Moto-Cop Nicolas Cage

Nicht genug damit, dass Polizist Edward Malus (Nicolas Cage) Zeuge eines verheerenden Unfalles wurde, bei dem ein Kind starb: Ausgerechnet in dieser traumatischen Phase ereilt ihn die Nachricht seiner ehemaligen Freundin Willow (Kate Beahan), wonach ihre gemeinsame Tochter Rowan (Erika-Shaye Gair) spurlos verschwunden ist. Edward eilt sofort auf die Insel Summersisle, wo Willow seit Jahren lebt, und begibt sich auf die Suche nach dem Mändchen.

Summersisle entpuppt sich allerdings nicht als ganz gewöhnliche Insel: Ein matriarchalischer Kult mit seltsamen Riten beherrscht das idyllische Eiland, und anstatt ihn bei seiner verzweifelten Suche nach Rowan zu unterstützen, scheinen ihm die Inselbewohner einen Prügel nach dem anderen in den Weg zu werfen. Trotzdem gibt Edward nicht auf, muss aber im Laufe seiner Nachforschungen eine schreckliche Entdeckung machen …

Trailer "Wicker Man"

Remake des Klassikers „The Wicker Man“

Verfilmt man einen Klassiker neu, sollte man sich warm anziehen, um den Sturm der Kritiken zu überstehen. Kaum ein anderer Big-Budget-Film der letzten Jahre wurde dermaßen abgewatscht wie "The Wicker Man", das Remake eines Horrorfilms von 1973 mit Genre-Legende Christopher Lee in einer der Hauptrollen. Gegenüber dem Original nahm Regisseur Neil LaBute einige Änderungen vor – ob zum Besseren oder nicht, sei dahingestellt.

Beispielsweise werden die religionskritischen Untertöne der Urversion deutlich abgeschwächt, vermutlich um nur ja niemandes Gefühle zu verletzen (man weiß ja, wie schutzbedürftig religiöse Gefühle sind, wenn sie einen mit großen, verletzlichen Äuglein angucken). Die Auseinandersetzung mit Religionen zählte zum Standardrepertoire im Horrorgenre der 1970er Jahre, egal ob es sich um das Christentum oder um andere obskure Sekten handelte.

Diskutabel ist darüber hinaus die Entscheidung, an Stelle des Patriarchats in der Originalversion ein Matriarchat zu setzen. Am Grundton und an der Handlung ändert dies freilich kaum etwas, womit es sich vermutlich eher um eine Anbiederung an den Zeitgeist handelt, nicht um einen ironischen oder ernsthaften gesellschaftskritischen Seitenhieb.

Not the bees!

Das große Problem des als Horrorfilm konzipierten, sich aber als altmodischen Mysterythriller entpuppenden Streifens liegt jedoch ganz woanders. Unentwegt werden neue Handlungsfäden aufgeworfen und rätselhafte Andeutungen gemacht, die schlussendlich entweder nicht beantwortet werden oder sogar dem Plot zuwider laufen und somit keinen Sinn ergeben. Mit einem strafferen, in sich logisch geschlossenen Drehbuch hätte "The Wicker Man" durchaus Potenzial für einen guten, spannenden Horrorthriller gehabt.

Andererseits wäre man dann direkt beim superben Original gelandet, was wiederum dem Remake jegliche eigenständige Themenbehandlung genommen hätte. Zugegebenermaßen stellt sich die Frage, welche Themen dies wohl sein sollten: Religiöse Kulte? Das Matriarchat als utopischen bzw. dystopischen Gegenentwurf zum Patriarchat? Unentschlossen mäandern diverse Handlungselemente durch das Drehbuch, ohne in einem befriedigenden Schlusspunkt zu enden.

Spannung will bei der Rätseljagd freilich keine aufkommen: Zu absurd erscheinen die Motive und Handlungen der Protagonisten. Insbesondere die für Nicolas Cage nicht unüblichen überdrehten Schauspielmomente sorgten im Web für Amüsement, Stichwort: "Not the bees!"
Dazu passend entwarf ein Youtube-Mitglied einen sehenswerten Fake-Trailer, der aus dem Horrorfilm "The Wicker Man" kurzerhand eine typische, harmlose Komödie  macht:

Unfreiwillig komisch: Nicolas Cage in „Wicker Man“

Gerade der Bienen-Subplot offenbart einen der grundlegenden Schwächen des Films: Wird ein Plotelement aufgebaut, so erwartet der Zuschauer, dass dieses eine zentrale Rolle spielt. Was es mit der anscheinend speziellen Stellung der Bienen auf der Insel auf sich hat, bleibt völlig ungeklärt, führt schlussendlich aber immerhin zu einer unfreiwillig komischen Szene. Nicolas Cage, der den Film co-produzierte, chargiert auf gewohntem Niveau. An einer ernsthaften Schauspielkarriere scheint der "Oscar"-Preisträger nicht mehr interessiert zu sein.

Ist "The Wicker Man" aus 2006 nun wirklich jener abgrundtief üble Streifen, als den ihn zahlreiche Kritiker und Zuschauer bezeichnen? Keineswegs, denn zum einen sind die landschaftlichen Aufnahmen hübsch anzusehen und zum anderen macht es Spaß, Nicolas Cage seltsame Dialoge brüllen oder – und daran kann sich der Artikelautor nicht satt sehen – Frauen verprügeln zu sehen.

Das Original mit Christopher Lee ist zwar der bessere und spannendere Film, kann aber natürlich nicht damit aufwarten, dass der Protagonist eine zierliche junge Frau gegen die Wand donnert, mit gezückter Waffe ein schrottreifes Fahrrad konfisziert oder durch ein Feld mit Bienenstöcken läuft, obwohl er eine Bienenstichallergie hat. Kurz gesagt: Sucht man lediglich Zerstreuung, trifft man mit dem Remake von "The Wicker Man" definitiv die richtige Wahl!

Originaltitel: The Wicker Man

Regie: Neil LaBute

Produktionsland und -jahr: USA/Kanada/D, 2006

Filmlänge: ca. 98 Minuten

Verleih: Warner Brother

Deutscher Kinostart: 2.11.2006

FSK: Freigegeben ab 16 Jahren

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