Missionare beziehen Stellung

Vietnam- und Afghanistan-Veteran John J. Rambo hat sich in Thailand aufs Altenteil zurückgezogen. Untätig ist der gleichermaßen rüstige, wie hochgerüstete Ex-Elitesoldat natürlich nicht, weshalb er sich als Bootskapitän ein karges Zubrot verdingt. Für Abwechslung sorgt das Eintreffen christlicher Missionare, die unter der Leitung von Dr. Burnett (Paul Schulze) Medikamente und Lebensmittel ins von einer brutalen Militärjunta geknechtete Burma schmuggeln wollen. Rambo gefällt diese Idee nicht und versucht, die naiv an das Gute im Menschen glaubenden Missionare von ihrem Vorhaben abzubringen. Zähneknirschend nimmt er den Auftrag denn aber doch an, was nicht zuletzt der ansehnlich designten Sarah (Julie Benz) zu verdanken ist.

Auf dem Weg nach Burma wird das Boot von Flusspiraten aufgehalten, die Sarah als eine Art Tribut einfordern. Auch damit ist Rambo nicht einverstanden und kurzerhand bringt er die Piraten um. Sehr zum Entsetzen der pazifistischen Missionare, die von Rambos Menschenverachtung schockiert sind. Wenige Tage, nachdem er sie am Zielort abgesetzt hat, trägt ihm Pastor Mars (Ken Howard) zu, dass sie von den Militärs verschleppt wurden. Der pragmatische Pastor hat bereits eine Söldnertruppe zur Befreiung der Missionare zusammengestellt und bittet Rambo um Führung des Rettungsteams. Unvermittelt findet sich Rambo nach all den Jahren des Friedens auf einem Schlachtfeld wieder. Von seiner Kunst des Tötens hat er aber nichts verlernt...

Erfreulich: Während des Drehs kamen keine Pinguine zu Schaden

John Rambo: Nostalgie pur an eine verflossene Ära

Drehbuch und Regie: Multitalent Sylvester Stallone

Selbst wenn man kein Fan von Sylvester Stallone ist, so muss man ihm eines jedenfalls eines lassen: Der Mann setzt seinen Weg unbeirrt fort! Zwanzig Jahre nach dem von der Kritik zerrissenen, vom Publikum geliebten "Rambo III" legt er das rote Stirnband noch einmal an und stellt sich dem Bösen in den Weg. Freilich: Die Welt des frühen 21. Jahrhunderts unterscheidet sich drastisch von jener der Blütezeit der Actionstars in den 1980er Jahren. Bis auf Restmüllvorkommen in Nordkorea, Kuba und Teilen Afrikas, sind die Kommunisten vom gesunden Menschenverstand weggespült worden. Die einfachen ideologischen Grabenkämpfe - der Westen gegen die Kommis - sind weggebrochen und komplexeren politischen und gesellschaftlichen Problemen gewichen. Deshalb verschlägt es Rambo weiter östlich wie noch zwanzig Jahre zuvor, nämlich nach Burma, wo bis 2011 eine brutale Militärjunta den Ton angab.

Erstmals schrieb Stallone nicht nur am Drehbuch mit, sondern übernahm auch die Regie. Ganz im Gegensatz zu seinem Image als muskelbepackte Hohlbirne, ist der gebürtige New Yorker ein fähiger Drehbuchautor (sein Script zum Welthit "Rocky" wurde für den "Oscar" nominiert). Wenig überraschend erweist sich die Handlung als vorhersehbar, setzt aber gekonnt Ecken und Kanten, was im mittlerweile leider völlig weichgespülten Actiongenre fast schon nostalgische Gefühle aufkommen lässt. Als wäre der letzte Teil erst im Vorjahr angelaufen, präsentiert sich Stallone in Topform und scheint kaum gealtert zu sein. Zugegeben: Seine Karriere baute sich ohnehin auf seinen Muckis auf und weniger auf seinem Aussehen. Dafür nimmt man ihm die Actionrolle von Beginn weg ab und schüttelt nicht wie bei Steven-Seagal-Filmen den Kopf darüber, dass der weitaus jüngere Hauptdarsteller ohne Stunt-Double keine Kniebeuge mehr schafft.

 

Die Rückkehr einer Kampfmaschine

John Rambo: CoverWas in einem Film wie "John Rambo" zu erwarten ist, sollte jedem Zuschauer im Vorfeld klar sein. Hier werden keine großen Reden geschwungen oder Gänseblümchen für den verständnisvollen Major gepflückt, sondern menschliche Körper nach allen Regeln der Filmkunst in Blutbilder verwandelt, wie sie Hermann Nitsch nicht hübscher zustande brächte. Der Fokus liegt somit auf den schonungslos harten Kampfszenen. Der Handlungsfaden folgt Teil 2 und 3: Zunächst ziert sich Rambo, erneut in den Krieg zu ziehen, wird aber überzeugt, für das Gute zu kämpfen. Auf dem Weg zum bittersüßen Happyend  gerät er in die Fänge des Antagonisten. Nicht besonders originell, dafür effektiv und halbwegs erfolgreich, auch wenn "John Rambo" in den USA weniger einspielte als die drei Vorgängerfilme.

Mit subtilen Botschaften hält sich der Actionstreifen erst gar nicht auf. Nun könnte man die christlichen Missionare als überzeichnet naiv betrachten, wüsste man nicht, dass derlei erschütternd gutgläubiges Verhalten tatsächlich existiert und von der Realität gar nicht so weit entfernt ist, wie man annehmen - oder hoffen - möchte. Rambos Botschaft ist somit klar: Auf einen groben Klotz gehört ein grober Stein. Und natürlich zeigt die Kampfmaschine, dass sie nichts von ihrer Tödlichkeit und Konsequenz eingebüßt hat. In der uncut-Version von "John Rambo" fliegen nicht nur Kugeln, sondern auch Menschenteile in die Luft - so gut wie immer unfreiwillig, dies darf vorab verraten werden. Mit dem ersten Teil haben die Nachfolgefilme freilich kaum noch was gemeinsam. Der kriegsmüde, verbitterte Vietnam-Heimkehrer John J. Rambo hat sich knapp drei Jahrzehnte später damit abgefunden, niemals den erhofften Frieden finden zu können und gibt sich nicht mehr damit ab, seine Verfolger lediglich kampfunfähig zu machen. Der Kampf, so die Diktion, ist erst dann gewonnen, wenn der Gegner tot am Boden liegt. Verhandelt wird nicht.

 

Actionkino vom Feinsten und Härtesten

"John Rambo" ist natürlich kein philosophisch verklärter Autorenfilm, sondern eine Rückkehr zum modernen Heldenepos einer Ära, die Stallone und Konkurrent Schwarzenegger praktisch im Alleingang prägten. Ja, ein solcher Film wirkt anachronistisch, kaltblütig und unpassend gewalttätig. Für Fans harter Actionkost bietet der Streifen so gut wie alles, was man sich nur wünschen kann. Vermissen wird man allenfalls die typischen Macho-Sprüche. Abgesehen davon schwitzt der geneigte Zuschauer bei "John Rambo" in der ersten Reihe. Sylvester Stallone hat's auch nach all den Jahrzehnten noch drauf und ist der letzte echte Actionheld aus jener Ära, als in Actionfilmen Frauen Gebrauchsgegenstände waren, Blut literweise spritzte und der Bösewicht nicht im Kittchen, sondern mit dem Kopf voran im Abfallzerkleinerer landete. Nicht unbedingt menschenfreundlich, aber übersichtlich.

Originaltitel: Rambo

Regie: Sylvester Stallone

Produktionsland und –jahr: USA 2008

Filmlänge: ca. 91 Minuten (ungekürzte Fassung)

Verleih: Warner

Freigegeben: Ab 18 Jahren

Deutscher Kinostart: 14. Februar 2008

Autor seit 6 Jahren
836 Seiten
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