Vertrauen schaffen und zerstören

Unter Vertrauen ist die Überzeugung beziehungsweise der Glaube einer Person zu verstehen, dass eine andere Person ehrlich ist, richtig und wahrhaft denkt, spricht oder handelt. Man ist also der Überzeugung, dass man dieser Person als Ganzer vertrauen kann. Insofern wird sie zu einem wichtigen Bezugspunkt, an dem der vertrauende Mensch sich bezüglich seines eigenen Denkens, Redens und Handelns orientiert und oft auch ausrichtet. Vertrauen kann man entweder einer anderen Person oder sich selbst gegenüber entgegenbringen (in diesem Fall spricht man auch von Selbstvertrauen). Das Vertrauen schafft letztlich eine innere Verbindung zu jemandem, lässt Harmonie entstehen und sorgt dafür, dass ein Gefühl der auch unausgesprochen vorhandenen Einigkeit zwischen Vertrauensgeber und Vertrauensnehmer vorhanden ist.

Vertrauen ist die Fähigkeit, sich verletzlich zu machen

Wenn wir uns dazu entscheiden, jemandem Vertrauen zu schenken, dann bekunden wir damit unseren Willen, uns ihm gegenüber verletzlich zu machen und die Kontrolle abzugeben. Denn geschenktes Vertrauen birgt in sich immer die Gefahr, enttäuscht und dadurch verletzt zu werden. Vertrauen ist also so etwas, wie ein Sprung ins Ungewisse, weil wir uns von einer positiven Erwartung leiten lassen und nicht letztgültig wissen können, ob unser Vertrauen in die Person gerechtfertigt ist. Prinzipiell wäre es ja möglich, dass uns der, dem wir Vertrauen entgegenbringen ausnutzt und unser Vertrauen zu unserem eigenen Nachteil verwendet. Vertrauen zu schenken ist also letztlich die Entscheidung, uns gegenüber einem anderen verletzlich zu zeigen.

Wie Vertrauen entstehen kann

Vertrauen lässt sich nicht rational erklären. Es ist ein in unserem Inneren entstehendes Gefühl, das sich zu einer tiefen Gewissheit verfestigt, dass die Person, der wir Vertrauen, dieses verdient. Natürlich gibt es Faktoren, die bei uns die Entstehung von Vertrauen fördern. Beispielsweise, wenn wir erleben, dass eine Person:

  • uns Zuneigung oder gar Liebe entgegenbringt
  • uns gegenüber mit einer großen Ehrlichkeit auftritt
  • im Umgang mit uns größtmögliche Verlässlichkeit an den Tag legt
  • sich in der Beziehung mit uns durch Beständigkeit auszeichnet
  • stets das als Basis ihres Tuns heranzieht, was sie sagt oder denkt (Authentizität)

Diese Eigenschaften einer Person sind dazu geeignet, in uns das Gefühl zu stärken, dass wir der Person Vertrauen schenken können. Experten postulieren, dass man zu Personen (oder auch Institutionen) Vertrauen entwickeln kann, wenn sie unsere Erwartungen erfüllen. Ein Beispiel wäre, dass manche Menschen keine öffentlichen Verkehrsmittel mehr nutzen, weil sie das Vertrauen verloren haben, dass diese sie pünktlich an ihr Ziel bringen. Es herrscht also kein prinzipielles Misstrauen gegenüber Zügen oder Bussen, sondern es ist lediglich das Vertrauen in die versprochenen aber nicht eingehaltenen Dienstleistungen gestört. Vertrauen kann also überall dort entstehen, wo wir unsere Erwartungen positiv bestätigt sehen. Dieses, meist in einem langen Prozess gewonnene, Vertrauen kann allerdings im Handumdrehen erschüttert oder sogar gänzlich zerstört werden.

Faktoren, die geschenktes Vertrauen erschüttern können

Das Vertrauen in jemanden zu verlieren, ist oft ein sehr schmerzhafter Prozess, weil in unserem Inneren etwas kaputtgeht. Vielleicht hat der eine oder andere von uns dies schon erlebt, entweder im Berufsleben oder auch in einer privaten Beziehung. Das Vertrauen zu verlieren, kann ein schleichender Prozess sein oder innerhalb von Sekunden vonstatten gehen. Was führt aber dazu, dass Vertrauen verlorengeht? In der Psychologie wird oft die Angst als erstes Anzeichen genannt. Beispielsweise steigt in einer Beziehung plötzlich die Angst in einem Partner auf, dass der Andere

  • nicht ehrlich ist und uns eventuell mit Lügen begegnet
  • nicht mehr die Beständigkeit und Verlässlichkeit früherer Zeiten zeigt
  • sich bezüglich seiner Zuneigung oder Liebe etwas in eine ungute Richtung bewegt

Die Folge aus diesen Ängsten kann wachsendes Misstrauen sein, also schwindendes Vertrauen. Vor allem die Unehrlichkeit und Lüge sind die größten Feinde für das Vertrauen. Hier bewahrheitet sich das alte Sprichwort, dass man dem nicht mehr glaubt, der einmal gelogen hat. Seinen Partner anzulügen zerstört das Vertrauen genauso brutal und nachhaltig, wie ein Hammerschlag eine Glasscheibe. So wie man eine auf diese Weise zerstörte Scheibe nicht mehr in ihren Ursprungszustand zurückversetzen kann, so lässt sich auch das durch Lüge zerstörte Vertrauen nicht mehr herstellen. Unabhängig von der Art der Beziehung (ob beruflich oder privat) schädigen Lügen, aber auch Unzuverlässigkeit oder Unbeständigkeit die Vertrauensbasis fast unwiederbringlich.

Vertrauen erhalten - miteinander im Gespräch bleiben

Für eine auf Vertrauen gegründete Beziehung ist nichts tödlicher, als Schweigen. Um in einer Beziehung das Vertrauen zu erhalten und immer weiter zu stärken, ist es deshalb oberstes Gebot, miteinander im Gespräch zu bleiben. Nur, wer sich in einer, wie auch immer gearteten, Beziehung über wichtige und auch unwichtige Dinge austauscht, sorgt dafür, dass das Vertrauen erhalten bleibt. Den Grund hierfür sehen viele Beziehungsexperten im anhaltenden Interesse an dem, was der Andere denkt, sagt und tut. Miteinander im Gespräch zu bleiben, sorgt dafür, dass keine Langeweile in der jeweiligen Beziehung aufkommt. Nur, wo in Beziehungen Dinge unausgesprochen bleiben, entwickelt sich Platz für Spekulationen, Ängste und letztlich Misstrauen.

Vertrauen ist gleichzeitig großes Geschenk und Risiko für uns Menschen, denn es gibt uns die Möglichkeit, uns an anderen Menschen zu orientieren, macht uns allerdings auch anfällig für tiefe Enttäuschungen. Gleichzeit setzen wir uns bewusst der Gefahr aus, von dem, dem wir unser Vertrauen schenken, enttäuscht zu werden. Dennoch verlassen wir uns darauf, dass es Personen gibt, die uns zuverlässig und beständig zur Seite stehen, die uns gegenüber ehrlich sind und bei denen wir keine Angst haben müssen, enttäuscht oder verletzt zu werden.

Autor seit 6 Jahren
211 Seiten
Laden ...
Fehler!