Handlung (soweit vorhanden)

Es fährt (k)ein Zug nach Odessa

Ein amerikanisches College-Ringerteam unter der Führung des gestrengen Coach Harris (Todd Jensen) tourt durch Osteuropa, um Ivan & Co die Überlegenheit des Kapitalismus zu beweisen. Doch bekanntlich kennt Jugend keine Tugend und nach einer zünftigen Ossi-Party versäumen die unartigen Studenten den Zug nach Odessa. Schlimmer noch: Die Verständigung mit den sprachlich ignoranten Osteuropäern - wieso können die kein Englisch? - klappt auch nicht! Verständlich also, dass Harris verzweifelt ist.

Train - Splatterfilm

  

Erschütternd: Bei der Käfighaltung von Jugendlichen wird oft mit dem nötigen Platz gespart

 

 

 

 

Durch eine, wie es scheint, glückliche Schicksalsfügung bietet ihm die herb-hübsche Velislava (Koyna Ruseva) in perfektem Englisch ihre Hilfe an. Angeblich sei der nächste Zug nach Odessa bereits im Anrollen. Und tatsächlich: Wenig später trifft ein Zug ein, der von den Amerikanern auf sittliche Weise bestiegen wird. Erheblich weniger sittlich wird es, als Velislava dem ach so tugendhaften Coach Harris ein jugendgefährdendes Angebot macht, das dieser einfach nicht ablehnen kann. Im Abteil erwartet ihn aber eine unerfreuliche Überraschung: Das Vorspiel beginnt mit einer Injektion, die ihn in tiefen Schlaf versetzt, und das Nachspiel endet für den Amerikaner auf einem Operationstisch, wo er auf Herz und NIeren geprüft wird, ehe man ihm diese etwas verfrüht entfernt. Operation gelungen, Coach tot.

Die arglosen Studenten versuchen derweil das Beste aus ihrer Situation zu machen, trinken Brüder- und Schwesternschaft mit Angehörigen des jeweils anderen Geschlechts und vertreiben sich die Zeit mit anspruchsvollen Spielen wie "Flasche drehen". Nur die ernsthafte Alex (Thora Birch) beginnt zu erahnen, in welchem Zug sie sich befinden. Es ist ein Sonderzug für junge Leute, die noch nicht wissen, dass sie sich einer Organspende unterziehen werden...

Kritik

"Hostel" auf Schienen

Vielfach werden Vergleiche zu Eli Roths Splattermeilenstein "Hostel" gezogen. Berechtigterweise? Nicht unbedingt, da der von Gideon Raff inszenierte Horrorfilm "Train" formell alle nötigen Zutaten für einen zünftigen Splatterfilm aufweist, beim Geschmackstest jedoch durchfällt. Weder "Hostel", noch "Saw" oder "REC" kann der Streifen auch nur im Entferntesten das Hirnwasser reichen. Die Gründe für den letztendlich unbefriedigende Filmgenuss sind mannigfaltig.

Train - Splatterfilm

 

  

Unglaublich, was so alles auf eBay angeboten wird...

 

 

 

 

An den Darstellern liegt es am Wenigsten. Die aus dem oscarprämierten "American Beauty" bekannte Thora Birch empfiehlt sich als schlagkräftige Heroine mit dem Herz am rechten Fleck. Ihr zur Seite stehen durchwegs unbekannte, dennoch charismatische Schauspieler. Allen voran Vladimir Vladimirov, der den hünenhaften Bösewicht osteuropäischer Prägung verkörpert, sowie Koyna Ruseva als resche Frau Doktor, die vom Eid des Hippokrates offenbar noch nie etwas gehört hat.

Viele Organe und trotzdem wenig Herz

Dabei ist "Train" leider alles andere denn völlig realitätsfern: Organhandel ist ein seit langem schwungvoll betriebenes, schmutziges Geschäft, bei dem buchstäblich über Leichen gegangen wird. Sicher: Dass sich Organhändler eigene Waggons zur humanen Ausschlachtung halten, mag absurd sein. Die Vorstellung, in die Hände solcher skrupelloser Psychopathen zu fallen, verursacht dennoch Gänsehaut.

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 Die Charmeoffensive der Bundesbahn geht weiter!

 

 

 

 

An zu wenig Blut, Gemetzel und entnommenen Organen liegt es also nicht, dass "Train" einfach nicht in Fahrt kommen will. Einen Pluspunkt verdient die passende triste Atmosphäre: Selten wirkte in einem Horrorfilm Osteuropa menschenfeindlicher als in diesen Film! Zudem können sich die Spezialeffekte sehen und hören lassen.

Was Gideon Raffs Machwerk fehlt, ist ein durchdachtes Drehbuch mit dem gewissen Etwas. Allzu brav hangelt sich der Film von einem vorhersehbaren Plotpunkt zum nächsten, ohne auch nur ansatzweise etwas Ähnliches wie eine Überraschung zu offerieren. So makaber es bei einem Horrorfilm auch klingen mag: "Train" ist schlichtweg viel zu brav geraten!

Schwachpunkt Drehbuch

Die ganz große Schwäche ist dennoch das Drehbuch. Merkwürdigkeiten und Absurditäten ziehen sich wie der sprichwörtliche rote Faden durchs Gewebe des Films. Da händigen etwa Studenten Unbekannten ihre Reisepässe aus, nachdem diese - zwielichtige Gestalten obendrein!  - angeboten haben, darauf aufzupassen. Und in einem der unglaublichsten Anschlussfehler der jüngeren Horrorfilmgeschichte dematerialisiert sich eine komplette Zuggarnitur.

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East Germanys Next Topmodel

 

 

 

 

Wäre in das Drehbuch nur etwas mehr vom während der knapp neunzig Minuten verspritzten Blut geflossen, hätte aus "Train" ein zumindest passabler Genrefilm werden können. Dabei war der Film als Remake des 1980er-Slasherfilms "Terror Train" (mit "Scream Queen" Jamie Lee Curtis) geplant gewesen. Schade um das vergeudete Potenzial!

Fazit

Jene Totalkatastrophe, als die "Train" von den meisten Kritikern angesehen wird, ist der Film beileibe nicht. Für einen netten DVD-Abend unter Horrorfreunden reicht der Streifen allemal. Wer sich aber dank der Werbung einen mit "Hostel" vergleichbaren Genrefilm erhofft, wird bitter enttäuscht. Deshalb ein Tipp an alle Interessierten: Ansprüche auf ein Minimum hinunterschrauben, Augen zu und durch!

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Blöde Frage: Natürlich gehören Äxte zur Standardausrüstung von Zügen!

Daten & Fakten

Originaltitel: "Train"

Regie: Gideon Raff

Produktionsland und -jahr: USA, 2008

Filmlänge: ca. 84 Minuten (geschnittene deutsche Fassung)

Verleih: SUNFILM Entertainment

Deutscher Kinostart: -

FSK: ab 18 Jahre

Autor seit 6 Jahren
837 Seiten
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