Schwule Jugendliche und ihre Probleme - Homophobe Stimmung in der Stadt, fehlende Infrastruktur auf dem Land

Eine Studie der Landeshauptstadt München hat es ans Licht gebracht: Bei der Befragung von Mitarbeitern ortsansässiger Jugendhilfeeinrichtungen kam heraus, dass homosexuelle Jugendliche auch heute noch oft in einem Umfeld aufwachsen, das nicht dazu einlädt, sich öffentlich zur eigenen Homosexualität zu bekennen.

Homophobe Stimmung in Schulen und Jugendtreffs

Trotz einer zunehmend aufgeklärten und toleranten Gesellschaft ist die Ablehnung von Homosexualität immer noch weit verbreitet, vor allem unter Jugendlichen. In Schulen und an anderen Orten, an denen sich Jugendliche treffen, herrscht trotz engagierter Lehrer und Pädagogen noch immer eine Atmosphäre, in der viele Heranwachsende sich nicht trauen, ernsthaft über ihre Sexualität zu sprechen oder sich gar als homosexuell zu outen. Schon der bloße Verdacht, man könne homosexuell sein reicht aus, um abgelehnt und als "schwule Sau" beschimpft zu werden und in den Teufelskreis des Mobbing zu geraten. Auch wenn sich die durchweg kompetenten Mitarbeiter von Jugendhilfeeinrichtungen redlich mühen, so ist das Thema Homosexualität in vielen Institutionen nach wie vor ein Randthema, das gerne umschifft wird. So ist es kein Wunder, dass die Suizidrate bei homosexuellen Jugendlichen viermal höher ist, als bei heterosexuellen Jugendlichen.

Ansprechpartner für Betroffene fehlen

Obwohl das Problem bekannt ist, fehlt es auch heute noch an speziellen Institutionen und Beratern, die mit der Problematik vertraut sind. In den Städten ist dies weniger ein Problem, da sich in den letzten Jahrzehnten zahlreiche, von schwulen Jugendlichen gegründete Gruppen etabliert haben, die zu beliebten und notwendigen Schutzräumen geworden sind. So gibt es in fast jeder großen deutschen Stadt ein schwul-lesbisches Jugendzentrum oder zumindest schwule bzw. lesbische Jugendgruppen. Diese werden nicht selten von geschulten Pädagogen begleitet, so dass jeder, der über seine Homosexualität sprechen möchte, einen Ansprechpartner findet. Zudem kann man sich in den Gruppen selbst über Erfahrungen, Erlebnisse, Ängste oder Sehnsüchte austauschen, ohne dass man dafür schief angeschaut wird.  

Stadt-Land-Gefälle als Problem

Zwar gibt es in den großen deutschen Metropolen Anlaufstellen für homosexuelle Jugendliche, auf dem Land sieht die Situation aber gänzlich anders aus. In ländlichen Gebieten beschränkt sich das Freizeitangebot für Jugendliche zumeist auf den Sportverein oder die kirchliche Jugendgruppe. Sich in diesem Umfeld über die eigene Sexualität auszutauschen ist fast unmöglich, so dass homosexuell veranlagte Jugendliche mit "ihrem" Thema oft allein bleiben. Auch die eigene Familie ist nur selten ein Ort, an dem sich der schwule Junge oder das lesbische Mädchen outen oder auch nur Rat holen könnte. Selbst hier, wo Kinder und Jugendliche einen Schutzraum erwarten dürften, ist die Haltung gegenüber der Homosexualität noch zu oft ablehnend. Deshalb bräuchte es vor allem in ländlichen Gebieten und kleineren Städten entsprechende Beratungsstellen, die für ratsuchende Jugendliche ein offenes Ohr haben und die Sorgen und Ängste, die mit der Homosexualität einhergehen ernst nehmen.

Aufklärungsarbeit ist notwendig

Damit sich die Situation homosexueller Jugendlicher grundlegend verändert und verbessert, muss die Aufklärung zum Thema verstärkt werden. Das fängt mit der Schulung von Lehrern und Pädagogen an und reicht bis zur Aufklärungsarbeit in Schulklassen. Hier ist vor allem die Politik gefragt, aber auch die schon existierenden Beratungsstellen für Schwule und Lesben sind weiterhin in der Pflicht, diese wichtige Aufgabe zu fördern und notfalls selbst zu leisten.

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