Gerettet haben wir ja schon einiges ...

... oder es doch zumindest versucht: Ausgebüchste Pferde oder Hunde zu ihren Besitzern zurückgebracht. Verirrte Schafe dem Besitzer oder der Polizei gemeldet. Kröten, Blindschleichen oder Molche von der Straße gesammelt. Einen Igel wieder aufgepäppelt, …

Retten konnten wir den Grünspecht (siehe Bild unten), der blutend und mit verletztem Flügel am Straßenrand saß. Er hat überlebt. Auch die kleine Baby-Blaumeise, die scheinbar "tot" in der Füßgängerzone lag nachdem sie gegen eine Schaufensterscheibe geprallt war, hat sich wieder erholt.

Allen konnten wir nicht helfen: Dem Schwarzspecht nicht, der vermutlich gegen ein Auto geprallt war und aufgrund einer Lähmung nicht mehr fliegen konnte. Er musste eingeschläfert werden.

Ebenso die schwer verletzte Elster, die nach einem Greifvogel-Angriff starke Kopfverletzungen hatte und auf einem Auge nicht mehr sehen konnte – auch sie hätte nicht überleben können.

In allen Fällen fühlt man sich als Laie oft hilflos. Ganz praktische Fragen stellen sich:

  • Wie darf ich ein verletztes Tier überhaupt anfassen?

  • Wie kann ich einschätzen wie schwer das Tier tatsächlich verletzt ist?

  • Wie kann ich es notfalls einfangen?

  • Wie soll ich das verletzte Tier transportieren?

  • Braucht das Tier Futter oder Wasser?

Grünspecht in Not: Der Vogel war offenbar gegen ein Auto geprallt, ein Flügel ist verletzt
Verletzt, doch gerettet: Der ...

Verletzt, doch gerettet: Der Grünspecht wurde im Vogelschutzzentrum gesund gepflegt (Bild: © tier-fotografien.de)

An wen kann ich mich um Hilfe wenden, wenn das Tier ärztlich versorgt werden muss?

Wen erreiche ich im Notfall auch abends, nachts oder am Wochenende?

Meine Erfahrung: Ich habe Tierärzte erlebt, die mit Engagement und Mitgefühl auch verletzte Wildtiere behandelt haben. Ob ein Tierarzt allerdings im Notfall an einen Fundort kommt und dabei hilft, ein verletztes Tier zu fangen oder zu bergen, weiß ich nicht.

Auch das Tierheim ist – nach meiner persönlichen Erfahrung - nicht immer der passende Ansprechpartner. Außerhalb der Öffnungszeiten kommt es schon vor, dass man dort im Notfall niemanden erreicht. Vielen Tierheimen fehlen außerdem die Mittel und das Personal, um sich um verletzte Wildtiere kümmern zu können.

Auch die Polizei wäre in manchen Fällen der erste Ansprechpartner, wenn es darum geht, ein verletztes Wildtier zu bergen, z.B. wenn man sich für die Tierrettung Zutritt auf fremdes Gebiet verschaffen muss.

Fast hätte man sie zertreten: Die kleine Ringelnatter rührte sich nicht mehr von der Stelle
Sie hat sich erholt und "berappelt": ...

Sie hat sich erholt und "berappelt": Junge Ringelnatter (Bild: © tier-fotografien.de)

Tierrettung - ein persönlicher Erfahrungsbericht

Vor einigen Tagen, an einem Feiertag: Wir finden einen Turmfalken am Straßenrand, ein Flügel steht zur Seite ab, das Tier ist eindeutig verletzt. Fliegen kann der Falke nicht mehr, doch er flüchtet sich in ein benachbartes Fabrikgebäude. Dort kommen wir aber nicht hinein – was tun? Gut, dass wir zuhause einen Flyer der Tierrettung liegen haben.

(Tipp: Nummer der Tierambulanz am besten ins Handy einspeichern oder einen Flyer im Auto verstauen. Dann muss man nicht erst umständlich zuhause anrufen und Familienmitglieder auf die Suche nach der entsprechenden Telefon-Nummer schicken …)

Wenig später ist Frau Schukalski, Leiterin der Tierrettung Neckar-Alb, auch schon da. Sie hat die notwendige Ausrüstung für Bergung und Transport des verletzten Vogels zwar dabei, trotzdem muss noch die Polizei verständigt werden. Erst mit polizeilicher Erlaubnis darf das Fabrikgelände betreten werden, ansonsten könnte eine Anzeige wegen Hausfriedensbruchs drohen.

Frau Schukalski fängt den verletzten Falken innerhalb weniger Minuten mit einem Käscher ein – wir hätten es nur mit der "Jacke-Drüber-Werfen"-Strategie versuchen können … nicht immer erfolgsversprechend.

Der Falke wird sorgsam in eine Transportbox verstaut, im NABU-Vogelschutzzentrum in Mössingen soll er dann untersucht und - wenn möglich - wieder aufgepäppelt werden.

Tierrettungsdienste: Was sie tun und wie sie helfen

Gut, dass es Tierrettungsdienste gibt, die in solchen Notfällen eingreifen und hilfreich zur Seite stehen: 24 Stunden lang, immer erreichbar, 365 Tage im Jahr.

Die Hauptaufgabe der Tierrettungs-Teams: Die Erstversorgung von Haustieren und Wildtieren bei Krankheit, nach Unfall oder Verletzung

Gut zu wissen für alle Tierbesitzer und Tierfreunde:

Die Tierambulanz

  • ist für Haustiere und Wildtiere da
  • hilft, wenn Tiere bei Verkehrsunfällen verletzt werden
  • hilft, Tiere aus Notlagen zu befreien
  • übernimmt Transporte zu Tierarzt oder Tierklinik
  • kümmert sich um herrenlose Haustiere

In unserer Region ist es die Tierrettung Neckar-Alb (im Einsatz für den Raum Tübingen - Reutlingen - Böblingen), die im Notfall hilfreich zur Seite steht, wenn ein Tier in Schwierigkeiten geraten ist.

Aus dem Flyer der Tierrettung Neckar-Alb:

"Wir sind Ansprechpartner für alle in Not geratenen Tiere, sei es bei Verkehrsunfällen, plötzlichen Erkrankungen, Unfällen in Haus und Garten, unterwegs beim Spaziergang"

Tier in Not: Die wichtigsten Regeln für das Verhalten im Notfall

  1. Ruhe bewahren

  2. Unfallstelle absichern, das verletzte Tier möglichst vor weiterem Schaden schützen und wenn "ansprechbar" beruhigen

  3. Notruf wählen und die wichtigsten Angaben machen: Unfallort / Adresse / Tierart / Offensichtliche Verletzungen und Zustand des Tieres

  4. Auf das Rettungsteam warten, den Fundort bitte nicht verlassen

Kleiner Fund-Igel nascht Katzentrockenfutter
Unser Fund-Igel: Ein bisschen ...

Unser Fund-Igel: Ein bisschen gepäppelt und später wieder in die Freiheit entlassen (Bild: © Die Persönliche Note)

Tierrettung – welche Kosten kommen auf den Tierbesitzer zu?

Weil den Tierrettungsdiensten finanzielle Unterstützung von staatlicher Seite fehlt, wird für den Rettungseinsatz eine Einsatzpauschale erhoben, auch können Tierbesitzer sich mit einem "Notfallpaket" für ein ganzes Jahr absichern.

Über die Preise kann man sich auf den Websites der jeweiligen Tierrettungsdienste informieren.

Wer ein verletztes Wildtier meldet, muss für den Einsatz nicht zahlen. Über Spenden sind die Tierrettungs-Teams deshalb auch besonders dankbar.

Und:

Wer selbst gerne praktisch helfen möchte kann das auch über ehrenamtliche Mitarbeit tun: Die meisten Tierrettungs-Teams freuen sich über Unterstützung.

Tierrettungsdienste in Deutschland

In meinem Bericht beziehe ich mich vor allem auf den süddeutschen Raum und die Tierrettung Neckar-Alb – auch in anderen Gegenden Deutschlands sind aber entsprechende Tierrettungsdienste erreichbar.

Meistens reicht es aus, wenn man den Namen des jeweiligen Ortes bzw. der jeweiligen Stadt "+ Tierrettungsdienst" in die Suchmaschine eingibt.

www.deutschetierrettung.de

Tiernotruf Datenbank - Tierschutz-Notruf Hotline - Tierrettung (deutschlandweite Adressen)

Tierrettungsdienste gibt es unter anderem (!) für folgende Gebiete:

Mittlerer Neckar

Freiburg

München

Südbaden

Rhein-Neckar

Hamburg

Essen

Berlin-Brandenburg

...

Tiere in Not: Weitere hilfreiche Tipps

Was tun, wenn man einen verletzten Wildvogel findet?

Sehr informativ und hilfreich ist die Website der Wildvogelhilfe. Hier sind auch Adressen von Auffangstationen und Pflegestellen in ganz Deutschland gelistet. 

Wann sollte ich einen Igel füttern und wie?

Hilfreiche Tipps gibt die Igelberatung-Hameln oder das Igelzentrum Zürich.

Sinnvolle Investition und auch eine wunderbare Geschenkidee für Tierfreunde und Tierbesitzer sind die folgenden Bücher und das Haustier-Notfall-Set:

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