"Enterprise" heißt der neueste Ableger von Star Trek. Dieses Mal geht es um ein Raumschiff mit dem Namen Enterprise - etwas ganz Neues. Damit ist es das dritte Serienraumschiff mit diesem Namen. Doch dieses Mal haben sich die Produzenten etwas Anderes einfallen lassen. Die Geschichten um Captain Archer und seine Crew spielen vor dem gleichnamigen Raumschiff unter Captain Kirk. Wir erleben also als Zuschauer den Beginn der interstellaren Raumfahrt und der Vereinten Föderation der Planeten mit. Das schließt natürlich mit ein, dass die Technik noch lange nicht so fortgeschritten ist wie bei den anderen Serien. Und somit kann die Technik auch nicht als eine Deus ex Machina dienen.

Aber kann dieses Konzept aufgehen, nachdem wir von den anderen Serien so sehr technikverwöhnt sind?

Die Hintergrund-Situation

Die Welt ist ein wenig anders, als wir sie kennen: Die Vereinte Föderation der Planeten existiert noch nicht. Die Sternenflotte hat gerade ihr erstes Raumschiff mit einem Antrieb gebaut, der die sagenhafte Geschwindigkeit von Warp 5 erreicht - die Enterprise. Captain Jeffrey Archer hat die Ehre, dieses Schiff zu kommandieren und die Erforschung des Weltraums voranzutreiben.

Unterstellt ist ihm dabei eine fähige Besatzung. Als erster Offizier wird ihm eine Vulkanierin zur Seite gestellt, was nicht unbedingt jedem Freude bereitet, denn die Vulkanier sind noch nicht beliebt, denn die Menschen fühlen sich von ihnen unterdrückt. Die Vulkanier bilden sich ein, sie hätten das Recht zu bestimmen, wozu die Menschen bereit sind und wozu nicht. Das Verhältnis zwischen den beiden Völkern ist angespannt.

Insgesamt ist die Situation angespannt: viele Menschen sind feindlich gegenüber Außerirdischen eingestellt und die Menschen selbst kennen noch nicht viele Außerirdische. Allerdings sind sie schon auf den Friedenskurs eingependelt, den die spätere Föderation auch verfolgen wird: Leider stehen sie mit dieser Philosophie ziemlich alleine da. Und die Enterprise ist bisher das einzige Schiff mit einem solch weit entwickelten Antrieb. Das bedeutet, sie kann nicht auf Hilfe der Sternenflotte hoffen, wenn sie weit von der Erde entfernt ist.

Auch technisch ist dieses Raumschiff noch lange nicht ausgereift: der berühmte Transporter, mit dem Menschen von A nach B gebeamt werden, befindet sich noch in der Entwicklungsphase. Die meisten Menschen benutzen ihn nur ungerne. Auch den Traktorstrahl, mit dem Gegenstände oder Raumschiffe angezogen werden, existiert noch nicht. Die Enterprise greift stattdessen auf einen veraltet anmutenden Greifhaken zurück. In Kämpfen kommt kein Schutzschirm zum Einsatz und die medizinische Technik steckt auch noch in den Kinderschuhen.

So brechen Archer und seine Crew mit einem Raumschiff, das eigentlich nicht dafür geeignet ist, in die Weiten des Weltraums auf, um die Grundsteine der späteren Föderation zu legen. Was ihnen nicht klar ist: sie sind geradewegs auf den Weg in einen temporalen Krieg, denn in der Zukunft sind Zeitreisen möglich. Diese Zeitreisenden nutzen die Zeit als Bühne für ihre Kämpfe. Und die Enterprise gerät zwischen die Fronten.

Kein Schiff ohne Besatzung - die Charaktere

Auch diese Enterprise hat einen Kapitän: Jonathan Archer. Er wird von einem starken Forschungsdrang getrieben und vertritt mit Leib und Seele die Friedenspolitik, die später die Politik der Föderation werden soll. Doch er hat eine Abneigung gegen die Vulkanier, weil er sie für eine Behinderung des Fortschritts hält.

Passend, dass ihm T'Pol, eine Vulkanierin als erster Offizier an die Seite gestellt wird. Ihre Aufgabe ist es, die Menschen und deren Fortschritt zu beobachten. Auch sie hält von den Menschen nicht gerade viel und betrachtet diese emotional gesteuerten Wesen als eine Gefahr. Doch mit der Zeit erfährt sie, dass die Menschen vielleicht nicht leicht zu verstehen sind, dass sie aber dennoch auch gute Seiten haben.

Der Chefingenieur Charles Tucker ist ein typischer Mensch: sehr naiv und emotional. Er hat keine Erfahrung mit außerirdischen Kulturen und betrachtet die Reise der Enterprise als ein großes Abenteuer. Tucker versucht so oft wie möglich den Fuß auf fremde Planeten zu setzen und Außerirdische kennenzulernen.

Neben Archer, der für Tucker so etwas wie ein Mentor ist, ist Travis Mayweather Tuckers bester Freund. Mayweather ist der Steuermann der Enterprise. Er stammt von Weltraumnomaden ab, die mit langsamen Schiffen über viele Jahre unterwegs sind, um z.B. Handel zu treiben. Da er sein ganzes Leben im Weltraum verbracht hat, hat er sogar mehr Erfahrung im All als der Kapitän.

Ein seltsamer Charakter ist Malcom Reed. Er ist der Waffenoffizier an Bord und ist ein entsprechender Waffennarr und ein Soldat: gehorsam, gepflegt, kampfbereit. Aber er hat auch eine unerwartet weiche Seite, denn er ist z.B. im Umgang mit Frauen sehr schüchtern oder sehr empfindlich bei lauten Geräuschen: neue Waffen testet er nur mit Ohrenstöpseln.

Ganz anders ist Hoshi Sato, die Kommunikationsoffizierin. Sie ist eine ziemlich ruhige Frau mit einer außergewöhnlichen Begabung für Sprachen. Deswegen ist sie für die Kommunikation mit fremden Wesen zuständig, eine Aufgabe, die sie mit Bravour erfüllt und weswegen sie eine sehr wichtige Rolle an Bord des Raumschiffs spielt. Der Gedanke, in einem Raumschiff eingesperrt zu sein und mit unglaublich hoher Geschwindigkeit durchs All zu fliegen, gefällt ihr nicht besonders.

Natürlich gibt es auch einen Arzt an Bord: Phlox, ein Denebulaner. Phlox dürfte wohl neben Quark von Deep Space 9 zu den skurilsten Figuren im Star-Trek-Universum zählen. Er ist fasziniert von den Menschen und nimmt sie anfangs auch nicht richtig ernst. Er betrachtet sie mehr als Forschungsobjekte: "Ich vermute, dass der junge Fähnrich und seine Freundin sich bald paaren werden. Ob sie mich wohl zusehen lassen?" Sein Sinn für Humor ist manchmal sehr bizarr und auf seiner Krankenstation hält er jede Menge Tiere wie Fledermäuse von verschiedenen Welten.

Gerade durch T'Pol sind Konflikte innerhalb der Besatzung vordefiniert. Aber die Charaktere sind gut gezeichnet und harmonieren auch miteinander, wie man es von Star Trek gewöhnt ist. Wieder einmal wird der Zuschauer Zeuge, wie vollkommen Fremde zu einem Team zusammenwachsen.

Die erzählten Geschichten

"Enterprise" folgt wieder dem alten Muster: Jede Folge ist eine in sich abgeschlossene Geschichte. Zwar gibt es eine große Hintergrundhandlung um den temporären Krieg, aber diese wird nur relativ selten weitererzählt. Da um 2001, als auch "Enterprise" startete, viele Serien damit begannen, eine große Geschichte zu erzählen, wurde das Konzept in der dritten Staffel umgesetzt.

Eine Raumsonde greift die Erde an und tötet sieben Millionen Menschen. Archer bekommt einen Hinweis, dass dieser Angriff der Test einer wesentlich größeren Waffe war, mit der die Menschheit komplett ausgerottet werden soll. Dahinter stecken die Xindi, ein Volk, das in der sogenannten Ausdehnung lebt. Das ist ein Teil des Alls, der noch nicht erforscht ist und der als sehr gefährlich gilt. Die Enterprise bekommt den Auftrag, in die Ausdehnung zu fliegen, die Xindi zu suchen und sie ordentlich aufzumischen.

Somit erzählt die dritte Staffel die Geschichte hinter diesem Angriff und die Suche der Enterprise nach der Waffe, welche die Xindi bauen. In der vierten Staffel geht die Serie wieder größtenteils den bekannten Weg, aber es gibt mehrere Geschichten, die über vier oder fünf Folgen erzählt werden.

Kontinuität und Bewertung

"Enterprise" hat es als Serie nicht einfach, denn immerhin schreibt sie die Vorgeschichte der anderen Serien. Dass es dabei zu Kontinuitätsproblemen kommen muss, müsste jedem klar sein - immerhin ist das Universum von Star Trek sehr komplex. Und hier lassen sich leider auch einige Kritikpunkte finden.

Gelungen dargestellt ist die Angst der Menschen vor der neuen Technik wie z.B. dem Transporter. Wo Kirk und Co. sich ohne Probleme überall hin beamten, zögern die Mannen um Captain Archer und benutzen lieber Raumfähren. Die Enterprise selbst hätte etwas klobiger sein können. Sie wirkt meiner Meinung nach schon zu elegant und erinnert zu sehr an die späteren modernen Schiffe.

Eine auf den ersten Blick gute Idee war es, bekannte Wesen aus den anderen Serien auftauchen zu lassen, wie z.B. die Ferengi und die Borg. Aber hier kommt es zu großen Kontinuitätsproblemen, denn Kirk hat noch nie von Ferengi gehört. Vor allem die Ferengi, die in "Deep Space 9" zu einem richtig interessanten Volk entwickelt wurden, werden hier wieder zu sehr wie die bösen Idioten dargestellt. Das haben sie nicht verdient.

Aber auch der Name des Raumschiffs sorgt schon für Probleme, denn Kirks Enterprise galt als das erste Raumschiff der Sternenflotte mit diesem Namen. Und auf einmal taucht eine andere Enterprise auf. Ein anderer Name wäre logischer gewesen.

Alles in allem gilt "Enterprise" als die schwächste Star-Trek-Serie. Sie enthält gute Ideen und gute Ansätze, aber wie bereits bei "Voyager" waren die Produzenten nicht mutig genug, zu sehr Neues zu versuchen. Aber möglicherweise hätte das Star Trek nicht geschadet. So benehmen sich die Menschen schon sehr wie die spätere Föderation. Es hätte vielleicht nicht geschadet, wenn sie ein bisschen mehr "Wild-West-Mentalität" an den Tag legen würde, denn letztendlich erinnert die Situation an diese Zeit. Und im Laufe der Serie hätten sie sich ändern können. So ist einfach keine große Änderung spürbar zwischen dem Anfang der Serie und dem Ende: außer, dass am Ende die Vereinte Föderation der Planeten gegründet wird.

Doch trotz all der Kritik finden sich auch in "Enterprise" gute Ideen, spannende und lustige Geschichten. Aber die Anzahl der wahren Perlen ist noch einmal geringer geworden als es bereits bei "Voyager" der Fall war, was sehr schade ist, denn ein solches Ende hat Star Trek nicht verdient. Man hätte wesentlich mehr aus der Serie machen können.

Autor seit 5 Jahren
68 Seiten
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