„The Expendables“: Keinesfalls überflüssig!

Piraten entern vor der somalischen Küste einen Frachter und nehmen die Mannschaft als Geiseln. Zur Rettung der in Lebensgefahr schwebenden Männer wird die Söldnergruppe "The Expendables" gerufen. Unter der Führung von Barney "The Schizo" Ross (Sylvester Stallone) gliedern Lee Christmas (Jason Statham), Yin Yang (Jet Li), Hale Ceasar (Terry Crews), Toll Road (Randy Couture) und Gunnar Jensen (Dolph Lundgren) die Piraten nachhaltig aus der Gesellschaft aus.

Kurz darauf werden sie bereits mit dem nächsten Auftrag betraut. Der undurchsichtige "Mr. Church" (Bruce Willis) heuert Ross und seine Mannen an, den südamerikanischen Inselstaat Vilena von der Diktatur unter General Garza (David Zayas) zu befreien. Ein Himmelfahrtskommando, das sogar Ross' schärfster Konkurrent Trench (Arnold Schwarzenegger) dankend ablehnte. Weshalb, das müssen die "Expendables" schon bald erfahren. Denn wohlweislich verschwieg ihnen "Mr. Church", dass ihr Auftrag in Wahrheit nur dazu dient, der CIA die Erledigung eines schmutzigen Jobs zu ersparen und sich den Kokainanbau- und Handel auf der Insel unter den Nagel zu reißen, den ausgerechnet der Ex-CIA-Agent James Munroe (Eric Roberts) kontrolliert …

Eilige Dreifaltigkeit der Action: Stallone, Schwarzenegger und Willis beim Kirchengang

Ironischerweise findet die spektakulärste Szene des Films in einer Kirche statt. Bruce Willis unterrichtet Sylvester Stallone vom neuen Auftrag, als die doppelflügelige Kirchentür geöffnet wird und unter gleißendem Tageslicht Arnold Schwarzenegger ins düstere Innere schreitet. Sekunden später ist die eilige Dreifaltigkeit des Actiongenres höchst passend in einer Kirche versammelt: Stallone, Schwarzenegger und Willis in einem Film – der Wunschtraum zahlreicher Fans erfüllt sich!

Leider weist der Traum die Konsistenz einer Seifenblase auf und platzt gleich darauf wieder. Denn Schwarzeneggers und Willis' Auftritte erweisen sich als Cameos. Ein paar mehr oder weniger coole Sprüche werden ausgetauscht, Schwarzeneggers politische Ambitionen auf das Amt des US-Präsidenten werden auf die Schaufel genommen und schon ist der ganze Zauber verflogen, als hätte es ihn nie gegeben. Für die Handlung des Films ist dieses einmalige Stelldichein der Actionheroen komplett unbedeutend. Tatsächlich wurde die Szene an einem einzigen Tag glatte vier Monate nach Abschluss der offiziellen Dreharbeiten nachgedreht und erwies sich aus Marketingsicht als Glückstreffer.

Starke Männer, schwacher Plot

Ein cleverer Schachzug, denn mit dem Plot selbst gewinnt "The Expendables" nicht einmal einen Trostpreis. Starke Männer, die ganze Horden böser Jungs wegballern und nebenher dem Oberschurken – hier: Ein Drogenhändler – das Handwerk für immer legen, erweckt unweigerlich Assoziationen zu typischen Actionfilmen aus den Achtzigern. Charakterisierungen sind dabei ebenso tabu wie kritische Untertöne. Frauen werden lediglich als schmückendes Beiwerk betrachtet, das entweder beschützt werden muss (Giselle Itié), herumzickt (Charisma Carpenter) oder sich auf einem Motorrad verführerisch räkelt.

Ernsthaft betrachtet ist ein solcher Film natürlich himmelschreiend dumm, sexistisch und gewaltverherrlichend. Andererseits handelt es sich um ehrliches Kino, das die geheimen Sehnsüchte und Vorstellungen des Publikums bedient. Sicher: Gewalt ist keine Lösung, Frauen sollten nicht als Gebrauchsgegenstände betrachtet werden und selbst skrupellose Diktatoren sind menschliche Wesen. Der aufgeklärte Zuschauer weiß dies selbstverständlich. Aber insgeheim sehnen sich Viele nach dem coolen Actionhelden, der die Bösen übern Haufen knallt, statt sie laufen zu lassen, jede Menge attraktiver Frauen abschleppt und am Schluss grinsend aus den Ruinen um ihn herum aufsteht, sich den Staub abklopft und wieder nach Hause fährt, um mit seinen Kumpels gemütlich abzuhängen.

„The Expendables“: Renaissance des Actionkinos – und sein Abgesang

Mit "The Expendables" gibt das Actionkino noch einmal Vollgas und bittet Stallone & Co in die Arena der verborgenen Männerträume, wo Feminismus oder politische Korrektheit komplett unbekannt sind. Gleichzeitig ist "The Expendables" der Abgesang auf anachronistisch scheinendes Heldentum. In einer von komplexen Problembereichen erschütterten Welt bieten derlei Filme kurzzeitig Ablenkung vom tristen Alltag. Große Zukunft ist den alten Herren des Genres aber nicht beschieden. Daran ändert auch der überraschende Kassenerfolg wenig. Denn nicht nur Stallone und Lundgren sind sichtlich ins Alter gekommen, auch deren Fans werden nicht jünger. Nachfolgende Generationen ergötzen sich stattdessen an künstlichen Fantasywelten aus dem Computer, Comic-Superhelden in Latexkostümen oder pubertierenden Vampiren.

Es leuchtet blau

Im dritten "Rambo"-Film hält der Protagonist ein Knicklicht in Händen und wird von einem afghanischen Freund gefragt, was das sei. "Das ist blaues Licht", antwortet Rambo. Auf die Nachfrage, wozu es diene, zuckt er die Schultern und sagt: "Es leuchtet blau".

Wohl jeder Actionfan wurde bereits mit der Frage konfrontiert, weshalb er sich solche Filme angucke. Verweisend auf Rambo könnte der geneigte Fan antworten: "Es leuchtet blau". Oder anders ausgedrückt: Muss ein Film einen bestimmten "Sinn" oder "Zweck" verfolgen? Blaues Licht ist blaues Licht, Action ist Action, und "The Expendables" ist komplett niveaubefreites, aber reichlich unterhaltsames Actionkino. Warum dem so ist, muss man nicht verstehen.

Originaltitel: "The Expendables"

Regie: Sylvester Stallone

Produktionsland und -jahr: USA 2010

Filmlänge: ca. 104 Minuten

Verleih: Splendid Pictures

Deutscher Kinostart: 26.8.2010

Autor seit 6 Jahren
835 Seiten
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