Heutzutage finden an Thanksgiving verschiedenste öffentliche Ereignisse statt: besondere Gottesdienste in Kirchen, Paraden und Kostümfeste in Städten wie z.B. die große Parade in New York oder aber auch Footballspiele von rivalisierenden Teams. Gleichzeitig ist Thanksgiving aber auch DAS Fest der Familie. Schon Wochen vorher wird der Tag geplant, unter Anderem auch, was genau als Abendessen serviert werden soll. Truthahn steht dabei allerdings traditionell schon fest steht, da es heißt diesen haben auch die Pilger 1621 schon verzehrt.

(Bild: selbst aufgenommen)

Soviel zum allgemeinen Charakter von Thanksgiving, hier folgt jetzt ein persönlicher Eindruck meines ersten Festes des Danke Sagens in Amerika:

Es war nicht schwer herauszufinden, dass in der nächsten Woche irgendetwas Besonderes anstand. Meine Gastmutter blätterte sehr viel häufiger als sonst in Kochbüchern, alle Einkaufsläden und naheliegende Parkplätze waren extrem überfüllt und meine Gastkinder waren schon ganz aufgeregt nächste Woche nur zweieinhalb statt fünf Tage zur Schule gehen zu müssen - Thanksgiving stand vor der Tür. Am Sonntag dann fingen die ersten "richtigen" Vorbereitungen an: der Truthahn-Platzhalter wurde gebastelt. Hauptsächlich bestehend aus Oreokeksen sollte er als Tischdekoration, aber gleichzeitig auch als kleines Dessert dienen.

(Bild: selbst aufgenommen)

Am gleichen Tag musste auch der (noch) lebende Truthahn vorbestellt werden. Sein Dasein auf dieser Erde würde am Dienstag enden, damit er Mittwoch abgeholt werden und Donnerstag ab morgens schon im Ofen schmoren könnte. Alle weiteren Zutaten bestellte meine Gastmutter dann im lokalen Einkaufsmarkt am Montag vor, um sie am Mittwoch frisch abzuholen.

Am Dienstag kauften wir dann noch entsprechende Getränke für das Dinner, letzte spezielle Zutaten und Platten zum Servieren des Essens. Mittwoch erreicht stand nun das Kochen im Mittelpunkt. Alles wurde stundenlang geschnitten, präpariert, gemixt, gekocht, gebraten und in den Ofen gesteckt. Die Arbeit lag dabei aber nicht nur beim Kochen selbst, es ist unglaublich wie viele Töpfe, Messer, Löffel und Formen man braucht und diese wollten später natürlich auch wieder abgewaschen werden... Die Vorfreude wuchs trotzdem bei uns allen, da wir das Essen für das Fest schon sehen und riechen konnten, es nur leider nicht anfassen durften!

(Bild: selbst aufgenommen)

Endlich den Tag des Thanksgivingfestes erreicht, versuchten wir alle morgens und mittags nur winzige Kleinigkeiten zu essen, um genug Platz für das Abendessen zu lassen. Nachmittags ging es zum Haus des Großvaters, wo auch noch andere Verwandte eintrudelten. Glücklicherweise wohnten alle recht nahe beieinander und hatten keinen weiten Weg, andere Familien mussten stundenlange Autofahrten in Kauf nehmen. Es gab also Appetizer aller Art, an denen man sich am liebsten schon satt gegessen hätte: Kräcker mit Käse, Shrimps mit Sauce und verschiedene Arten Brot, sowie Weintrauben und Dip dazu. Um sechs ging es dann an den reich gedeckten Tisch. Jeder bekam einen Teller mit Truthahn und allen möglichen Beilagen vorgesetzt. 

(Bild: selbst aufgenommen)

Es wurde geredet und gelacht und langsam aber sicher wurden die Bäuche immer voller und voller. Beim Gedanken an warmen Apfelstrudel zum Dessert wurde uns schließlich fast schlecht, aber darauf verzichten wollten wir dann doch nicht. Das Bewegen wurde danach jedoch so gut wie unmöglich und wir brauchten ungefähr drei Stunden, um wieder vom Tisch aufstehen zu können.

Was ich insgesamt am Eindrucksvollsten an diesem Feiertag fand war die "Ich bin dankbar für..." Runde, die wir während des Essens machten. Jeder durfte sagen, was er besonders wertschätzt, auch die Kinder kamen an die Reihe. Fast alle nannten dabei die Familie als erstes, aber auch den Pilgern und Indianern von 1621 wurde gedankt und am Ende stießen wir feierlich darauf an.

Falls man nach dem umfangreichen Essen nicht schon direkt Richtung Bett kugeln will, gibt es in der Thanksgivingnacht immer überall die Möglichkeit, Geld auszugeben, besonders für Kleidung. Malls haben die Nacht auf den Blackfriday, den Freitag nach Thanksgiving, durchgehend oder ab 24 Uhr geöffnet und es gibt besondere Angebote und Prozente auf das Repertoire der Geschäfte. Klingt als Konsument sehr verlockend, aber sollten nicht auch Verkäufer mal einen Feiertag genießen können und nicht die Nacht lang hinter der Kasse stehen müssen? Und sind die "unfassbaren Angebote" wirklich zum Sparen, oder wird eher versucht, die Ware der letzten Saison aus den Lagern zu befördern? Soviel sei gesagt: die angeblich so einmaligen Deals galten meistens immer noch am Montag nach dem Blackfriday und auch noch am Dienstag und am Mittwoch... Ich entschied mich aus diesen Gründe also lieber für mein Bett und gab auf diesem Weg wenigstens kein Geld aus!

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