Das Volk der Tuareg

Mit dem Begriff Tuareg verbinden wir geheimnisvolle Nomaden, die mit ihren Dromedaren frei durch die sandige Weite der Sahara ziehen, die Männer gekleidet in langen dunklen Gewändern mit schwarzem oder blauem Gesichtsschleier, bei dem nur die dunklen Augen wie magisch heraus funkeln. Einige von uns kennen vielleicht den Buchklassiker "Tuareg" von Alberto Vázquez-Figueroa oder den dramatischen Kinofilm "Himmel über der Wüste" von Bernardo Bertolucci nach einem Roman von Paul Bowles. Dass dieses Bild mehr einer romantischen Beschreibung entspricht, entdecken wir, wenn wir uns mit der Musik der Gruppe Tamikrest beschäftigen.

Die Band Tamikrest

Die Bandmitglieder von Tamikrest aus dem Stamm der Tuareg, einer Untergruppe der Berber, stammen aus der Region Kidal im Nordosten Malis, ferner aus Algerien und dem Niger. Sie lernten sich in einer von europäischen Stiftungen finanzierten Schule in dem kleinen Oasenort Tinzaouweten kennen. In ihrer Kindheit erlebten sie den Krieg und den Verlust von Familienmitgliedern und Freunden während der Tuareg-Aufstände zwischen 1990 und 1995. Als 2006 weitere Unruhen ausbrachen, wollten sie mit ihrer Musik friedlich auf die Anliegen der Tuareg aufmerksam machen, statt mit Waffen zu kämpfen.

Auf Basis ihrer in der Schule erworbenen Musikausbildung sowie der traditionellen Musik der Kel Tamashek (übersetzt: die Leute die Tamashek sprechen) sangen sie von den Problemen der Jugend, der untergehenden Kultur sowie dem Leben in den Weiten der Sahara. Ihr Vorbild war die Gruppe Tinariwen, die damals in der Welt schon einen guten Bekanntheitsgrad erreicht hat. Andere Musiker und Stilrichtungen wie z.B. Jimi Hendrix, Bob Marley, Mark Knopfler und Pink Floyd kamen in der vernetzten Welt hinzu und beeinflussten ihre Stilrichtung hin zu einer Mischung aus traurigem Sahara-Blues, rhythmischer Folklore, fetzigem elektrischem Rock und mystischem Gesang.

Der Name Tamikrest bedeutet in Tamashek, der Sprache der Tuareg, Knotenpunkt bzw. Bündnis und Zukunft. Sie singen in ihrer eigenen Sprache, unterbrochen von den Freudenjodlern der Frauen (youyou).

Die Alben von Tamikest mit Hörproben
Adagh
Toumastin

Livekonzert im Café Hahn in Koblenz-Güls

Im März 2014 gab die Gruppe nach ihrem großen Erfolg auf dem Horizonte-Festival 2013 in Koblenz ein Konzert im Café Hahn in Güls. Die sieben Mitglieder sind auf Europatournee mit 33 Konzerten zwischen Dänemark, Deutschland und Frankreich. Der Konzertsaal war gut gefüllt mit Fans der Weltmusik, Neugierigen sowie Clubmitgliedern. Die Musik klang mal traurig und einsam, dann wieder hypnotisch oder tanzbar. Ja, es wurde vor der Bühne viel und zum Teil ausgelassen getanzt, da manche Stücke einen geradezu zwingenden Rhythmus haben. Was erreicht aber von den Aussagen der Lieder das Publikum? Der sympathische Frontmann Ousmane Ag Mossa spricht Tamaschek und Französisch. Sein Keyborder übersetzt uns einige Textinhalte ins Deutsche. Wir erfühlen die zum Teil tiefe Traurigkeit mancher Stücke, was wird aber bei den tanzbaren gerade gesungen?

Die Geschichte hinter den Songs

Einst zogen die Tuareg als Nomaden frei durch die Sahara. Ihre Grenze war der weite Himmel oder die Entfernung zum nächsten Wasserloch, bis die Wüste durch die Kolonisation willkürlich in einzelne Staaten wie Mali, Algerien, Libyen, Niger und Burkina Faso aufgeteilt wurden. Man versuchte sie sesshaft zu machen, das nomadische Leben wurde durch Grenzen erschwert. Die nomadische Kultur ist vom Untergang bedroht. Seit einiger Zeit ziehen Bodenschätze wie Uran die Gier der Regierungen und Weltkonzerne. Der Uranabbau zur Schädigung von Natur und Umwelt sowie gesundheitlichen Beeinträchtigungen. Vom freien Nomadenleben ist hier wenig geblieben.

Wer sich mit der Situation der Tuareg und ihrer Musik beschäftigen möchte, findet weitere Information bei dem Pagewizz-Autor Merlin oder auf der Homepage der Band Tamikrest.

Wer kein Konzert von Tamikrest erlebt hat, kann ihre ausdrucksstarke Musik auf den beim Label Glitterbeat (Glitterhouse Records) erschienen Alben Adagh (2009), Toumastin (2011), Chatma (2013) sowie dem Livealbum 2011genießen.

Das neue Album Chatma (Schwestern) ist den Tuareg-Frauen gewidmet, die um das Überleben ihrer Familien und Kinder kämpfen. Ihre Musik ist bei den Islamisten im Norden verboten.

Reisefieber, am 04.04.2014
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Bildquelle:
Donnaya (Gothic, Mittelalter, Dark Metal - Musik außerhalb des Mainstreams)
Peter Hamann ("The Discords" rocken das Haus in Fiefbergen)

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