Bei Mobbing: Mord!

Filmplakat "Sleepaway Camp"Nachdem ihr Vater bei einem schrecklichen Motorbootunfall getötet wurde, findet die verstörte Angela (Felissa Rose) bei ihrer verschrobenen Tante Martha und deren Sohn Ricky (Jonathan Tierston) ein neues Zuhause. Acht Jahre später werden die beiden Teenager ins Camp Arawak geschickt, um dort ihre Sommerferien zu verbringen. 

Für den quirligen Ricky durchaus ein Vergnügen, tummeln sich doch einige hübsche Mädchen auf dem Gelände herum. Angela hingegen kann und will sich nicht in das jugendliche Umfeld integrieren. Selbst nach Tagen noch hat sie kein Wort gesprochen und isst so gut wie nichts. Klar, dass dieses Verhalten zum Spott führt und sie bei jeder sich bietenden Gelegenheit gemobbt wird. Nur der sensible Paul findet an dem introvertierten Mädchen Gefallen und schafft es, sich mit ihr anzufreunden.

Schon bald erweist es sich für einige Camp-Teilnehmer als reichlich ungesund, Angela zu verspotten oder, wie der pädophile Kantinenkoch, sie zu missbrauchen versuchen. Beschützt Ricky seine Stiefschwester oder verbirgt sich ein dunkleres Geheimnis hinter den Morden?

Trailer "Sleepaway Camp" - englische OV - Camp Krusty war ungefährlicher ...
Trailer "Return to Sleepaway Camp" - englische OV - Das Sequel

Kultiges Slashermovie

Verblüffender Plottwist

Beim Begriff "Slashermovie" denken wohl die meisten an diverse Filme der "Halloween"- oder "Scream!"-Reihen. In hiesigen Breiten weniger bekannt ist der 1983 produzierte Horrorfilm "Sleepaway Camp" (deutscher Titel: "Blutiger Sommer - Das Camp des Grauens"). Zu Unrecht, denn der von Robert Hiltzik inszenierte Reißer hält einen der cleversten Plottwists der Filmgeschichte parat und weiß über weite Strecken hinweg zu überzeugen.

Zunächst mutet die Prämisse der Geschichte altbacken an: In einem Feriencamp regiert nicht das Vergnügen, sondern der Horror, nachdem Teilnehmer wie auch Mitarbeiter auf grauenhafte Weise gemetzelt werden. Tatsächlich legt "Sleepaway Camp" in Punkto Spannung aber rasch los. Nach Einführung der Protagonisten wird das zentrale Motiv des Films präsentiert: Angelas Introvertiertheit, die den Spott, mitunter sogar Hass der anderen Teenager provoziert. Dabei erweisen sich die Erwachsenen jedoch als nicht minder grausam, indem sie Angelas Verhalten auf drastische Weise zu verändern oder gar auszunutzen versuchen. Konsequenterweise endet jedoch der Vergewaltigungsversuch durch den perversen Kantinenkoch für diesen letal: Ein Topf kochend heißes Wasser ergießt sich über ihn. 

 

Mordwerkzeug elektrischer Lockenwickler

Im Laufe der Zeit freundet sich Angela mit einem Jungen an, der es offenbar ehrlich mit ihr meint und sie nicht bedrängt. Dessen ungeachtet beißen ihre Peiniger auf schmerzhafte Weise ins Gras, was meist überraschend subtil erfolgt, anstatt weidlich voyeuristisch ausgeleuchtet zu werden. Neben den obligatorischen Messern agiert unter anderem ein elektrischer Lockenwickler zum Mordwerkzeug. Die Mordszenen bewegen sich sowohl in der Originalität, als auch der technischen Ausführung durchaus im höheren Bereich.

Weniger Sorgfalt wurde wieder einmal auf die Charakterisierungen gelegt. Angelas Peinigern werden keine komplexen Persönlichkeiten zugestanden. Sie werden schlichtweg als böse und verdorben dargestellt. Woher der Hass auf Angela stammt, ist oft nicht nachvollziehbar, da sie dem Spott nichts entgegenzusetzen hat und ein völlig wehrloses Opfer ist. Geradezu absurd wirkt der Umstand, dass die Morde weder die Polizei, noch die Campteilnehmer sonderlich zu beunruhigen scheinen. Was bereits bei einem Mord für helle Aufregung sorgen müsste, wird vom Campleiter heruntergespielt, um seine Profite nicht zu gefährden.

 

Schwache Schauspieler, starker Horrorfilm

Den größten Schwachpunkt des Films stellen aber die teilweise katastrophalen Schauspielleistungen dar. Insbesondere im direkten Vergleich zu Felissa Roses überzeugender Darbietung fällt das schauspielerische Unvermögen einiger Akteure drastisch auf. 

Diese Schwächen wiegt aber die Auflösung des Rätsels, wer der Killer ist, mehr als nur auf. Mit seinem finalen Plottwist verblüfft "Sleepaway Camp" mit Sicherheit jeden, der den Streifen zum ersten Mal anguckt und brennt sich ins Gedächtnis ein. Auch ohne diesen Twist könnte der Film als gutes Slashermovie überzeugen. Doch eben jene Pointe hebt "Sleepaway Camp" über den Genre-Durchschnitt weit hinaus und macht ihn zum Klassiker den jeder Horrorfan gesehen haben sollte.

Außerdem hält der Streifen eine sehr löbliche Botschaft bereit: Mobbing kann sich als blutiger Bumerang erweisen...

Originaltitel: "Sleepaway Camp"

Regie: Robert Hiltzik

Produktionsland und -jahr: USA 1983

Filmlänge: ca. 89 Minuten (ungeschnittene Originalfassung)

Verleih: -

Deutscher Kinostart: -

FSK: -

Autor seit 7 Jahren
823 Seiten
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