1. Rubber - Verrückte Idee oder Geniestreich?

Der Horrorfilm "Rubber": Ein Reifen rollt durch die Wüste. Aber kein gewöhnlicher Reifen! Schließlich hat dieser einen Namen, Robert, und die unangenehme Eigenschaft anfangs Tiere, später auch Menschen auf telepathische Weise zu töten.

Viel mehr gibt es zum gemächlich dahin rollenden Horrorfilm "Rubber" nicht zu sagen. 2010 vom französischen Regisseur und Drehbuchautor Quentin Dupieux inszeniert, spaltete der Streifen Publikum und Kritiker. Insbesondere das "Film im Film"-Verwirrspiel gefiel vielen Kritikern, die mehr als bloßen Trash in ihm zu sehen glaubten. Möglicherweise half "Rubber" auch der Umstand, ein französischer Film zu sein, gelten Machwerke aus diesem Land doch automatisch als chic, so verrückt auch die Idee eines mordenden Reifens scheinen mag.

Dupieux war übrigens rund ein Jahrzehnt vor "Rubber" berühmt geworden, als er unter dem Pseudonym Mr. Oizo ein Musikvideo mit einer Plüschpuppe aufnahm. Sein flacher "Flat Beat" wurde zum europaweiten Nummer-Eins-Hit und dürfte Dupieux davon überzeugt haben, dass man mit jeder pseudo-intellektuell verbrämten "Kunst" Kohle machen könne. Er behielt Recht.

 

Eine noch verrücktere Idee wäre: "Renate - Die Zündkerze des Grauens"

2. Amityville Horror 4 - The evil escapes - Die verrückte Idee: Meister Lampe!

Der Horrorfilm "Amityville Horror 4 - The evil escapes": Zugeben: Verglichen mit dem absurden Schwindel rund um das angebliche Geisterhaus in Amityville, geht der Horrorfilm "Rubber" als seriöse Dokumentation durch. Dem nach "echten" paranormalen Phänomenen lechzenden Publikum war es egal: "The Amityville Horror" wurde 1979 zu einem der erfolgreichsten Horrorfilme überhaupt, dem sieben (!) Fortsetzungen und ein Remake folgten.

Freilich lutschte sich das Konzept des vom bösen besessenen Hauses irgendwann ab und es musste ein neues Konzept her, das in "Amityville Horror 4 - The evil escapes" umgesetzt wurde.

Dummerweise handelte es sich dabei um eine denkbar verrückte Idee. Denn das flüchtende Böse entpuppte sich als Stehlampe. Gerne hätte der Artikelautor der Besprechung des Drehbuches im Produzentenkreis gelauscht.

Er stellt sich das ungefähr so vor: "Und jetzt kommt der Knaller: Das Böse ist nicht das Haus, sondern eine Stehlampe!"

"Wow! Das ist richtig gut! Eine Schlampe zieht immer! Ich rufe gleich Sharon Stone an und -"

"Äh, Verzeihung, Herr Produzent: Ich sagte Stehlampe, nicht Schlampe!"

"Wollen Sie mich verarschen?"

"Nein, Sie nicht, sondern das Publikum."

"Schön, hier haben Sie den Scheck..."

Nun ist die Idee eines besessenen Gegenstandes natürlich keineswegs neu, und von Dämonen beherrschte Puppen oder Tiere stellen im Horrorfilmgenre keine Seltenheit dar. Die Killer-Stehlampe in "Amityville Horror 4 - The evil escapes" laboriert allerdings an zwei gravierenden Problemen: Erstens ist sie nicht furchteinflößend, sondern lediglich potthässlich (was nicht immer dasselbe sein muss), und zweitens erlaubte es offenbar das geringe Budget nicht zu zeigen, wie eine Stehlampe einen Vogelkäfig öffnet, das Federvieh umbringt, in einen Ofen steckt und das Ganze der Katze anzuhängen versucht. Und wer würde nicht gerne sehen, wie die Stehlampe des Bösen ein Kinderzimmer verwüstet und die Wände mit Sprüchen vollkritzelt?

 

Eine noch verrücktere Idee wäre: Eine besessene Glühbirne. Dank des Glühbirnenverbots durch die EU kam es nicht zur entsprechenden Verfilmung...

3. Night Of The Lepus - Die verrückte Idee: Wer hat Angst vor dem bösen Häschen?

Der Horrorfilm "Night Of The Lepus": Vor welchen Tieren fürchten Sie sich? Haie, Bären, Schlangen, Krokodile?.Und Koalabären? Nein? Oder Hasen, die höchstens von Mohrrüben gefürchtet werden?

Was veranlasste also MGM, immerhin eines der größten Filmstudios der Welt, dazu, einen "Horrorfilm" mit Hasen zu produzieren? Sicher: Der Tierhorror erreichte in den 1970er Jahren seinen Höhepunkt. Aber wer nahm allen Ernstes an, Hasen könnten sich als Monster eignen? Selbst wenn es sich um genetisch mutierte Riesenhäschen handelte? Hierzu betrachte man den Trailer, der mit den hochtrabenden Worten beginnt: "What unknown terror was born that night?

Der Terror trägt Plüschfell, hat lange Ohren und ein Stupsnäschen. Riesenhasen! Unser tödlichster Erzfeind! Wessen verrückte Idee war es eigentlich, Riesenhasen als Bedrohung der Menschheit zu lancieren? So unglaublich es auch klingen mag: "Night Of The Lepus" war die Verfilmung eines Romans. Ein gewisser Russell Braddon schrieb in den 1960er Jahren den Roman "The Year of the Angry Rabbit", der die Verwüstungen Australiens durch Horden von Riesenhasen beschrieb.

Er hat uns gesehen! Wir sind verloren!Nun könnte man einen solchen Streifen als augenzwinkernde Horrorfilm-Parodie anlegen. Stattdessen inszenierte Regisseur William F. Claxton "Night Of The Lepus" als staubtrockenen Horrorfilm. Und zugegeben: Gerade diese stocksteife Ernsthaftigkeit machte aus der verrückten Idee von Riesenhasen als Monster ein unfreiwillig komisches Machwerk. Sei es die absurde Prämisse oder seien es die "Spezialeffekte", die ganz normale Häschen durch eine Spielzeugstadt hopsen lassen: Als Horrorfilm scheitert "Night Of The Lepus" auf ganzer Linie - als Komödie schlägt er hingegen voll ein!

Mitleid verdient hingegen die prominente Schauspielerriege: Neben Janet Leigh (das Duschopfer aus "Psycho"), Stuart Whitman ("Die tollkühnen Männer in ihren fliegenden Kisten") und Western-Helden Rory Calhoun spielte DeForest Kelley mit, der als "Pille" McCoy aus der "Raumschiff Enterprise"-Serie Berühmtheit erlangt hatte. Trotz mehrerer durch unsanfte Rammelei verursachte Morde spricht er leider nie seine legendären Worte: "He's dead, Jim!"

 

Eine noch verrücktere Idee wäre: Killer-Regenwürmer! Dieser Film wurde übrigens 1974 inszeniert...

4. The Human Centipede - Die verrückte Idee: Arsch am Mund ist ungesund

Der Horrorfilm "The Human Centipede": Der Film zum Witz, so man Regisseur Tom Six Glauben schenken darf. Angeblich wäre ihm die verrückte Idee zu seinem Horrorfilm "The Human Centipede" gekommen, als jemand meinte, man solle den Mund von Kinderschändern an den Arsch von Truckerfahren annähen. Das Ergebnis ist einer jener Filme, die enorme Wellen schlagen, obwohl sie die physikalische Dichte eines ausgemagerten Kieselsteins besitzen.

Warum der verrückte Doktor Heiter (noch subtiler wäre es gewesen, ihn "Hätler" zu benennen) einen menschlichen Hundertfüßer erschaffen möchte, bleibt ebenso ungeklärt wie die Frage, ob sich im Kopf seiner beiden weiblichen Opfer so etwas ähnliches wie ein Gehirn oder doch nur ein Monatsvorrat Mascara befindet. Der Horrorfilm "The Human Centipede" hangelt sich von einer Absurdität zur nächsten und schafft es nicht, aus der eigentlich grandios verrückten Idee einen wenigstens spannenden oder zumindest ekelhaften Streifen zu machen.

Die großartige Performance von Dieter Laser als Dr. Heiter ist angesichts der miserablen Filmqualität leider Perlen vor die Säue geschmissen. Oder vor die Hundertfüßer.

 

Eine noch verrücktere Idee wäre: Ein Hundertfüßer, der einen Artgenossen entführt und ihm 98 Beine absäbelt, um ihn in einen Menschen zu verwandeln: "The Humane Centipede"!

5. Birdemic - Die verrückte Idee: Ein Remake von "Die Vögel" ohne Geld und Talent inszenieren

Der Horrorfilm "Birdemic": Es gibt Filme, die sind abgrundtief schlecht und geraten sofort in Vergessenheit. Und dann gibt es Filme, die zwar ebenfalls abgrundtief schlecht sind, aber zu Kultfilmen avancieren.

Filme wie "Birdemic" des Asio-Amerikaners James Nguyen. Die Story: Vögel drehen plötzlich durch und greifen die Bewohner einer Kleinstadt in San Francisco an, indem sie Säure spucken und bei Bodenkontakt explodieren. Richtig gelesen: Die Vögel explodieren! Und das ist noch das geringste Problem, denn "Birdemic" könnte ein Lehrbeispiel dafür abgeben, wie man einen Film keinesfalls inszenieren sollte:

1. Die Schauspielleistungen sind abgesehen von Hauptdarstellerin Whitney Moore miserabel - und das Wort "miserabel" ist noch geschmeichelt. Insbesondere Hauptdarsteller Alan Bagh wirkt in jeder Szene so, als wäre er gerade aufgewacht und müsse sich erst orientieren, wo er sich befinde und welches Jahr sei.

2. "Die Vögel" erschien fast ein halbes Jahrhundert vor "Birdemic" - und hat die weitaus besseren Spezialeffekte. Die angreifenden Adler sehen wie GIF-Animationen aus, geschweige denn, dass "Kleinigkeiten" wie Proportionen oder Blickwinkel auch nur im Entferntesten stimmen. Im Gegensatz zu Hitchcocks Vögeln verfügen jene aus "Birdemic" über eine Geheimwaffe: Sie stürzen wie Flugzeuge vom Himmel herab und explodieren bei Bodenkontakt. Das nennt man wohl Tschiephad.

3. Die Ton- und Bildtechnik erreicht bestenfalls Laientheaterniveau. Mitunter ist das Gesprochene nicht zu verstehen, die Kamera verharrt auf Einstellungen, die längst vorbei sein müssten, die Schnitte werden, gelinde gesagt, eigenwillig gesetzt (wenn überhaupt), Szenen beginnen oder enden ohne nachvollziehbare Motive.

4. Falls man von einer solchen überhaupt sprechen kann: Die "Story" ist an Absurdität kaum zu überbieten. Die erste Hälfte des Films schildert das "aufregende" Leben von Rod, der seinem Unternehmen (um welche Art von Unternehmen es sich handelt wird nie geklärt) einen sensationellen Deal an Land zieht, indem er dem Käufer am Telefon einen Nachlass von 50% gewährt. Man stelle sich einen solchen Deal im Autohaus vor: "Chef, ich habe den neu gelieferten Ferrari verkauft! Wie? Och, ich habe dem Kunden einen Rabatt in der Höhe von 50& angeboten. Wieso gucken Sie so? Ist was nicht in Ordnung?"

Rod lernt Natalie (Whitney Moore) kennen und verfolgt sie wie ein psychopathischer Serienkiller, was diese allerdings nicht gruselig, sondern offenbar süß findet. Wie schön könnte ihre in einem billigen Motelzimmer endende Romanze sein, würden die explodierenen Vögel nicht angreifen...

Ob Nguyen sein eigenes Drehbuch überhaupt durchgelesen hat, darf angesichts der Ungereimtheiten und Absurditäten bezweifelt werden. Beispielsweise behauptet ein Naturschützer, keinesfalls hätte Global Warming die Vögel zu den Monstern gemacht, die sie in "Birdemic" darstellten. Sekunden später zieht derselbe Mann die Schlussfolgerung, es sei die Schuld von Global Warming. 

 

Fazit: Die alten Gallier hatten doch Recht mit ihrer Angst, die Vögel könnten ihnen auf den Kopf fallen. Und explodieren. Nachdem sie Motorengeräusche von sich gegeben haben.

 

Eine noch verrücktere Idee wäre: "Birdemic 2".

Autor seit 7 Jahren
823 Seiten
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