Zugegeben: Der Titel dieses Beitrags ist nicht ganz ernst gemeint

Er soll vor allem bewusst machen, wie wir auf diese Aufforderung reagieren: Demütiger sein? - Das hat für die meisten für uns eher einen negativen Beigeschmack.

Demut und Bescheidenheit: Es klingt schon ein bisschen altmodisch und irgendwie "uncool", erinnert an die Sprüche aus alten Poesiealben. Heutzutage sind eher Eigenschaften wie Selbstbewusstsein und Durchsetzungsvermögen gefragt.

Können Eigenschaften wie Demut oder Bescheidenheit tatsächlich aus der Mode kommen? Machen sie uns das Leben in unserer modernen Gesellschaft nur schwerer?

Mut zur Demut

Demut? - Viele Menschen denken dabei an "sich demütigen lassen" oder "gedemütigt" werden. Demut wird oft in ihrer christlichen Bedeutung gesehen: Demut ist Ergebenheit. Sie ist die Bereitschaft, zu dienen und sich zu unterwerfen.

Demut heißt aber nicht, sich klein zu machen und seinen eigenen Wert zu leugnen. Im Gegenteil!

Mit Demut können wir uns selbst gut tun. Lucia Scholz macht Mut zur Demut und fordert ihre Leser dazu auf, "bei Hilflosigkeit, Ohnmacht und Verzweiflung mal einen besonderen Gast einladen: die Demut". Demut sei die "Hingabe an das Leben – so, wie es nun mal ist".

Wenn wir nicht nur unsere Stärken und das Machbare, sondern auch unsere Grenzen anerkennen können, führt uns das zur wahren Freiheit.

Demut heißt, den Kampf gegen das Leben aufzugeben:

"Ich kann nichts tun – ich brauche nichts tun – ich darf es sein lassen."

"Ich vertraue darauf, dass es ist, wie es ist."

Eine sehr schöne Definition eines demütigen Menschen stammt von Wilhelm Schmid-Bode:

Der Demütige kann sich selbst und seine eigene Meinung in Frage stellen, er fragt mehr, als er antwortet, er kann von jedem lernen: Auch von denjenigen, die ihm unterlegen sind bzw. unterlegen scheinen.

Demut ist nicht Geringschätzung der eigenen Person. Die eigene Wichtigkeit wird nur ein wenig relativiert, man betrachtet sich stattdessen als Teil eines Ganzen, eines Größeren, einer Gruppe, z.B. als Teil der Natur, des Lebens oder der Schöpfung. Demut heißt: Auch Achtung vor dem zu haben, was andere leisten.

Schön und treffend ausgedrückt: Demut bedeutet, "zu den kleinsten Dingen des Lebens empor (zu) sehen".

Damit verbindet sich die Demut mit der Dankbarkeit, auch das Alltägliche und vermeintlich Selbstverständliche wird nicht gering geschätzt, sondern anerkannt. Beweist man Demut, kann es gut sein, dass sich auch die Würde dazu gesellt – eine besonders attraktive "alte" Tugend!

Wilfried Reuter beschreibt den Demütigen als einen Menschen, der flexibel sein und die eigenen Grenzen anerkennen kann: Umstände verändern sich, Pläne gehen nicht auf, es läuft anders als erwartet? - Demut bedeutet zu verstehen: Nicht alles liegt alleine in meiner Hand.

Ist Bescheidenheit eine Zier?

"Bescheidenheit ist eine Zier", sagte man früher: Gilt das auch heute noch?

Bescheiden sein: Möchte man das wirklich, sollte man das überhaupt anstreben? Ist es nicht viel wichtiger, selbstbewusst aufzutreten und sich möglichst viel vom Leben zu holen?

Die Aufforderung zu mehr Bescheidenheit ist heute eher selten zu hören – ihr gegenüber stehen der beharrliche Aufruf zu mehr Selbstliebe und zur Stärkung des eigenen Selbstwertgefühls.

Bescheidenheit klingt vielleicht zunächst nicht besonders attraktiv, denn es bedeutet, genügsam zu sein und sich nicht in den Vordergrund zu stellen.

Ja, Bescheidenheit, das heißt: Ich bescheide mich mit …

Aber es heißt auch: Ich bin zufrieden mit dem, was ich habe und was ich bin. Ich muss nicht bewundert werden. Ich bin nicht angewiesen darauf, Anerkennung zu bekommen. Ich bin nicht abhängig von der guten Meinung anderer. Und das macht unglaublich frei!

Doch nicht nur das: Bescheidenheit macht außerdem reich, so behauptet ein altes Sprichwort. Und ist es nicht tatsächlich wahr? Wer nicht viel braucht, um glücklich zu sein, wer auch gut und gerne verzichten kann, der ist freier und reicher als so mancher, dem es an Geld und Bewunderung nicht fehlt.

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