Die Tricks der Weihnachtsmarkt-Ganoven

Obwohl hinlänglich bekannt ist, dass sich dreiste Diebe vorzugsweise dort aufhalten, wo Menschenansammlungen sind, wird die Gefahr unterschätzt. Jeder meint, er passt schon auf seine Tasche auf, während er über den weihnachtlich geschmückten Markt bummelt. Aber man möchte nicht einfach nur schauen, was an den Ständen angeboten wird, sondern Geschenke kaufen, den leckeren Punsch probieren, etwas Herzhaftes essen oder Süßes naschen. Mitunter hat man keine Hand frei, weil man die Glühweintasse hält, an der man sich so herrlich die kalten Hände wärmen kann. Oder aber, man ist bereits mit Geschenktüten bepackt, dass die Umhängetasche nicht zusätzlich gesichert werden kann.

Genau auf solche Dinge legen die Kleinkriminellen gezielt ihr Augenmerk. Wer voll beladen mit Tüten und Taschen ist oder gerade die Hände voller Köstlichkeiten hat, wird schnell Opfer der dreisten Diebe auf dem Weihnachtsmarkt. Sie pirschen sich dicht an das Objekt der Begierde heran, öffnen die Tasche und stehlen das Portemonnaie.

Mitunter kappen sie sogar ruck zuck die Riemen der Handtaschen und suchen mit der Beute schnell das Weite, bevor das Opfer den Diebstahl überhaupt bemerkt. An den Weihnachtsmarktständen herrscht sehr oft Gedränge. Lange Schlangen bilden sich vor den Glühwein-Buden und Imbissständen. Guter Appetit als auch Schupsen und Drängeln gehören irgendwie zu jedem Weihnachtsmarktbesuch.

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Sagen Sie dem Drängler die Meinung!

Es ist mehr als unangenehm, wenn einem der Hintermann so dicht auf die Pelle rückt, dass man dessen Atem riechen kann. Kaum jemand gibt seinen Platz in der Schlange freiwillig auf, wenn er fast am Ziel ist. Dies kann ein Fehler sein. Die nervig drängelende Person, die hinter einem steht, kann jene sein, die es auf Geld und Wertsachen abgesehen hat. Darum ist es sinnvoll, den Drängler nicht zu ignorieren. Gleich gar nicht sollte diesem die kalte Schulter gezeigt werden. Paroli bieten! Einfach umdrehen und lautstark bekunden, dass er etwas mehr Abstand halten soll.

Was Taschendiebe nämlich gar nicht vertragen, ist Aufmerksamkeit. Genau diese wird ihnen schnell zuteil, wenn das auserkorene Opfer laut wird und die anderen Weihnachtsmarktbesucher dadurch aufmerksam werden.

Wer einfach nur drängelt, weil er selbst von hinten geschoben wird, entschuldigt sich sofort und bleibt dennoch in der Reihe stehen. Wer stattdessen das Weite sucht, hat wahrscheinlich "Dreck am Stecken" und in solch einem Fall auch Pech, da der erhoffte Beutezug fehlgeschlagen ist.

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Senioren aufgepasst: Hilfsbereitschaft kann Ihr Geld kosten

Ältere Personen oder gehandicapte Bürger, die auf dem Weihnachtsmarkt unterwegs sind, sind perfekte Opfer für Kleinkriminelle. Der perfide Plan lautet: Vertrauen erwecken und Hilfe anbieten! Freundlich bieten sie an, Rollstühle über Hindernisse zu schieben - weil nicht alle Teile der Weihnachtsmärkte in Deutschland barrierefrei sind - oder fragen Senioren, ob sie ihnen die schweren Taschen tragen sollen, die mit Weihnachtsgeschenken vollgepackt sind.

Diese Art von Hilfsbereitschaft wird gern in Anspruch genommen. Viel zu oft immer noch völlig arglos. Traue nie deinem Nächsten, denn er könnte ein Verbrecher sein! Kein Bibelspruch, sondern leider bittere Realität in Deutschland.

Besonders dann, wenn die Personen hartnäckig bleiben und darauf bestehen, den Rentnern die schweren Einkaufstaschen nach Hause zu tragen, sollten Senioren hellhörig werden und dankend ablehnen.

Sehr oft ist es schon passiert, dass die angeblichen "Retter in der Not" das Gepäck der alten Herrschaften tatsächlich bis vor deren Wohnungstür gebracht haben. Inklusive Umhängetasche samt dem Geldbeutel. Da gehbehinderte Menschen und nicht mehr rüstige Rentner etwas langsamer sind, kamen sie so schnell nicht nach. Das Ende vom Lied: Sack und Pack standen ordnungsgemäß vor der Tür. Die hilfsbereite Person verabschiedete sich freundlich, lehnte betont höflich das angebotene Trinkgeld für die gut gemeinte Hilfe ab. Kein Wunder, denn sie hatte bereits kräftig abgesahnt.

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Orientierungslose Weihnachtsmarktbesucher

Klar kann es passieren, dass fremde Menschen nicht wissen, wo was in welcher Stadt ist. Doch auf einem Weihnachtsmarkt ist es kaum möglich, die Orientierung zu verlieren. Genaue Ausschilderungen sind an entsprechenden Tafeln angebracht. Die Weihnachtsstände sind ebenfalls unverkennbar beschriftet. Wer fragt dann noch, wo die Würstchenbude oder der Stand, an dem es den leckeren Glühwein gibt? Auf so blöde Fragen fällt wohl kaum ein Weihnachtsmarktbesucher mehr herein. Aber Kriminelle sind ja nicht dumm. Sie lassen sich immer etwas einfallen, um ans Ziel ihrer Wünsche zu kommen.

Tipp: Wenn Sie auf dem Weihnachtsmarkt angesprochen und gefragt werden, wo was ist, halten sie vorsichtshalber Ihre Tasche fest und erklären knapp, Sie wüssten es selbst nicht. Noch besser wäre, laut in die Runde zu rufen, ob jemand dem Herrn oder der Dame behilflich sein kann, der/die da gefragt hat. Sie wissen schon weshalb. Der Aufmerksamkeit wegen, die Taschendiebe absolut scheuen.

Tatort Weihnachtsmarkt - Kind verschwunden, bitte helfen Sie!

Glauben Sie nur nicht, es sind nur besorgte Mütter bzw. Eltern, die ihr Kind auf dem Weihnachtsmarkt suchen. Dass die Knirpse im dichten Gedränge mal schnell aus der Reihe tanzen und "verschütt" gehen, kommt auf gut besuchten Weihnachtsmärkten nun einmal vor. Ich war auch einmal klein und stand irgendwann mutterseelenallein auf dem Dresdner Striezelmarkt. Aber ich wusste, wohin ich zu gehen hatte, wenn genau dies - was eigentlich nicht passieren sollte - passierte. Heulend bahnte ich mir den Weg durch die Massen bis zum Ziel. Nach einer prägnanten Durchsage, die auf dem ganzen Altmarkt in Dresden zu hören war, dauerte es nicht mehr lange, bis Mama und Papa im Schlepptau meiner Geschwister erschienen und mich freudestrahlend in Empfang nahmen.

Es gibt allerdings auch Frauen und Männer, die täuschen nur vor, dass ihr Kind auf dem Weihnachtsmarkt verloren gegangen ist. Sie tun sehr besorgt, fragen Besucher - speziell ausgewählte Personen, die entweder alleine unterwegs sind oder in irgendeiner Form gehandicapt (siehe Beispiele oben im Artikel) - ob sie ein Kind gesehen haben, was so und so gekleidet ist. Kaum eine Person ist dann nicht berührt und versucht der vermeintlichen Mutter oder dem Vater zu helfen. Schließlich handelt es sich um ein Kind - ein hilfloses, kleines Wesen - was vermisst wird.

Genau darauf spekulieren die dreisten Gauner, die vorgeben, dass ihr Kind verschwunden ist. Sie hoffen auf Mitgefühl und Hilfsbereitschaft des besorgten Weihnachtsmarktbesuchers und werden selten enttäuscht. Während die scheinbar verzweifelte Mutter das entlaufene Kind beschreibt, nutzt der Komplize die Gunst der Stunde, um an Bargeld und so manch andere tolle Sachen zu kommen, die sich im Handgepäck des auserwählten Opfers befinden.

Die Masche mit dem Wechselgeld

Eltern kennen es nur zu gut. Die Kids möchten gerne mit dem Kettenkarussell fahren, eine Runde auf dem Riesenrad drehen oder ein Los an der Weihnachtsmarkt-Losbude ziehen. Aus diesem Grund haben Sie dementsprechend viel Kleingeld in der Geldbörse, denn Scheine wechseln ist zu umständlich in solchen Fällen.

Das wissen auch Ganoven, die in unmittelbarer Nähe positioniert sind und bei Gelegenheit an Mütter herantreten, um freundlich zu fragen, ob sie denn einen Euro-Geldschein wechseln könnten. Während die Kinder ungeduldig zappeln und aufgeregt auf die Mama einreden, zählt diese das Münzgeld zusammen, ohne dabei zu merken, dass ihr ruck zuck die Geldscheine entwendet werden.

Mitunter steckt das Kleingeld für Karussellfahrt und dergleichen auch in der Jackentasche. So ist es ein Leichtes für die Diebe, an die Handtasche zu gelangen, während die Frau in die Winterjacke greift, um das Wechselgeld herauszusuchen. Da die Kinder stets an ihr herum zipfeln, wird ihr nicht auffallen, dass sich eine fremde Person an der Umhängetasche zu schaffen macht.

Ganz versessen sind Ganoven auf unbeaufsichtigte Damenhandtaschen im Kinderwagennetz. Schnelle Beute für sie. Sobald die Mamis durch das Kindergeschrei abgelenkt sind, sich dem kleinen Liebling im Wagen widmen, erfolgt blitzschnell der Zugriff. Deswegen ist es sinnvoll, die Handtasche zu sichern, indem die Riemchen einfach um die Schiebestange des Kinderwagens gewickelt werden. Für Kleinkriminelle sind die Taschen der Damen dann nicht mehr schnell zu schnappen.

Die Ketchup oder Glühwein-Attacke

Im dichten Gedränge am Glühweinstand oder an der Bratwurstbude kann es schon passieren, dass plötzlich der Glühwein in der Tasse überschwappt oder das Ketchup von der Bratwurst auf der Winterjacke landet, weil jemand einfach zu stürmisch war. Der Verursacher des Malheurs erweist sich dann sehr gefällig und versucht mit einer wortreichen "Säuberungsaktion" den Schaden zu beseitigen. Das ärgerliche Opfer bemerkt nicht, dass die Ketchup- oder Glühwein-Attacke beabsichtigt war, um an die Geldscheine zu gelangen.

Sicherheitstipps für den Bummel über den Weihnachtsmarkt

Wer den Bummel über den Weihnachtsmann ungetrübt genießen und von den hinterhältigen Tricks der Gauner verschont bleiben will, beugt vor. Es ist gar nicht so schwer, die Ganoven hinters Licht zu führen.

Tipps zur Vorbeugung:

 

  • stecken Sie Banknoten (nach Möglichkeit 10,00 und 20,00 Euroscheine) nicht in das Portemonnaie, sondern in die Innentasche Ihrer Winterjacke, die praktischerweise noch mit einem zusätzlichen Knopf oder Reißverschluss zu schließen ist
  • nehmen Sie nur einen bestimmten Betrag Bargeld mit auf dem Weihnachtsmarkt und lassen Sie wenn möglich Ihre Kreditkarte daheim bzw. bewahren Sie diese separat in einer Brusttasche auf
  • stecken Sie genügend Münzgeld in die Reißverschlusstasche Ihrer Winterjacke
  • Geldscheine, Dokumente, Schlüssel verstauen Sie sicher in einer Gürteltasche unter der Winterbekleidung
  • die mitgeführte Umhängetasche, die stets zuerst ins Visier der Kleinkriminellen gerät, sollte nur mit Dingen ausgestattet sein, die keinen großen Verlust darstellen
  • es gibt praktische Alarmanlagen im Miniformat, die besonders gut für Handgepäck, Umhängetaschen und Geldbörsen geeignet sind und sogenannte Anti-Diebstahl-Geldbörsen mit Sicherheitskette

Erschweren Sie den Kleinkriminellen auf dem Weihnachtsmarkt den Zugriff auf Ihre Wertsachen, Banknoten und Geldkarten. Beugen Sie vor, damit Sie den weihnachtlichen Bummel genießen können!

KreativeSchreibfee, am 06.12.2013
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Bildquelle:
Bilddesign Kerstin Schuster (Wo feiern Sie Weihnachten und Silvester? Diebe wollen es wissen)
Sabine Wolfram, Plauen (Fasching im Vogtland vom Rathaussturm bis zum Elstertanzspektakel)
Sabine Wolfram, Plauen (Weihnachtsmärkte bieten leichte Beute für Taschendiebe)

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