Transsexualität - Der Weg zu sich selbst.

Sätze wie: "Ich fühle mich nicht wohl in meiner Haut" verdeutlichen ansatzweise, wie sich Menschen fühlen, die als transsexuell bezeichnet werden. Sowohl Männer als auch Frauen sind von diesem Phänomen betroffen. Viele beschreiben es derart, dass sie in einem falschen Körper gefangen sind. Was genau ist Transsexualität, welche Qualen müssen Betroffene durchleben und welche Möglichkeiten haben sie, ihr Leben so zu gestalten, dass es ihrem wahren Empfinden entspricht?

Definition von Transsexualität

Die treffendste Definition von Transsexualität ist wohl, wenn von Menschen gesprochen wird, die mit einer geschlechtlichen Besonderheit geboren werden – nämlich von Mädchen, welche Penis, Hoden und xy-Chromosomensatz aufweisen und von Jungs, die mit Vagina sowie xx-Chromosomensatz auf die Welt kommen. Bei Personen, die physisch zwar weiblich sind, aber über ein männliches Identitätsgeschlecht verfügen, spricht man in der Regel von "Frau-zu-Mann-Transsexuellen" oder Transmännern. Ist die Person physisch männlich, hat aber ein weibliches Identitätsgeschlecht, wird sie entsprechend als "Mann-zu-Frau-Transsexuelle" oder Transfrau bezeichnet. Da solche Begrifflichkeiten das körperliche Geschlecht zu stark in den Vordergrund stellen, werden sie von vielen Betroffenen abgelehnt. Transsexuelle Menschen mit medizinischer oder juristischer Geschlechtsanpassung bezeichnen sich selbst oft nicht als transsexuell, sondern als Mann bzw. Frau mit transsexueller Vergangenheit.

Transsexualität und Fremdbestimmtheit

Zwei Problemstellungen machen vielen Transsexuellen sehr zu schaffen. Da ist zum Einen die Tatsache, dass Transsexualität rechtlich als Erkrankung eingestuft wird. Wer sich also als transsexuell outet, gilt ganz offiziell als krank und das Transsexuellengesetz sowie "Standards of Care"-Verfahren zwingen die Betroffenen dazu, sich selbst als identitätsgestört zu bezeichnen. Anhand der geltenden Rechtslage wird das zweite Problem deutlich, nämlich die Fremdbestimmung. Betroffene haben ihren Weg nicht vollständig selbst in der Hand, sondern sind in hohem Maße abhängig von Therapeuten, Psychologen, Gesetzen und Verordnungen. Dies ist ein Missstand, der dringend überarbeitet werden muss. Hier geht es letztlich um das Menschenrecht der Menschenwürde, welches auch das Geschlecht berücksichtigt.

Wann macht sich Transsexualität bemerkbar?

Sehr viele transsexuelle Menschen haben schon im Kindesalter das Gefühl, "anders" zu sein. Allerdings können sie dieses Gefühl häufig noch nicht einordnen. Bei manchen setzt sich aber bereits früh die Erkenntnis durch, im falschen Körper zu leben. Nicht selten entwickelt sich dieses Bewusstsein erst in der Pubertät oder sogar im Erwachsenenalter. Untersuchungen haben gezeigt, dass der von Betroffenen empfundene, psychische Druck kontinuierlich zunimmt, vor allem in der Pubertät und im jungen Erwachsenenalter. Neben psychisch bedingten Erkrankungen und psychischen Problemen kommt es häufig zu Depressionen, Drogenmissbrauch sowie einer Suizidgefährdung. Betroffene sehen sich früher oder später aufgrund des psychischen Drucks dazu gezwungen, sich auch gegenüber der Umwelt zu ihrer Transsexualität zu bekennen (zu outen) und ihre eigentliche Geschlechterrolle offen und ständig auszuleben. Oft ist dieser Entschluss das Ergebnis einer existentiellen Krisenphase und wird von den Betroffenen als Befreiungsschlag empfunden, der den Weg hin zur eigentlichen Rolle freimacht.

Wie reagieren Familie und Bekannte auf Transsexualität?

Wenn sich Transsexuelle vor ihrer Familie oder Freunden outen, ist dies für viele erst einmal ein Schock. Der Mensch, den man vielleicht sein Leben lang oder zumindest sehr lange kennt, erscheint plötzlich fremd. Vor allem für Eltern ist es sehr schwierig, wenn der Sohn plötzlich eine Tochter sein möchte oder umgekehrt. In den letzten Jahren steigt allerdings die Zahl von Eltern, die den Transsexualismus ihres Kindes als solchen von selbst erkennen und die mit Akzeptanz reagieren, nicht mit Ablehnung. Dennoch haben transsexuelle Menschen immer noch mit Widerstand in ihrem näheren und weiteren Umfeld zu kämpfen. Manche Eltern brechen den Kontakt zu ihrem Kind vollständig ab, Freunde gehen auf Distanz und am Arbeitsplatz kommt es zu abfälligen Bemerkungen und Anfeindungen.

Medizinische und geschlechtsangleichende Maßnahmen

Der allererste Schritt zum empfundenen Geschlecht ist die gesicherte Diagnose durch einen kompetenten Arzt bzw. Therapeuten. Nur wenn die Transsexualität zweifelsfrei feststeht, sollten alle weiteren Schritte, stets von Therapeuten begleitet, vorgenommen werden. Vor allem, wenn die Transsexualität früh erkannt und von den Eltern ernstgenommen wird, werden immer häufiger medizinische Maßnahmen angewandt, die den Eintritt in die Pubertät verzögern können. So soll verhindert werden, dass sich die Geschlechtsmerkmale soweit entwickeln, dass sie später nur noch durch enormen Aufwand und nicht selten mit fragwürdigem Erfolg rückgängig gemacht werden müssten bzw. nicht mehr rückgängig zu machen sind. Aus diesem Grund steigt auch die Zahl Betroffener, die sich schon während oder kurz nach der Pubertät für den Wechsel der Geschlechterrolle entscheiden. Auch allgemein sinkt seit Jahren das Durchschnittsalter, in dem Betroffene eine medizinische Behandlung durchführen lassen. Der medizinische Weg empfundenen Geschlecht ist allerdings ein sehr weiter.

Die medizinische Geschlechtsangleichung kann mehrere Jahre dauern. Sie beginnt in der Regel mit einer Zeit, die die betroffene Person auch öffentlich die Geschlechterrolle lebt, die ihrem inneren Empfinden entspricht. Dabei ist es zum Beispiel ab einem bestimmten Zeitpunkt notwendig, Kleidung zu tragen, die dem neuen Geschlecht entspricht. Zeitgleich erfolgt eine längere Hormonbehandlung (deren Wirkung bei Absetzen der Hormone wieder nachlässt), die für den Rest des Lebens weitergeführt werden muss. Der chirurgische Eingriff, bei dem die körperlichen Geschlechtsmerkmale an die psychische Geschlechterrolle angepasst werden, steht immer am Ende der Behandlung. Auch nach der Operation sollte die betroffene Person weiterhin psychologische Betreuung erhalten, damit die Probleme bei der Anpassung an die neue Lebenssituation besprochen und verarbeitet werden können. Durch die neue Rolle kann es zu Konflikten mit der Umwelt kommen, unter denen der Transsexuelle möglicherweise sehr leidet.

Der rechtliche Aspekt bei Transsexualität

Ist die Behandlung gänzlich abgeschlossen, sind verschiedene rechtliche Schritte nötig. Beispielsweise muss ein neuer Name gewählt werden und die Ausweispapiere müssen dementsprechend abgeändert werden. Unter Umständen können ein Ortswechsel oder verschiedene Maßnahmen in beruflicher Hinsicht notwendig sein. Leider wird in vielen europäischen Ländern eine Geschlechtsangleichung rechtlich (noch) nicht anerkannt. Informationen für Betroffene gibt es zum Beispiel bei Selbsthilfegruppen für Transsexuelle.

Bitte beachten Sie, dass dieser Artikel generell fachlichen Rat - zum Beispiel durch einen Arzt oder Psychotherapeuten - nicht ersetzen kann.

Autor seit 5 Jahren
207 Seiten
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