Innere Stimme hören - nicht wie, sondern wo

Es gibt Orte, an denen es uns besonders leicht fällt, mit unserer inneren Stimme in Kontakt zu treten. Das sind meist Orte, an denen wir die Hektik des Alltags für eine Weile vergessen können.

Oder wie Theo Fischer im Blog Taobaustelle schreibt: Der "Lärm des Denkens" muss eine seiner Pausen einlegen: "Die Präsenz der intelligenten Antwort ist nicht das Problem – unsere Schwierigkeit besteht im ungestörten Empfang der Nachrichten aus dem Unbewussten."

Wir machen den Kanal wieder frei, die innere Stimme kann mit ihren Botschaften zu uns durchdringen. Es geht also weniger darum, etwas Bestimmtes zu tun, um die innere Stimme zu hören, als alle Hindernisse aus dem Weg zu räumen, die uns die Kommunikation "nach innen" erschweren. An manchen Orten gelingt uns das besonders gut – ja, fast wie von selbst.

Unter der Dusche

Man könnte sie auch als "Ideenfabrik" bezeichnen: Immer wieder berichten Menschen davon, dass ihnen die besten Ideen, Inspirationen und Geistesblitze unter der Dusche gekommen sind. Woran liegt das? Vielleicht an der Kombination aus selbstvergessenem Tun und Wasser.

Am Wasser

An den Strand gehen, um dem Kopf "frei zu kriegen". An einem See sitzen und tiefe Entspannung finden. Dem Plätschern eines Baches lauschen.

Viele Schriftsteller und Kreative behaupten, in der Nähe von Wasser die besten Ideen zu haben. Wasser lässt die Kreativität fließen. Das mag mit den negativ aufgeladenen Ionen im Wasser zu tun haben, die stimulierend auf unseren Organismus wirken und uns Wohlbefinden und Entspannung verschaffen.

Vielleicht fühlen sich auch so viele von uns zum Wasser hingezogen, weil wir selbst zu einem großen Teil aus Wasser bestehen.

Sicher ist: Die Nähe zum Wasser kann uns körperlich und seelisch wieder ins Gleichgewicht bringen – die optimale Voraussetzung, um auch die innere Stimme wieder besser und klarer hören zu können.

In der Kunstgalerie

Psychologen haben festgestellt, dass ein Besuch in der Kunstgalerie uns ähnlich gut tut wie ein Ausflug ans Meer. Stimmt tatsächlich!

Wichtig: Einfach nur schauen, die Eindrücke auf sich wirken lassen. Kein Bewerten, kein Beurteilen – den Geist offen halten für neue Impulse.

Im Wald

Viele Menschen fühlen sich in der Nähe von Bäumen besonders wohl. Ja, manche kommunizieren sogar mit Bäumen und können so an der Weisheit dieser oft uralten Lebewesen teilhaben.

(Warum nicht einmal die weise Frau des Waldes konsultieren, die Rotbuche? Sie tröstet uns, spendet Rat und Mitgefühl.)

Bäume verströmen Phytonzide, organische Substanzen und Öle, die wir über die Atmung aufnehmen. Waldluft kann unsere Psyche und unser Gehirn positiv beeinflussen.

Der Wald mit seinen unterschiedlichen Farben, Formen und Klängen ist außerdem die ideale Kulisse, um Ruhe und Entspannung zu finden: Der "Lärm des Denkens" kann hier eine Pause einlegen.

Auf einem Spaziergang in freier Natur

Wald, Wasser, aber auch Wiese, Wüste, Heide oder Berge – jeder Mensch hat seine eigenen Vorlieben und Orte, an denen er sich besonders wohl fühlt.

Viele schwören auf einen Spaziergang in freier Natur: Die Kombination aus gewohnten Szenen, aus neuen Eindrücken und aus gleichmäßigem Gehen scheint ideal dafür, Gedanken zu klären und neue Lösungen zu finden.

Lesetipp:

Eine besondere Art des Naturspaziergangs beschreibt Susanne Marx in ihrem Buch "Lebensträume verwirklichen - 11 praktische Techniken": Die Medizin-Wanderung, auch als Medicine Walk aus indianischen Kulturen bekannt.

"Bei der Medizin-Wanderung gehen wir für einen bestimmten, vorher festgelegten Zeitraum in die Natur und enthalten im Kontakt mit und durch die Natur Erkenntnisse, Zeichen und Antworten auf unsere Fragen." 

Wie das genau funktioniert, kann man in "Lebensträume verwirklichen" nachlesen. Übrigens insgesamt ein empfehlenswertes Buch für alle, die mehr Kontakt zu ihrer inneren Weisheit suchen.

Unter dem Sternenhimmel

Gisela Preuschoff und Rona Mohr geben diesen Tipp in ihrem Buch "Wer nicht an Wunder glaubt, ist kein Realist: Über die Kraft der Intuition".

Ganz einfach Kontakt zur inneren Stimme finden? - Den Sternenhimmel betrachten, in der Dunkelheit zur Ruhe kommen.

An einem spirituellen Kraftort

Früher war es für viele Menschen ganz normal, in Krisensituationen oder vor wichtigen Entscheidungen in die Kirche zu gehen und dort um Führung zu beten. Kirchen sind spirituelle Kraftorte: Man muss nicht einmal religiös oder auch nur gläubig sein, um die besondere Kraft zu spüren, die von diesen oft uralten Gebäuden ausgeht.

Zu den spirituellen Kraftorten gehören aber nicht nur von Menschen geschaffene heilige Räume wie Kirchen oder Klöster, spirituelle Kraftorte können auch Bäume sein, Plätze, Felsen, alte Kultstätten oder Höhlen, ... 

Auf der Schaukel oder in der Hängematte

Auch die Schaukel oder Hängematte seien, so Gisela Preuschoff und Rona Mohr, wunderbare Plätze, um mit der Intuition in Kontakt zu treten.

Es heißt, dass wir Menschen Schaukelbewegungen deshalb als so angenehm empfinden, weil diese Bewegungen uns an die Wärme und Geborgenheit des Mutterleibs erinnern.

Auf der Schaukel, in der Hängematte oder auch im Schaukelstuhl zu schaukeln, mag uns mit einer Art Urvertrauen in Kontakt bringen – eine optimale Voraussetzung, um auch die innere Stimme wieder besser hören zu können.

Auf dem Kinderspielplatz oder im Spielzeuggeschäft

Wenn wir mehr über unsere eigene Lebensaufgabe wissen wollen, tut es gut, wieder in Kontakt mit dem Persönlichkeitsanteil zu kommen, den Psychologen das "innere Kind" nennen. Bis zum 8. Lebensjahr, so wird behauptet, würde jeder von uns die eigenen Lebensträume noch ganz genau kennen. Später machen es uns der Einfluss von Familie, Gesellschaft, Medien und Schule schwer, unsere eigene Stimme unter all den fremden Stimmen noch zu hören.

Es klingt vielleicht ein bisschen seltsam, aber wir können unsere innere Stimme wieder besser hören, wenn wir uns einfach Kind sein lassen: Auf dem Spielplatz, bei einer kreativen Aufgabe oder einer alten Lieblingsbeschäftigung. Wie können ein Kinderbuch lesen, das wir früher geliebt haben, wir können mit Kindern spielen oder in ein Spielzeuggeschäft gehen.

Laut Gisela Preuschoff und Rona Mohr hilft es schon, sich in einer kleinen meditativen Übung ein Spielzeuggeschäft nur vorzustellen:

Wie sieht das Geschäft aus, wie heißt es? Wer ist der Besitzer? Warum spricht uns dieses Geschäft an? Wie würden wir es verschönern? Was würden wir uns aussuchen?

Auf diese Weise, so die Autorinnen, können wir wertvolle Hinweise auf unsere beruflichen Ziele bekommen.

In einem Labyrinth

Durch ein Labyrinth zu gehen kann uns dabei helfen, den eigenen Lebensweg wieder klarer zu sehen. Gibt es einen roten Faden, den wir erkennen können? In welche Richtung würden wir gerne gehen? Wo geht es weiter – und wo nicht?

Ein Labyrinth zu begehen ist eine Form der Gehmeditation und soll nach Erkenntnissen der Kinesiologie eine besondere Wirkung auf das Gehirn haben: Wir können durch das Labyrinth innere Klarheit finden, uns zentrieren und uns über wichtige Entscheidungen bewusst werden.

Begehbare Labyrinthe gibt es in ganz Deutschland. 

Am eigenen Kraftplatz

Viele bezeichnen ihn auch als Hausaltar: Einen Ort, den man sich selbst geschaffen hat, um dort zur Ruhe zu kommen, vielleicht zu beten oder zu meditieren und Kontakt zur inneren Führung zu finden. Das kann ein eigener Raum sein oder auch nur eine kleine abgetrennte Ecke eines anderweitig genutzten Zimmers, ein kleiner Tisch, ein Kissen, ein Teppich, ein Sessel, etc.

Wichtig ist vor allem, dass man den eigenen Kraftort regelmäßig besucht, am besten verbunden mit bestimmten Ritualen, die man als sinnvoll und angenehm empfindet. So signalisiert man dem Körper: Du darfst zur Ruhe kommen. Und der inneren Stimme: Ich bin jetzt offen und bereit, um dir zuzuhören.

Im stillen Raum

Wer keinen Rückzugsort im eigenen Zuhause hat oder schaffen kann, der kann sich auch in einen stillen Raum in der eigenen Fantasie zurückziehen. Dort kann man nicht nur Körper und Seele entspannen, sondern auch die Gelegenheit nutzen, um der inneren Stimme zu lauschen. Wer möchte, kann sogar konkret um Zeichen bitten.

Die Meditation "Der stille Raum" lässt sich dazu beliebig ergänzen:

In meinem stillen Raum steht eine kleine Schatulle auf der Fensterbank. Ich öffne sie und schaue: Was liegt darin?

In meinem stillen Raum sehe ich ein Buch auf dem Nachttisch. Ich nehme es in die Hand und sehe es mir an: Welchen Titel hat es?

Bilder, die so in der Fantasie entstehen, können auf symbolische Weise der inneren Stimme Ausdruck geben. 

Zugegeben: Intuition funktioniert immer und überall - man muss nur vertrauen

Die Intuitionsprofis behaupten: Wir brauchen überhaupt keinen besonderen Ort oder besondere Voraussetzungen, um unsere innere Stimme hören zu können! Im Gegenteil: Die Intuition ist immer und überall für uns verfügbar, wir müssen nur darauf vertrauen.

Über Dr. Edward Bach, den Begründer der Bachblütentherapie, heißt es:

"Oft fühlte sich Bach zu einem bestimmten Zeitpunkt an einen bestimmten Ort getrieben, und stets fand er, dass seine Hilfe oder sein Rat gebraucht wurde. Einfach sprang er mitten in einer Mahlzeit auf und eilte zum Ende der Mole."

Dort traf Bach auf einen Mann, der sich aus Verzweiflung ins Meer stürzen wollte. Bach gelang es, dem Verzweifelten wieder Mut zu machen und ihm auf diese Weise das Leben zu retten.

"Bachs vollständiges Vertrauen auf seine Intuition und sein inneres Wissen führte zu vielen Ergebnissen, die andere als Wunder oder übernatürliche Ereignisse bezeichnen würden."

Auch Theo Fischer, der als Autor des Buches "Wu wei – Die Lebenskunst des Tao" bekannt geworden ist, schreibt in einem seiner Blog-Beiträge: Wir haben alle die Fähigkeit, spontan die richtige Antwort zu finden, das ist eine Gabe unseres Gehirns.

Was es braucht, ist einen "Zustand feinster Achtsamkeit": "Seien Sie hellwach, richten Sie alle Ihre Sinne (aber bitte federleicht, ohne jede Anstrengung) auf die soeben entdeckte Herausforderung." Dann meldet sich augenblicklich die richtige Antwort und wir müssen nur noch hellhörig für sie werden: "Aus der Tiefe Ihres Unbewussten fließt Ihnen nonverbal Wissen zu. (…) Folgen Sie diesem Impuls ohne Nachdenken, ohne Analyse, ohne Zweifel … tun Sie es ohne Wenn und Aber."

Theo Fischer rät, mit kleinen und eher unwichtigen Entscheidungen anzufangen und sich auf diese Weise allmählich auch an die größeren Lebensentscheidungen heranzuwagen.

Autor seit 7 Jahren
320 Seiten
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