Cover "The Descent 2"Irgendwo in den Appalachen: Ein Wagen tuckert die einsame Straße entlang, als plötzlich ein Hirsch in das Auto zu laufen droht. Der Fahrer legt eine Vollbremsung hin. Noch ehe er sich darüber freuen kann, eine Karambolage verhindert zu haben, hämmert eine sichtlich verstörte junge Frau an die Scheiben.

 

Diese entpuppt sich als Sarah (Shauna MacDonald), offenbar die einzige Überlebende einer Gruppe abenteuerlustiger Frauen, die seit ihrem Aufbruch in ein unerforschtes Höhlensystem als vermisst gilt. Nachdem sie ins Krankenhaus eingeliefert wurde, versucht Sheriff Vaines (Gavan O‘Herlihy) aus der kaum ansprechbaren Frau Informationen über den Verbleib ihrer Freundinnen herauszukitzeln. Insgeheim glaubt er, Sarah hätte die anderen Frauen kaltblütig ermordet und würde nur vortäuschen wollen, traumatisiert zu sein.

 

Gegen jeglichen ärztlichen Rat zwingt er Sarah, sich ihm und einem Rettungsteam anzuschließen und in das Höhlensystem hinabzusteigen. Das hätten sie besser sein lassen, wie den Teilnehmern des kleinen Rettungstrupps schmerzhaft bewusst wird...

Deutscher Trailer "The Descent 2"

Same Procedure As 2005: The Descent 2

Mit Überraschungen hält sich "The Descent 2 – Die Jagd geht weiter", so der offizielle deutsche Titel, zurück. Dies beginnt bereits beim Umstand, dass ein solches Sequel überhaupt produziert wurden. Neil Marshall "The Descent" riss 2005 Horrorfans zu Begeisterung hin, die in jeglicher Hinsicht berechtigt war. Wenngleich der Plot auf den ersten Blick kaum zu verblüffen verstand, inszenierte Marshall eine atemberaubend spannende Hetzjagd durch kaum belichtete, enge Höhlensysteme und sparte nicht mit Blut und Splatter.

 

Angesichts des finanziellen Erfolges konnte eine Fortsetzung nicht ausbleiben. Vier Jahre später nahm der Cutter des Originals, Jon Harris, auf dem Regiestuhl Platz und versuchte, am Ruhm des ersten Teils mitzunaschen. Mit wenig Erfolg: Weder in den USA, noch in Deutschland erblickte sein Streifen das Licht der Leinwand.

 

Dabei bietet "The Descent 2" durchaus ansprechende Unterhaltung, einige schön-schaurige Effekte und natürlich viel Blut. Im direkten Vergleich zu Neil Marshalls Meisterwerk zieht das Sequel dennoch ganz klar den Kürzeren und erweist sich als gute, aber letztendlich überflüssige Neuauflage des stimmigen Konzepts. Harris verliert nicht viel Zeit beim Einstieg und schickt seine Protagonisten so rasch wie möglich dorthin, wo sie der Zuschauer sehen möchte: In die von bizarren Kreaturen bewohnten Höhlen der Appalachen.

 

Freilich: Ebenso wenig verliert Harris Zeit mit Charakterisierungen und begeht einen im modernen Kino leider weit verbreiteten Fehler, indem er seine Figuren auf bloße Stereotypen reduziert und annimmt, der Zuschauer würde dies ohnehin nicht bemerken. Ein Irrtum! Jeder gute Horrorfilm bezieht einen beträchtlichen Teil der Spannung daraus, dass der Konsument mit den Figuren mitzittert. Eben dies ist bei "The Descent 2" nicht mehr der Fall. Interessant ist allenfalls die Reihenfolge des Ablebens.

 

Aus technischer Sicht gibt es nichts zu Bekritteln: Die blinden Albino-Kreaturen setzen den Menschen in höchst realistischer Weise zu und die unterirdischen Welten faszinieren nach wie vor. Bloß: Die marginalen Variationen des ursprünglichen Plots vermögen nicht zu begeistern und wecken die Lust, den ersten Teil erneut anzugucken.

 

Ein halbherziger Plottwist in der zweiten Hälfte des Films reißt den Streifen nicht aus dem gehobenen Mittelmaß heraus. Ist "The Descent 2" ein schlechter Film? Beileibe nicht. Allerdings ist er auch nicht jener Horrorkracher, der er hätte werden können. Die Produzenten setzten zu sehr auf Nummer sicher und zeigten keinen Mut, den Zuschauer zu überraschen. Was im ersten Teil noch aufregend und neu war, erweist sich im Sequel lediglich als Neuaufguss.

 

Fazit: Horrorfans werden mit "The Descent 2" gewiss ihren schaurigen Spaß haben. wer sich innovative Ideen oder interessante neue Charaktere erhoffte, wird jedoch enttäuscht.

Originaltitel: "The Descent - Part 2"

Regie: Jon Harris

Produktionsland und -jahr: GB 2009

Filmlänge: ca. 95 Minuten

Verleih: Universum Film

Deutscher Kinostart: -

FSK: Ab 18 Jahren

 

Autor seit 6 Jahren
837 Seiten
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