Unsere Nervensysteme

Der Mensch besitzt drei Nervensysteme: Das zentrale Nervensystem (Gehirn und Rückenmark), das alle Reaktionen auf äußere Reize steuert, das periphere Nervensystem, das wir willkürlich in Gang setzen können (Muskelarbeit) und das autonome oder auch vegetative Nervensystem, das wir nicht willentlich steuern können.
Letzteres versorgt alle inneren Organe wie Herz, Leber, Magen, Darm, Milz, Blase, Geschlechtsorgane, die Atmung, Speichel- und Schweißdrüsen, Augenpupillen und sorgt für die Durchblutung der Haut. Dieses vegetative oder autonome Nervensystem ist zweigeteilt in das aktivierende, sympathische und das entspannende, parasympathische Nervensystem. Seine Aufgaben bestehen in der Erhaltung des inneren Gleichgewichts (Homöostase) und der Bereitstellung von Energie für plötzliche Reaktionen und die andauernde Versorgung des Körpers.

Definition "Stress-Typen"

Das Stressgeschehen im Körper wird vorwiegend durch endokrine Drüsen und die beiden Äste des vegetativen Nervensystems, Sympathikus und Vagus, bestimmt. Sie bestimmen auch den Stress-Typ.

Der Sympathikotoniker (Typ A) ist im Alltag meist sehr leicht erregbar, nervös und neigt zu Explosionsreaktionen. Körperlich findet man bei ihnm Herzklopfen, Bluthochdruck, Kopfschmerzen und/oder erhöhte Blutfettwerte. In Stresssitutionen reagiert er nach dem Urprinzip Kampf oder Fucht.

Dieser Typ Mensch ist oft nur dann zufrieden, wenn er aktiv ist und Leistung erbringt. Er hat nur wenig Geduld mit sich und anderen. Das Leben an sich zu genießen, hat er nicht gelernt. Dementsprechend treten körperliche Beschwerden auf (wie zum Beispiel häufige Kopfschmerzen), die er selbst aber nicht in Zusammenhang mit seinem Lebensstil bringt
Charakteristisch für den A-Typ sind hohes Leistungsstreben, Konkurrenzdenken, Ungeduld, Perfektionismus, hohes Verantwortungsbewußtsein, Hektik, Aggressionsbereitschaft eund starke Zielorientierung.

Vagotoniker (Typ B) reagieren generell gelassener auf Stress, sie kalkulieren mehr Zeit ein als sie brauchen, schütteln Dinge ab, die sie nur indirekt betreffen, sehen alles humorvoller, setzen Prioritäten.
Sie bevorzugen eher die Variante des "Totstellens". Dafür wird zwar weniger Energie benötigt, es artet aber in die andere Richtung aus, indem der Blutdruck fällt, die Muskeln erschlaffen und Schwindelgefühle auftreten. Es kann als Reaktion auf eine gefährliche Stresssituation sogar zum Kollaps oder dem sogenannten Vagus-Schock kommen.

Eine zu grobe Einteilung in nur zwei Typen ist allerdings nicht angebracht, da viele Menschen Mischtypen sind. Man hat auch heraus gefunden, dass es geschlechtsspezifische Unterschiede hinsichtlich Stresserleben und Stressverhalten gibt. 
Männer haben zum Beispiel häufiger als Frauen den Eindruck, eingeengt zu sein oder eine Situation nicht im Griff zu haben. Frauen hingegen haben eher Stress in Diskussionen bei unterschiedlichen Auffassungen oder bei Konflikten, weil sie alles, was die Harmonie stört, als bedrohlich empfinden.
Diese Verhaltensweisen sind aber nicht angeboren, sonderen wurden im Laufe des Lebens erlernt und sind durchaus wieder veränderbar.

Eustress / Distress

Den Zustand, in dem belastende Reize als angenehm oder als Herausforderung empfunden werden, nennt man Eustress. Er wird begleitet von positiven Gefühlen wie Freude, Glück, Begeisterung oder Stolz. Freudige Ereignisse wirken auf die körperliche Abwehr stärkend, darum haben Vitalität und Lebensfreude viel mit Eustress zu tun. Man findet ihn in Bereichen wie Sport, Urlaub, Hobby.

Nehmen die belastenden Reize aber Überhand und werden sie als unangenehm empfunden, so nennt man das Distress. Dieser Zustand ist ein Risikofaktor für die Gesundheit, da er das Gleichgewicht zwischen Körper und Psyche auf Dauer stört und so zu zahlreichen psychosomatischen Krankheiten führen kann.

Eustress und Distress haben viele Gemeinsamkeiten, zum Beispiel wird in jedem Fall dem Körper vermehrt Enegie zur Verfügung gestellt, aber sie unterscheiden sich deutlich im emotionalen Bereich. Nur allein den Distress zu bekämpfen, brächte ein ziemlich eintöniges Leben mit sich und so hat sich in der Praxis die bewußte Suche nach Eustress-Erlebnissen bewährt.

Stressformen - Stressoren

Stressoren sind Reize, die auf einen Organismus schädigend einwirken können. Man unterscheidet in körperliche und psychische Stressoren, aber auch in Stressoren, die durch die Umwelt auf uns einwirken.

Körperliche Stressoren sind unter anderem das Wetter (zum Beispiel durch starke Luftdruckschwankungen, Hitze), Infektionen, Hunger, Vergiftungen und Verletzungen.

Psychische Stressoren können zum Beispiel sein: Partnerschafts- oder Familienprobleme, Prüfungsangst, berufliche Schwierigkeiten, Versagensängste, Termindruck, Arbeitslosigkeit, Überschuldung oder der Tod eines Angehörigen. Auch Langeweile, Einsamkeit, Monotonie zählen dazu.

Zu den umweltbedingten Stressoren zählen zum Beispiel Lärm durch Straßenverkehr, krank machende Wohnverhältnisse (beengtes Wohnen, Asbest, Farben), Staus, überfüllte Transportmittel.

Welche Stress-Signale gibt es?

Es gibt zahlreiche Stress-Signale, die zu denken geben und möglichst in den Anfängen auf die Stress-Bremse treten lassen sollten:

  • Heißhunger-Anfälle - Wenn zu wenig Serotonin, der Gehirnbotenstoff, der für ausgeglichene emotionale Verfassung zuständig ist, vorhanden ist, greift der Körper vermehrt zu Kohlenhydraten wie Süßigkeiten.
  • Verletzungen - Wenn man gestresst ist, verringert sich die Aufmerksamkeit und man verletzt sich häufiger.
  • Keine Lust auf Sex - Stress unterdrückt die Produktion von Sexualhormonen.
  • Augenlid-Zuckungen - Sind Zeichen von Dauerstress.
  • Verdauungsprobleme - 'Durch zu hastiges und/oder unregelmäßiges Essen.
  • Ohrenklingeln - Wenn es nur zeitweise auftritt, ist es ein sicheres Zeichen für Stress. Bei andauerndem Symptom könnte es bereits Tinnitus sein.
  • PMS-Syndrom - Da Stress die Ausschüttung der Sexualhormone drosselt, kann das zur Verzögerung des Eisprungs führen (Bauchschmerzen, Krämpfe, Depressionen).
  • Herzrasen - Frauen besitzen scheinbar öfter die Veranlagung für eine Herzklappenschwäche. Das kann bei Stress zu Herzrasen führen.
  • Juckreiz - Das Gehirn schüttet unter Stress vermehrt Histamin aus. Diese Substanz kann - zusammen mit anderen körpereigenen Stoffen - zu Juckreiz führen.
  • Immunschwäche - Stress öffnet Bakterien und Viren Tor und Tür.
  • Haarverlust - Wenn das Haar dünner wird, gibt die Hirnanhangdrüse vermehrt Signale an die Nebennieren, mehr männliche Hormone zu Produzieren.
  • Fahle Haut - Chronischer Stress verlangsamt die Zellerneuerung. Als Folge wird die Haut trocken und schuppig.
  • Gerötete Haut - Durch Erweiterung der Blutgefäße.

Die drei Stress-Phasen

Nach Selye, dem Begründer der Stress-Theorie, kennt man die Vorphase, die Alarmphase und die Erholungsphase.

In der Vorphase zu einer Alarmreaktion, die vom Parasympaticus (auch Vagus-Nerv genannt) gesteuert wird und in der die Kräfte gesammelt werden, kommt es zunächst zu einer

  • Erweiterung der Blutgefäße zur besseren Versorgung der jetzt wichtigen Organe.

  • Die Bronchien verengen sich, d.h. der Atem wird langsamer,

  • die Herzkranzgefäße erweitern sich,

  • der Puls wird beschleunigt,

  • die Harnentleerung wird gefördert.

In Phase 2, der Alarmreaktion, steigt die Aktivität an. Der Sympathikus hat nun das Sagen. Hilfsmechanismen werden in Gang gesetzt, um das Leben aufrecht zu erhalten, so dass die Reaktion sich über größere Gebiete ausbreitet. Der Körper stellt sich auf maximale Leistung und Reaktion ein und ist für 'Kampf oder Flucht" bestens vorbereitet. Wahrgenommene Sinnesreize, die Gefahr bedeuten, werden an die Großhirnrinde gemeldet. Im Hypothalamus, einem Teil des Zwischenhirns, entstehen Angstgefühle.

Die Informationen gelangen an die Hypophyse. Diese erbsengroße und ungeheuer wichtige Drüse im Hormonhaushalt sendet bei Aktivität (sei es Sport oder Stress) das Adeno Cortico Trope Hormon (ACTH) an die Nebennierenrinde (NNR) und das veranlasst die NNR, die wichtigsten Stresshormone auszuschütten: Adrenalin und Cortisol. Gleichzeitig erhält die für den Energiehaushalt zuständige Schilddrüse die Information, sofort aktiv zu werden.

Wenn der Thyroxinspiegel (= Hormon der Schilddrüse) sehr hoch ist, werden alle Gewebe im Körper auch empfindlicher für Adrenalin. Beide Hormone rüsten den Organismus für eine Notfallreaktion, bei der alle Kräfte zu mobilisieren sind. Adrenalin wirkt als Kurzzeithormon, Cortisol dagegen ist ein Langzeithormon.

Folgendes geschieht durch die Reaktion des Sympathikus:

  • Die Pupillen öffnen sich, um besser sehen zu können.

  • Das Herz schlägt schneller, um mehr Blut in Gehirn, Muskeln und Organe zu pumpen

  • Die Haut wird weniger gut durchblutet, um zu kühlen.

  • Die Atmung ist tiefer und schneller und verbessert so die Sauerstoffversorgung.

  • Alle Verdauungsprozesse, zu denen man Ruhe braucht, werden eingestellt.

  • Wir schwitzen und zwar als Kühlung und zum Abtransport der Abbauprodukte.

  • Der Blutzuckerspiegel steigt, um Energie freizusetzen.

  • Die Blutfettwerte steigen.

  • Die Sinnesorgane werden aktiviert und besser durchblutet.

  • Die Blutgerinnung wird hoch gesetzt.

  • Das Immunsystem wird unterdrückt unter Cortisol, unter Adrenalin angeregt.

  • Die Gefäße verengen sich, der Blutdruck steigt.

  • Die Geschlechtsorgane werden in ihrer Funktion vernachlässigt.

  • Die Muskeln werden besser durchblutet

  • Die Verletzungsgefahr nimmt zu.

  • Es tritt eine Denkblockade ein. Dieser sinnvolle Mechanismus ist von der Natur eingerichtet worden, um uns daran zu hindern, all zu lange über die notwendige Handlung nachzudenken. Es muss blitzschnell reagiert und nicht lange überlegt werden.

In Phase 3, der Erholungs- oder Reparationsphase, sollte der Mensch wieder entspannen und zur Ruhe kommen.

 

Mögliche Folgeerkrankungen aufgrund von Dauerstress

Leider ist es oft nicht so, dass man sich nach einer belastenden Aktion die ntige Entspannung und Ruhe gönnen kann oder will. Manchmal jagt ein Stressor den nächsten, das heißt der Körper befindet sich in Daueralarm. Stress manifestiert sich bevorzugt in den verletzlichsten Zellen oder in den anfälligsten Organen. Jeder Mensch hat einen anderen Schwachpunkt.

Stress kann Auswirkungen auf unser Immunsystem haben. Da vermehrt Cortisol ausgeschüttet wurde in den verschiedenen Alarmphasen, fehlen dem Körper unter anderem Abwehrkräfte bei Infektionen, Allergien bis hin zu Krebs. Es kann zu Schmerzen vielfältigster Art kommen. Rücken- und Kopfschmerz, Migräne sind oft Zeichen von Überlastung und Muskelverspannungen. Häufig wird auch über Schlafstörungen geklagt.

Da der Sympathikus die Verdauung bei Stress auf Sparflamme setzt, kann es zu Verdauungsstörungen wie Verstopfung, Durchfall, Blähungen, Magendruck, Krämpfen kommen. Manche Menschen leiden unter Atemschwierigkeiten (Asthma und Bronchitis können allergisch verursacht, aber auch stressbedingt sein), Hyperventilation, Atembeklemmungen.

Auch Hautprobleme sind häufig (Ekzeme, Akne, Neurodermitis, Psoriasis, Herpes und andere).

Sehr häufig sind Herzkrankheiten (Angina pectoris, Rhythmusstörungen, Herzinsuffizienz, Infarkt, Herzneurose) und Kreislaufbeschwerden (Durchblutungsstörungen, hoher Blutdruck, niedriger Blutdruck, Schwindel, Ohnmacht).

Zunehmend finden sich auch veränderte Blutwerte (Blutzucker, Cholesterin, Blutsenkung).

Stress wird sich in unserer immer komplexer und schneller werdenden Zeit leider nie ganz vermeiden lassen, aber es ist möglich, ihm entgegen zu wirken, ihn zu reduzieren und mit ihm besser umzugehen.

Ein gezieltes und konsequentes Programm, das sich aus Entspannung, Bewegung und Ernährung zusammensetzt, ist dabei immer hilfreich.

 

Bitte beachten Sie, dass Pagewizz-Artikel niemals fachlichen Rat - zum Beispiel durch einen Arzt - ersetzen können.

 

Quellen:

"Der Stress - Info-Broschüre der Techniker Krankenkasse, Hamburg

Psychologie zum Nachschlagen, München 1989, Compact-Verlag

Fachberichte aus "Psychologie heute"

Eigene Fortbildungs-Seminare, Vorträge und Schlussarbeit zum Thema "Stress" im Rahmen meiner Heilpraktiker-Ausbildung

 

Autor seit 4 Jahren
71 Seiten
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