Der Inhalt

Im Mittelpunkt des Romans steht die Familie eines Schmiedes. Beleuchtet wird deren Schicksal während fünf bedeutender Epochen der deutschen Geschichte in ebenso vielen in sich abgeschlossenen Erzählungen. Glück und Pech sind dabei gut verteilt. Nicht jede Episode endet glücklich. Flankiert wird diese Entwicklung von der Geschichte einer Adelsdynastie. Ab der dritten Erzählung treten zwei weitere Familienschicksale hinzu. Ihre Entwicklung wird allerdings lediglich nebensächlich und schwach skizziert. Nur der aufmerksame Leser findet hier Bezüge zur jeweils vorhergehenden Geschichte. Zwischen all diesen Protagonisten kommt es über die Jahrhunderte hinweg zu schicksalsträchtigen Begegnungen.

Als zusätzlich verbindendes Element fungiert ein ungarischer Reitersäbel, dessen wahre Geschichte nur die Personen der ersten Episode kennen. Alle anderen wissen zwar irgendwie um das Alter der Waffe und ihren symbolischen Wert, kennen aber nicht die genauen Hintergründe. Der Säbel bleibt auch nicht in jeder Erzählung in den Händen der Schmiedefamilie, taucht aber auf seltsam verschlungenen Wegen immer wieder auf. Deshalb wissen beispielsweise die Schmitts der letzten Episode nicht, dass die Waffe ihren Vorfahren in einem anderen Teil Deutschlands vor Jahrhunderten gehört hat…

Der Autor Ulf Schiewe

Erst als Endfünfziger begann Ulf Schiewe, seine schriftstellerische Begabung in die Realität umzusetzen. Zuvor führte der 1947 geborene Autor ein wahrhaft weltmännisches Leben. Als Software-Entwickler, Führungskraft und Marketing-Experte arbeitete er für internationale tätige Unternehmen. Seine mehr als zwei Jahrzehnte umfassenden Auslandaufenthalte führten ihn nach Westeuropa, Skandinavien und Südamerika. Mittlerweile hat Ulf Schiewe eine ganze Reihe Historienromane verfasst, deren Thematik ebenso vielfältig ist wie das frühere Berufsleben des Schriftstellers. "Land im Sturm" erschien 2018 im Verlag Bastei Lübbe. Ausführliche Hintergründe und Gedanken zur Entstehung des Romans sind auf der Website des Autors nachlesbar.

 

Land im Sturm: Stärken und Schwächen des Romans

"Land im Sturm" ist kein Roman im klassischen Sinn. Das Buch erzählt keine fortlaufende Geschichte. Nur die letzten beiden Teile hängen inhaltlich zusammen. Selbst die Schauplätze sind über ganz Deutschland verteilt. Im dritten Teil ist der Schmied sogar nur eine Nebenfigur.

Dennoch hat die Aufteilung in zumeist voneinander unabhängige Geschichten auch einen Vorteil. Das gut 900 Seiten starke Buch lässt sich leichter lesen, als so manche zusammenhängende Familiensaga gleichen Umfangs. Erleichtert wird das "Einlesen" in die jeweils neuen Teile zudem durch weitgehende Namensgleichheit der Protagonisten in allen Epochen. Es stellt sich sofort eine gewisse Vertrautheit mit den Figuren ein.

Marketingtechnisch sicherlich sinnvoll, aber nicht ganz ehrlich, sind die Klappentexte des Buches. Behauptet wird, es handele sich um 1000 Jahre Familiengeschichte – tatsächlich sind es nur 853 Jahre, die naturgemäß in der Mehrzahl von den großen Lücken zwischen den Episoden gebildet werden. Dass der Roman keine fortlaufende Erzählung ist, wird zumindest verschwiegen. Solche Tricksereien sind eigentlich unnötig, denn die exquisiten Erzählqualitäten des Autors sprechen für sich.

Der Charme des Romans liegt neben dem eigentlichen Lesevergnügen auch in seiner Sinnhaftigkeit. Jede einzelne Entscheidung, vor der alle Hauptfiguren stehen, beeinflusst das Schicksal der ihnen unbekannten, nachfolgenden Generationen. In diesem Sinne ist Ulf Schiewe ein großartiges und dennoch leicht lesbares Werk gelungen.

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