Vogelfreundliche Sträucher auswählen - die wichtigsten Regeln

Zwischen einem Tier und seiner Futterpflanze gibt es eine enge Beziehung, die meist über lange Zeit hinweg gewachsen ist. Jeder Vogel hat seine eigenen Vorlieben und manche Vögel sind auf ganz bestimmte Pflanzen spezialisiert.

Wichtig deshalb: Heimische Pflanzen bevorzugen! Am besten Sträucher, die auch in nächster Umgebung des Gartens wachsen. Denn nur an diese sind unsere Vögel angepasst. Mit Exoten und Ziersträuchern können die meisten Tiere nur wenig anfangen.

Gartenexperten raten außerdem, bei züchterisch veränderten Pflanzen und Saatgut vorsichtig zu sein. Es empfiehlt sich, bei einer auf Wildpflanzen spezialisierten Gärtnerei einzukaufen.

Adressen spezieller Wildpflanzen-Gärtnereien nennen:

Bioland

Naturgarten e.V.

Naturschutzbund (NABU)

Könnten wir unsere Gartenvögel vor die Wahl stellen ...

... welche Sträucher würden es wohl in die Top 3 der beliebtesten Vogelgewächse schaffen?

Bei einer Zählung der Vogelstimmen würde das Ergebnis vermutlich recht eindeutig ausfallen – die Gewinner wären die Schlehe, die Hundsrose und der Weißdorn.

Diese drei Wildsträucher werden als biologisch aktivste Vogelgehölze unserer heimischen Pflanzenwelt bezeichnet und können mit überzeugenden Vorteilen punkten.

Was alle drei gemeinsam haben: Man nähert sich ihnen besser vorsichtig, denn sie sind ziemlich stachelig. Das macht sie bei Vögeln besonders populär, denn die dornigen Zweige bieten Schutz vor Fressfeinden und sind ideale Brutplätze.

Die weißen Blüten von Schlehe und Weißdorn und die zartrosafarbenen Blüten der Hundsrose locken im Frühjahr zahlreiche Insekten an.

Im Herbst warten an den Zweigen dann nahrhafte Früchte: Die pflaumenähnlichen Früchte der Schlehe enthalten Gerbstoffe und schmecken ziemlich sauer, entwickeln aber nach dem ersten Frost ein süßliches Aroma.

Bei Vögeln beliebt sind auch die großen roten Früchte der Hundsrose, die Hagebutten. Sie sind voller wertvoller Nährstoffe und gehören zu den Früchten mit dem höchsten Vitamin-C-Gehalt.

Die roten Beerenfrüchte des Weißdorns hängen oft noch bis in den Winter an den Zweigen und leisten den Vögeln dann gute Dienste, wenn die Nahrung knapp wird.

Vorsicht! - Pflanzenexperten geben zu Bedenken, dass die Schlehe sehr voluminös werden und durch ihre starke Konkurrenzkraft andere Pflanzen im Garten leicht verdrängen kann.

Schlehenfrüchte

Schlehe (Prunus spinosa)

  • auch: Schwarzdorn
  • dorniger mittelgroßer Strauch (bis 3 Meter hoch)
  • blüht weiß schon zeitig im Frühjahr
  • dunkle Steinfrüchte
  • wächst auf trockenen, steinigen und kalkreichen Böden, bevorzugt in sonniger Lage

 

Hundsrose (Rosa canina)

  • auch: Heckenrose, "Olive des Nordens"
  • mittelgroßer Strauch (bis 3 Meter hoch)
  • blüht rosafarben
  • große essbare Früchte (Hagebutten)
  • lichtliebend, bevorzugt festen Boden

Weißdorn (Crataegus monogyna oder Crataegus laevigata)

  • auch: Hagedorn, Heckendorn, Weißheckdorn, Rotdorn
  • mittelgroßer Strauch, mitunter auch kleiner Baum (bis zu 10 Meter hoch)
  • blüht weiß
  • rote Beerenfrüchte
  • bevorzugt nährstoffreichen, kalkreichen und humusreichen Boden; begnügt sich aber auch mit sehr trockenem, sandigen und steinigen Boden

An den oberen Plätzen zwar knapp vorbei ...

doch auch sie sind beerenstark: Holunder, Sanddorn und Vogelbeere.

Besonders reich an Vitaminen (vor allem an Vitamin C) sind die schwarzen Beeren des Holunders, die korallenroten Beeren der Vogelbeere und die orangefarbenen Beeren des Sanddorns.

Holunder und Vogelbeeren bieten über 60 heimischen Vogelarten Nahrung und der Sanddorn gilt als Vitaminbombe, seine Früchte haben neben vielen anderen wertvollen Nährstoffen wie Beta-Carotin auch einen besonders hohen Vitamin-C-Gehalt und enthalten Flavone (Pflanzenfarbstoffe), welche die Wirkung von Vitamin C noch unterstützen.

Die Blüten der Vogelbeere riechen für unsere Nasen zwar eher unangenehm, die süßen und pollenreichen Blüten des Holunders dagegen sind bei Mensch und Tier beliebt: Sie ziehen nicht nur Insekten an, sondern werden auch von manchen Vogelarten gerne gefressen.

 

Früchte der Vogelbeere

Schwarzer Holunder (Sambucus nigra)

  • auch: Flieder, Fliederbeere, Holler, Hollerstrauch, Elderbaum, Husholder, Schwarzholer
  • Großstrauch oder kleiner Baum (bis zu 7 Meter hoch)
  • blüht weiß
  • dunkle Beerenfrüchte
  • bevorzugt frischen, fruchtbaren Boden

Vogelbeere (Sorbus aucuparia)

  • auch: Eberesche, Scheinesche, "Zitrone des Nordens"
  • kleiner bis mittelgroßer Baum (bis zu 15 Meter hoch)
  • blüht gelblichweiß
  • orangerote Beerenfrüchte
  • sehr anspruchslos, frosthart, lichtliebend

Sanddorn (Hippophae rhamnoides)

  • auch: Weidendorn, Seedorn
  • sperriger mittelgroßer Strauch (bis 3 Meter hoch)
  • blüht unscheinbar rotbraun oder gelblich
  • orangefarbene Beerenfrüchte
  • gedeiht auf sandigem, etwas schotterigem Boden
Früchte des Pfaffenhütchens

Eine lobende Erwähnung verdient haben außerdem:

Kornelkirsche, Haselnuss, Pfaffenhütchen, Rote Heckenkirsche, Berberitze, Liguster und Efeu.

Hasel (Corylus avellana)

  • Mittel- bis Großstrauch, selten kleiner Baum (bis zu 7 Meter hoch)
  • kaum ins Auge fallende rote Blüten
  • Nussfrüchte
  • bevorzugt kräftigen, frischen und lockeren Boden
  • lichtliebend, erträgt aber auch einige Beschattung

 

Kornelkirsche (Cornus mas)

  • auch: Herlitze, Gelber Hartriegel, Dürlitze, Hirlnuss
  • Großstrauch oder kleiner Baum (bis zu 8 Meter hoch)
  • blüht gelb
  • rote längliche Steinfrüchte
  • bevorzugt leichten, humosen, kalkhaltigen Boden
  • Mit ihren gelben Blüten ist die Kornelkirsche optisch eine gute Alternative zur Forsythie, die als Ziergewächs kaum Nutzen für die heimische Tierwelt hat.

Rote Heckenkirsche (Lonicera Xylosteum)

  • auch: Gemeine Heckenkirsche
  • kleinerer Strauch (1-2 Meter hoch)
  • blüht gelblichweiß
  • kleine rote Beerenfrüchte
  • bevorzugt frischen, kalkhaltigen Boden
  • erträgt mäßigen Schatten
  • Vorsicht, die roten Beeren sind giftig! Bei Schulausflügen soll es schon zu Massenvergiftungen durch die Heckenkirsche gekommen sein.

Pfaffenhütchen (Eunonymus europaea)

  • auch: Pfaffenkäppchen, Spindelbaum, Spindelstrauch, "Rotkehlchenbrot"
  • aufrechter Strauch, selten kleiner Baum
  • blüht hellgrün
  • orangerote Früchte, rotes Herbstlaub
  • bevorzugt frischen, fruchtbaren und kalkhaltigen Boden
  • Die für den Menschen giftigen Samen sind vor allem bei Rotkehlchen und Drosseln beliebt.

Berberitze (Berberis vulgaris)

  • auch: Sauerdorn
  • mittelgroßer Strauch (bis 3 Meter hoch)
  • blüht gelb
  • längliche rote Beerenfrüchte
  • ist lichtliebend, bevorzugt festen Boden
  • Gartenprofis empfehlen: Beim Kauf auf heimische Art achten!
  • Die Berberitze gilt als Zwischenwirt des Getreiderostpilzes und ist deshalb in der Nähe von Feldern nicht gerne gesehen.

Liguster (Ligustrum vulgare)

  • auch: Rainweide, Zaunriegel
  • dichter kleinerer Strauch (bis 2 Meter hoch)
  • blüht weiß bis gelblich
  • schwarze glänzende Steinbeeren
  • bevorzugt nahrhaften, kalkhaltigen Boden
  • Die für den Menschen giftigen Beeren hängen oft noch bis im Spätwinter an den Zweigen und sind vielen Vogelarten in dieser kargen Zeit besonders willkommen
Blühende Berberitze

Efeu (Hedera helix)

  • immergrüner Kletterstrauch, kriecht oder klettert mit Haftwurzeln (kein Schmarotzer)
  • blüht im Herbst, entwickelt im Frühjahr giftige Steinfrüchte
  • bevorzugt steinigen, humosen und kalkreichen Boden
  • verträgt Schatten gut, blüht aber nur in sonniger Lage
  • Wächst sehr langsam, blüht erst im 8. - 10. Jahr und kann sehr alt werden (bis zu 1000 Jahre)

Und wo können wir mitnaschen?

Auch für Menschen genießbar sind die Früchte der Schlehe, der Hundsrose, des Holunders, der Kornelkirsche, des Sanddorns, der Haselnuss, der Berberitze und der Vogelbeere.

Die Schlehenfrüchte entwickeln nach dem ersten Frost oder dem Eingefrieren ein süßliches Aroma und werden gerne zu Saft, Gelee oder Likör verkocht.

Schlehen - der fast vergessene Genuss

Aus den eher sauren bzw. herben Früchten des Sanddorns, der Kornelkirsche und der Berberitze lassen sich z.B. Saft und Marmelade machen.

Rezepte für Sanddornsaft, Sanddornsirup und Sanddornlikör

Die Früchte der Vogelbeere gelten für den Menschen als giftig, sind sie aber nicht: Durch das Kochen werden sie von ihren Bitterstoffen befreit (aus Parasorbinsäure wird Sorbinsäure) und schmecken uns als Konfitüre, Chutney oder Sirup.

Leckere Rezepte aus der Eberesche

Zusätzliche Tipps für vogelfreundliches Gärtnern:

  • Sträucher möglichst erst ab Februar beschneiden: Auf diese Weise können die Samen reifen, die den Vögeln als Nahrung dienen oder dafür sorgen, dass sich die Pflanze vermehren kann.

  • Äste und Laub sollten nicht abtransportiert werden. Wenn man es unter die Sträucher schichtet, bieten Totholz und Laub einen idealen Lebensraum für Insekten.

  • Aus den abgeschnittenen Zweigen kann man auch Reisighaufen aufrichten, die z.B. von Rotkehlchen und Amseln als Rückzugsort genutzt werden. Wer die Vögel noch besser vor Fressfeinden schützen möchte, lässt die Reisighaufen von stacheligen Sträuchern wie Brombeerhecken überwuchern.

Autor seit 7 Jahren
314 Seiten
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