Die Geschichte der Völklinger Hütte

Gegründet wurde die Völklinger Hütte im Jahr 1873 von Julius Bruch, doch sie musste sechs Jahre später wieder schließen wegen hoher Zölle für Roheisen.1881 gab es einen Neuanfang unter Carl Röchling und bereits 1890 waren die Röchling'schen Eisen- und Stahlwerke der größte Eisenträgergersteller Deutschlands und 1928 war die Hütte eine der modernsten und größten Hütten Deutschlands.

Im Zweiten Weltkrieg arbeiteten ca. 70.000 Zwangsarbeiter im Saarrevier, alleine in der Völklinger Hütte wurden 14.000 Menschen zur Arbeit gezwungen. Nach dem Krieg, im Jahr 1952 erreichte die Hütte ihren Produktionshöchststand und 1965 war die Hütte mit 17.000 Mitarbeitern einer der wichtigsten Arbeitgeber im Saarland.

1986 wurden die Hochöfen während der Stahlkrise stillgelegt, doch 1994 erklärte die UNESCO das Industriedenkmal zu einem Weltkulturerbe und heute ist sie ein beliebtes Ausflugsziel, auch wenn sie auf den ersten Blick sehr hässlich wirkt. Aber wann hat man schon die Möglichkeit, ein solches Bauwerk zu besuchen?

Die Völklinger Hütte (Bild: Selbst aufgenommen)

Streifzug durch das Weltkulturerbe Völklinger Hütte

Auf diesem riesigen Gelände wurde vor etwas mehr als 30 Jahren noch hart gearbeitet. Und der Besucher kann sich hier ein Bild von der Arbeit machen, denn die Hütte befindet sich noch zum größten Teil im Originalzustand. Sogar die Fensterscheiben sind nicht gesäubert worden: Der Dreck ist noch original. Führungen werden von ehemaligen Arbeitern der Hütte durchgeführt. Diese können Geschichten erzählen, wie das Leben hier wirklich war.

Im Folgenden sollen einige interessante Stationen der Tour durch die Völklinger Hütte vorgestellt werden.

Sinteranlage

In der Sinteranlage wurden die feinkörnigen Erze für die weitere Verarbeitung stückig gemacht. Zu einer Zeit, als das Wort "Recycling" noch weitgehend unbekannt war, wurden anfallende Reststoffe in der Völklinger Hütte bereits wiederaufbereitet. Dies wurde allerdings mit dem deutschen Wort "Wiederverwertung" bezeichnet.

Erzhalle

Hier kannn man die Rohstoffbunker und die Lagerhallen der Völklinger Hütte sehen.

Möllerhalle

Als Möllern wurde der Vorgang bezeichnet, bei dem die verschiedenen Einsatzstoffe für die Erzeugung von Roheisen zusammengestellt wurden. Möller ist eine Mischung aus Koks, Erz, Pellets, Kalkstein, Schrott usw. Dieses Gemisch wurde später in die Hochöfen gefüllt.

Gichtbühne und Hochöfen

Hinter einem Dickicht aus Rohren und Leitungen versteckt sind die 30 m hohen Hochöfen nur schwer zu erkennen. Oben befindet sich die Gichtbühne. Die Gicht, die in die Hochöfen gefüllt wurde, wurde über einen beeindruckenden Erzschrägaufzucht zur Gichtbühne gebracht. Heute kann man zur Gichtbühne hinaufklettern, nachdem man Helme abgeholt hat, denn hier herrscht aus Sicherheitsgründen Helmpflicht. Der Aufstieg ist ein bisschen mühsam und man sollte bei 30 m über dem Erdboden keine Höhenangst haben.

Von hier aus sieht man die Stadt Völklingen und die Hütte mit all ihren Rohren, Leitungen, Maschinen, Hallen, Gebäuden und weiteren undefinierbaren Gerätschaften. Auch die Schlackeberge, die während der Produktion entstanden sind, kann man wunderbar sehen. Aber auch sonst kann man hier auf der Gichtbühne einen guten Einblick in die Arbeit in der Hütte erhalten. Man sieht die Hängewagen, mit denen die Gicht und das Erz zu den Hochöfen transportiert wurden, die Glocken, mit denen die Hochöfen verschlossen wurde, usw. Man kann sehen, wie das glühende Material aus den Hochöfen zur weiteren Verarbeitung herausgelassen werden konnte. Dieser beeindruckende Vorgang kann auf Fernsehbildschirmen verfolgt werden.

Kokerei

Ab 1897 errichtete man auf dem Hüttengelände die ersten Koksöfen. Vorher hatte die Völklinger Hütte ihren Koks von einer Kokerei im nahen Altenwald bezogen. Als Abfallprodukt fiel das sogenannte Gichtgas an. Dieses Gas wurde in der Kokerei wiederverwendet, ebenso wurde es später als Ferngas in Haushalten und in der Industrie benutzt. Hier kann man auch die Stampfmaschine sehen, mit der die Kohle in die Kokskammern hineingedrückt und der fertige Koks herausgedrückt wurde.

Gebläsehalle

Von außen eine langweilig erscheinende Halle, ist die Gebläsehalle neben den Hochöfen mit der Gichtbühne der beeindruckendste Teil der Hütte, denn sie beinhaltet die gewaltigen Windanlagen. Diese riesigen Maschinen erzeugten den Wind zum Anblasen der Hochöfen und lösten die Dampfmaschinen ab. Die Gebläsehalle wurde von 1900 bis 1913 gebaut und die bebaute Fläche beträgt insgesamt 6141 qm. Das bei der Produktion als Abfallprodukt anfallende Gichtgas trieb die Maschinen an.

Die Wilden Kerle 5

Das Weltkulturerbe Völklinger Hütte ist inzwischen auch Teil einer anderen Art von Kultur geworden: der Filmkultur. Die Hütte warDrehort für den Film "Die Wilden Kerle 5" und daher kann man neben den bereits beschriebenen Sehenswürdigkeiten auch einige Requisiten aus dem Film bewundern.

 

Ausstellungen und das Paradies

Immer wieder gibt es in der Völklinger Hütte Sonderausstellungen von ungewöhnlich hohem Niveau. Bekannt war die Ausstellung "Inkagold", im Jahr 2011 die große Ausstellung "Die Kelten", welche die größte Keltenausstellung Europas war, und 2012 die thematisch verwandte Ausstellung "Asterix und die Kelten".

Viele Ausstellungen finden in der Gebläsehalle statt, aber gerade Fotoausstellungen dehnen sich über einen großen Teil des Geländes aus. Es gibt auch manchmal Mitmachexperimente. Ein Stück Land zwischen Kokerei und Saar, das beinahe 25 Jahre nicht mehr betreten wurde und in dem Pflanzen und Tiere ungestört durch den Menschen leben konnten, ist seit 2009 für Besucher unter dem Namen "Paradies" zugänglich. Weitere Informationen über die Hütte und die Ausstellungen finden Sie bei Interesse auf der Internetseite.

Eine altes Kontrollpult (Bild: Selbst aufgenommen)

Eintrittspreise und Öffnungszeiten der Völklinger Hütte

Öffnungszeiten

November bis April täglich von 10 bis 18 Uhr
April bis November täglich von 10 bis 19 Uhr

 

Die Hütte ist an folgenden Tagen geschlossen:

  • 24. Dezember
  • 25. Dezember
  • 31. Dezember

 

Eintrittspreise

Ermäßigt 10 €
Normalpreis 12,00 €
Kinder und Jugendliche im Klassenverband 3,00 €
Kinder unter sechs Jahren Eintritt frei
Famile (zwei Erwachsene mit Kindern) 25,00 €

Erreichbarkeit

Die Hütte ist als Wahrzeichen der Stadt Völklingen von Weitem bereits zu sehen. Vom Bahnhof aus sind es maximal fünf Minuten zu gehen. Und da die Hütte in der Nähe i die Höhe ragt, kann man sie nicht verfehlen. Direkt vor der Hütte befinden sich Parkplätze für die Besucher, die mit dem Auto kommen.

Zusammenfassung

Das Weltkulturerbe Völklinger Hütte gilt als äußerst wertvolles Industriedenkmal. Die Hütte ist natürlich alles andere als eine Schönheit, aber es handelt sich schließlich auch um Industrie. Die Führungen sind jedoch sehr spannend und lehrreich und man erhält einen Einblick in eine Arbeit, die sich vor allem die Jüngeren nicht mehr richtig vorstellen können. Die ehemaligen Mitarbeiter der Hütte, die die Besucher über das Gelände führen, wissen viele spannende Geschichten zu erzählen, denn sie geben nicht nur Buchwissen weiter, sondern waren wirklich dabei.

Der Originalzustand der Völklinger Hütte tut ihr übriges, um einen Besuch zu einem Erlebnis zu machen. Dazu zählt nicht nur der alte Dreck an den Fenstern, sondern Schilder und Warnhinweise, Spinde, in denen Ausrüstung liegt usw. Die Hütte ist tot, doch sie wirkt, als ob sie nur schläft und mit einem Schlag wieder erwachen könnte.

Fast jeder Ort in der Völklinger Hütte ist über Rampen oder Aufzüge zu erreichen, so dass auch Besucher mit Kinderwagen oder Rollstühlen das gesamte Gelände erkunden können. An der Kasse gibt es sogar Leihrollstühle und Führungen können in Gebärdesprache durchgeführt werden, also eine vorbildliche Barrierefreiheit.

Die Völklinger Hütte ist sehr empfehlenswert. Wenn man im Saarland ist, sollte man jede Abneigung gegen hässliche Bauwerke zur Seite schieben und die Hütte auf jeden Fall besichtigen.

Autor seit 6 Jahren
68 Seiten
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