Mörderischer Cyberspace

Zwanzig Jahre ist es her, seit Sam Flynns (Garrett Hedlund) Vater Kevin (Jeff Bridges) spurlos verschwand und der von ihm gegründete Softwarekonzern Encom von skrupellosen Geschäftemachern übernommen wurde. Verbittert führt Sam einen Kampf gegen die Konzernführung, die entgegen den Vorstellungen seines Vaters handelt. Nachdem er während einem seiner Sabotagezüge von der Polizei geschnappt worden ist, macht er sich, kaum dass er wieder auf freiem Fuß ist, auf in die ehemalige Spielhalle, wo Kevin Flynns Karriere begann. Dort befindet sich nämlich der Computer seines Vaters, von dem sich Sam Hinweise auf dessen Verbleib erhofft.

Was ihn statt einer heißen Spur erwartet, ist das Abenteuer seines noch jungen Lebens. Wie einst sein Erzeuger wird auch Sam von einem Laserstrahl ins Innere des Computers verfrachtet. Dort, im Cyberspace einer bizarren Welt, muss er gefährliche Gladiatorenkämpfe überstehen, was ihm nur mit Hilfe der schönen Quorra (Olivia Wilde) gelingt, die ihn in höchster Not rettet und ins Versteck seines Vaters bringt.

Das Wiedersehen zwischen Vater und Sohn wird von den dramatischen Veränderungen im Cyberspace überschattet. Clu (Jeff Bridges), ein von Kevin Flynn entwickeltes Alter-Ego-Programm, hat die Macht im Computerreich übernommen und kann sogar auf Trons (Bruce Boxleitner) wertvolle Dienste zurückgreifen. Für die beiden Menschen sowie Quorra beginnt der entscheidende Kampf gegen Clu, der dank Sams unfreiwilliger Hilfe seine Macht auf die reale Welt ausdehnen könnte …

"TRON Legacy": Visueller Rausch, intellektueller Kater

Was Joseph Kosinski in seinem Kinodebüt auf die Leinwand zaubert, grenzt wahrlich an Magie. "TRON"-Fans werden sich in der späten Fortsetzung "TRON Legacy" sofort mit dem Eintauchen in den Cyberspace an das Original erinnert fühlen. Denn auch wenn fast dreißig Jahre, enorme Tricktechnikrevolutionen und rund 200 Millionen Dollar an Budget zwischen dem ersten und dem zweiten Teil liegen: Das außergewöhnliche und schier zeitlos elegante Design lebt in der Version von 2010 neu auf.

Natürlich wurde speziell die Tricktechnik enorm verfeinert und was einst mühsamste Kleinarbeit per Hand bedeutete, erledigt drei Jahrzehnte später der Computer. Anders könnte ein solcher Film auch gar nicht mehr realisiert werden, noch dazu im schicken 3D-Look, für den "TRON Legacy" geradezu wie geschaffen erscheint. Den visuellen Höhepunkt der Fortsetzung stellt erneut das irrwitzige Motorradrennen auf den so genannten "Lightcycles" dar. Auch die Duelle mit den "Discs" können sich buchstäblich sehen lassen!

Wie kaum anders zu erwarten war, steht das Drehbuch dem visuellen Rausch Lichtjahre nach. So spannend die Motorradrennen inszeniert sind und so atemberaubend der visuelle Look daherkommt: Die Pausen zwischen den Actionsequenzen offenbaren das ganze Elend uninspirierten Drehbuchschreibens. Völlig belanglos hangelt sich der Plot von Akt zu Akt und es erweisen sich die "Wendungen" als vorhersehbar und unspektakulär.

Wilde Olivia

Hilflos agieren die Darsteller im intellektuellen Nichts, das nicht einmal einem Jeff Bridges Gelegenheit für amüsant-ironische Übertreibungen gönnt. Am schlimmsten erwischte es die aus "Dr. House" bekannte Olivia Wilde: Ihre mit modischem Kurzhaarschnitt versehene Quorra darf zwar in einigen Actionpassagen die unerschrockene Heroine heraushängen lassen, muss ansonsten aber als schüchterne junge Frau dem feschen Helden verliebte Blicke zuwerfen. Der für Disney nicht ungewohnt konservative Schluss passt dabei wie die Faust aufs Auge. Selbst schauspielerisch begabtere Darstellerinnen als Olivia Wilde hätten aus dieser eindimensionalen Rolle nichts herausholen können.

Dufter Soundtrack: "Daft Punk"

Hervorragend gelungen ist hingegen der Score von "Daft Punk". Die beiden Franzosen unterstreichen die Surrealität des Films mit ihrem frischen Synthie-Pop, der die Gratwanderung zwischen 1982 und 2010 mühelos schafft.

Fazit: "TRON Legacy" erweist sich einerseits als angenehm nostalgische Fortsetzung des Disney-Kultfilms, verpasst andererseits jedoch viele Chancen, auf zeitgemäße Themen und Problematiken einzugehen oder neue Akzente zu setzen. Den Status des Originals wird der rund 200 Millionen Dollar teure Streifen mit Sicherheit nicht erlangen. Zumindest Fans der 1982er-Version werden sich aber an der visuellen Pracht von "TRON Legacy" berauschen können, so sie nicht den unweigerlich folgenden intellektuellen Kater nach knapp zwei Stunden Laufzeit fürchten.

Nikakoi, am 04.12.2013
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Bildquelle:
http://www.amazon.de (Horrorfilme: Nach wahrer Begebenheit oder frei erfunden?)

Autor seit 4 Jahren
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