Punk-Püppchen: "The Dresden Dolls"

Wer sind "The Dresden Dolls"?

Zwei junge Musiker aus Boston geben sich einen seltsamen Bandnamen, singen von Alltagstragödien, bösen Mädchen und den Vorzügen von Sex-Spielzeug, verleihen sich den Anstrich einer versehentlich ins 21. Jahrhundert transformierten Cabaret-Combo Berlins der 1920er-Jahre... und sind damit unverschämt erfolgreich!

Aber wer sind die "Dresden Dolls" eigentlich? Und warum sind sie die größte Entdeckung, seit ein italienischer Seefahrer vom Kurs abkam? Die Antwort darauf muss jeder Musikliebhaber selbst finden. Sicher: Man könnte es sich auch einfach machen und auf die apart-herbe Amanda Palmer verweisen, deren Gesang mal zum Steine erweichen honigsüß und zerbrechlich klingt, mal das Trommelfell einer Belastungsprobe unterzieht. Lady Gaga? Wer ist das? Wenn Amanda Palmer die Bühne betritt und bizarre Phantasien ins Publikum schmettert, erfüllt sie die Welt mit mehr Sinnlichkeit, als dies eine ganze Kompanie nackter Lady Gagas jemals erreichte.

Und dann dieser skurrile Bandname. Haben sich die beiden an Virginia Andrews' Roman "Flowers in the Attic" orientiert, in welchem mehrfach von den "Dresden Dolls" die Rede ist? Oder spielen sie auf Porzellanpüppchen an? Und ist dies tatsächlich von irgendwelchem Belang, angesichts der betörenden Eleganz und Schönheit der Lieder?

Wütende Punk-Püppchen:

Kurt: Weill ich es mir wert bin!

Das Weimarer Cabaret stand für ihre Musik ebenso Pate, wie Jazz und natürlich Punk. Besondere Verehrung findet Amanda Palmer für Kurt Weills "Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny". Womit sie sich in guter Gesellschaft befindet. Auch Jim Morrison, König der Eidechsen, liebte dieses Stück über alles. Schade, dass weder Weill, noch Morrison jemals das hypnotische Repertoire der "Dresden Dolls" kennenlernen durften.

Etwa den bekanntesten Song der Band, "Coin-Operated Boy". Ausgerechnet diese Ode an erotisches Spielzeug wurde durch ihren Einsatz in der Werbung einem breiteren Publikum bekannt. Federleicht kokettiert Amanda Palmer mit Tabus, die sie mit dem Zauberstab ihrer Stimmbänder bricht.

Dem Debütalbum folgte 2006 das von den Fans kontroversiell aufgenommene "Yes, Virginia…". Zugegeben: Die dunkle Ästhetik der Weimarer Wirren wurde in diesem Nachfolgealbum vernachlässigt. Trotzdem blieben sich die "Dresden Dolls" selbst treu und wandelten nicht auf unpassenden musikalischen Pfaden. Mangelnde Konsequenz kann man Palmer und ihrem Partner jedenfalls nicht vorwerfen. Wenn überhaupt, dann muss man ihnen ankreiden, das grandiose "No,Virginia...", eine Art Resteverwertung, zwei Jahre lang vorenthalten zu haben.

Amanda Fucking Palmer!

Ich entschuldige mich für die ungewöhnlich rüde Wortwahl. Aber das von Amanda Palmer höchstpersönlich geführte Blog (be like our god) führt tatsächlich den inoffiziellen Namen "Amanda Fucking Palmer"! Darin veröffentlicht Amanda Palmer hübsche Fotos von sich selbst, geschönte Presseberichte, lässt Jubelperser zu Wort kommen und erzählt, was sie gestern zu Abend gegessen hat.

Und wenn sie dies für bare Münze nehmen, kennen sie Amanda Palmer, diese fucking brillante Künstlerin, immer noch nicht. Gucken, lesen, staunen und heulen Sie selbst über ihre Texte, Bilder und Videos auf dem zuvor verlinkten Blog.

Thanks, Virgina!

"The Dresden Dolls" covern "Eisbär" von Grauzone!
Die schönste Sängerin der Welt heißt ...
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