werden Erdkröten geschlechtsreif.

Krötengift: Gefährlich für Menschen und Tiere?

Krötengifte gelten als die am längsten bekannten Tiergifte überhaupt. Schon im Altertum waren sie als Heilmittel populär (vor allem bei Herzinsuffizienz) oder fanden in Hexensalben Verwendung.

Die großen Ohrdrüsen an der Hinterseite des Kopfes der Erdkröte nennt man Parotiden: Sie enthalten Hautgifte, die Fressfeinde abwehren sollen. Die giftigen Sekrete dienen auch dem Schutz vor Bakterien und Parasitenbefall.

Das Hauptgift der Erdkröte ist das sogenannte Bufotoxin. Es gehört zu den Herzgiften, die man auch im Pflanzenreich findet, z.B. in Christrosen oder verschiedenen Pilzen. Bei höheren Dosen kann Bufotoxin zu Durchfall, Blutdruckanstieg und Herzrhythmusstörungen führen.

Im Vergleich zu anderen giftigen Krötenarten - etwa der Aga-Kröte - kann die Europäische Erdkröte mit ihrem Gift bzw. der im Sekret enthaltenen Giftmenge beim Menschen nur wenig Schaden anrichten. 

Wirkliche Probleme macht Krötengift Menschen auch nur dann, wenn es als Pille, Mahlzeit oder Getränk eingenommen wird, zufällig in eine offene Wunde bzw. direkt in die Blutbahn gerät.

In einem Tierkunde-Buch von 1962 heißt es über die Erdkröte: "Der von der Haut abgesonderte giftige Saft wird dem Menschen nur unangenehm, wenn er auf eine Schleimhaut (Mund, Auge) gelangt."

Das Naturkundliche Arbeitsbuch von 1970 gibt Schülern deshalb folgenden Rat: "Hast du eine Kröte berührt, so reibe mit ungewaschenen Fingern nicht in den Augen. Es brennt sonst empfindlich."

Haustierbesitzer sollten vorsichtig sein

Hundebesitzer berichten davon, dass die Wirkung von Krötengift auf Hunde gefährlich sein kann: Wenn Hunde mit dem giftigen Sekret in Berührung kommen, können Schwellungen (z.B. an den Augen), Atemnot, Kreislaufprobleme, vermehrter Speichelfluss und Krämpfe auftreten.

Auf Hunde soll Krötengift eine ähnliche Wirkung haben wie Pfefferspray auf den Menschen.

Nimmt ein Hund eine Erdkröte ins Maul oder verschluckt sie gar, könne das, so heißt es, für den Hund sogar tödlich enden.

Weitere Informationen:

Vergiftungen bei Hunden durch giftige Tiere

Wenn möglich also im Garten und unterwegs lieber etwas vorsichtiger sein: Nicht nur der Hund sollte vor den Kröten "beschützt" werden, sondern auch die Kröten vor dem Hund.

Krötengift - eine geniale Erfindung der Natur?

Krötengift sei eine besonders clevere Erfindung der Natur, behaupten manche: Anstatt den Fressfeind auf der Stelle zu töten, beschert ihm das Gift der Kröte einige ziemlich unangenehme Stunden ... und versetzt den Angreifer während dieser Zeit selbst in eine sehr angreifbare Position.

Wer also die erste Dosis Bufotoxin übersteht, der wird sich vermutlich ein zweites Experiment dieser Art gründlich überlegen! 

Nicht zu unterschätzen: Die giftige ...

Nicht zu unterschätzen: Die giftige Aga-Kröte (Bild: snarsy / Pixabay)

Erdkröten gelten als "besonders geschützt"

Durch das Bundesnaturschutzgesetz gelten Erdkröten als "besonders geschützt", sie dürfen nicht gefangen, verletzt oder gar getötet werden.

Gefährdet sind Erdkröten auf ihren riskanten Wanderungen zu den Laichgewässern vor allem durch den Straßenverkehr.

Aber auch offene Kellerzugänge oder Lichtschächte am Haus können für Erdkröten zu Todesfallen werden.

Wertvollen Lebensraum verlieren Kröten außerdem durch zugeschüttete oder verschmutzte Gewässer.

"Einen Prinzen retten?"

Wer selbst als Amphibienschützer aktiv werden und den Kröten sicher über die Straße helfen möchte, der findet beim Naturschutzbund (NABU) aktuelle Informationen zur Krötenwanderung und die Adressen lokaler Ansprechpartner. 

Übrigens: Berührungsängste muss man keine haben - wer eine Erdkröte anfasst, wird merken, dass sich ihre Haut kein bisschen unangenehm oder gar "ekelhaft", sondern im Gegenteil sogar angenehm samtig anfühlt. 

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