Kronprinz oder Hofnarr?

Ein beliebtes Bonmot in Unternehmer-Seminaren:
"Die erste Generation baut das Unternehmen auf, die zweite verwaltet es, die dritte studiert Kunstgeschichte und alles geht den Bach hinunter"

Dieser Spruch ist schön und der Laie fühlt sich eingeweiht. Tatsache ist, dass viele Unternehmen von der Nachfolgegeneration eher halbherzig geführt werden. Tatsache ist auch, dass viele Junioren im Unternehmen der Eltern eher unglücklich sind. Sie fühlen sich eingeengt, ausgebremst und können ihre Ideen nicht verwirklichen. Hat ein Nachfolger jedoch den Biss der Elterngeneration, ist er häufig erfolgreicher, als die Generation der Eltern.

Was macht einen erfolgreichen Nachfolger aus?

Wann ist ein Junior erfolgreich?

Ob ein Junior in der Lage ist, das Unternehmen seines Vaters bzw. seiner Eltern erfolgreich zu führen, hängt ab von seiner Leistungsfähigkeit. 3 Faktoren bestimmen die Leistungsfähigkeit eines Menschen.

  • Das Können (Wissen, Fertigkeiten,...)
  • Die Motivation bzw. die Leistungsbereitschaft
  • Die Möglichkeit, Leistung zu erbringen

Wer in einem Beruf erfolgreich ist, verfügt in der Regel über ein herausragendes Können und ist für seinen Beruf Feuer und Flamme.  Findet er ein Unternehmen vor, in dem er seine Fähigkeiten voll ausspielen kann, dann wird er in diesem Unternehmen erfolgreich sein.

Der Junior bzw. Unternehmensnachfolger muss zunächst beweisen, dass er in der Branche des Vaters richtig ist. Er muss sich das notwendige Wissen und Können aneignen, was für das Führen eines Unternehmens notwendig ist. Dazu zählen (insbesondere bei kleineren Unternehmen) am Anfang in jedem Falle fachliches Wissen und Können.

Damit der Junior gut wird, braucht es die entsprechende Motivation. Die entscheidenden Fragen, die sich der Junior stellen muss, sind:

  • Würde ich diesen Beruf bzw. diese Branche auch dann wählen, wenn es meinen Vater nicht gäbe?
  • Kann ich mich mit Beruf und Branche wirklich identifizieren?
  • Würde ich mich im Unternehmen meines Vaters bewerben?
  • Gehe ich nur aus Bequemlichkeit diesen Weg?
  • Verlockt mich nur die Aussicht, als Unternehmer viel Geld zu verdienen?

Wenn der Junior die 3 ersten Fragen nicht spontan und begeistert mit "Ja" beantwortet und die beiden letzten entschieden mit "Nein", sind Probleme in der Zukunft vorprogrammiert.

Denn ohne Liebe zur Branche wird der Junior zum Mitläufer, dem jeder engagierte Mitarbeiter im elterlichen Unternehmen aussticht. Auch ist Unternehmertum kein einfacher Weg und die Möglichkeit, als Unternehmer Geld zu verdienen ist mit viel Risiko verbunden. Das Risiko ist umso größer, wenn der Junior nur aus Bequemlichkeit diesen Weg geht. Denn dann fehlen ihm Biss und Drive, die ein erfolgreicher Unternehmer braucht.

Entscheidend sicherlich die Frage, ob sich Sohn oder Tochter im eigenen Unternehmen bewerben würden. Ein "Nein" als Antwort kann folgende Gründe haben:

  • Das Unternehmen wird halsstarrig geführt
  • Innovationen und konstruktive Beiträge sind nicht erwünscht
  • Kurz: ich kann mich dort nicht entfalten und verwirklichen

Sobald ein Junior oder eine Juniorin erkennt, dass er in der Firma seines Vaters oder niemals glücklich werden wird, sollte er oder sie einen anderen Karriereweg wählen. Das bedeutet, dass sich Sohn oder Tochter jeweils eine Alternative offen halten sollten. Das beeinflusst die Karriere-Planung.

Jetzt ist der Senior gefragt. Er muss prüfen, inwieweit Leistungsfähigkeit und Motivation der Kinder vorhanden sind. Gleichzeitig muss er die notwendige Leistungsmöglichkeit schaffen.

Die Rolle des Seniors - die eigenen Kinder richtig einschätzen und die Übergabe vorbereiten

Der Senior spielt eine entscheidende Rolle, will er sein Unternehmen an den eigenen Sohn bzw. die eigene Tochter übergeben.

  • Er muss sein Unternehmen für einen Nachfolger attraktiv machen
  • Er muß die Fähigkeiten seines Sohnes bzw. seiner Tochter richtig einschätzen

Attraktivität für den Nachfolger heißt, dass sein Unternehmen zukunftsfähig aufgestellt ist. Das heißt solide wirtschaftliche Verhältnisse und ein nachhaltiges Konzept. Das Rating der Hausbank kann hier hilfreiche Hinweise geben. Mit anderen Worten: der Senior sollte stets die Alternative haben, sein Unternehmen nicht an seine Kinder weiterzugeben. Diese Alternative hat er nur, wenn das Unternehmen so interessant ist, dass sich sofort ein Käufer dafür findet. 

Die zweite Aufgabe des Seniors ist es, die Fähigkeiten des Nachfolgers richtig einzuschätzen. Folgende Fragen muss sich der Senior stellen und für sich selbst ehrlich beanworten:

  • Würde ich meinen Sohn bzw. meine Tochter in meinem Unternehmen einstellen? Erfüllen sie die Einstellungs-Kriterien, die ich bei fremden Bewerbern voraussetze?
  • Ist die Motivation meiner Kinder, die Firma zu übernehmen echt oder Resultat langjähriger Manipulation und Gehirnwäsche?

Beantwortet ein Senior auch nur eine dieser Fragen mit "Nein", sollten die eigenen Kinder diesen Betrieb nicht übernehmen. Verkauf an eigene Mitarbeiter oder  Außenstehende (Unternehmer, Investoren) erscheint hier der einzig vernünftige Weg der Nachfolgeregelung.

 

Gebot der Planung - Karriereweg des Juniors und Einstieg in den Betrieb

Vielfach scheitern Unternehmensnachfolgen aufgrund mangelnder Planung. Auch hier sind sowohl die Senioren, als auch die Junioren gefordert. Folgende Dinge gilt es, sorgfältig zu planen.

  • Den Karriereweg des Juniors von der Ausbildung über die ersten beruflichen Stationen
  • Den Einstieg und die Integration des Juniors im Familienunternehmen.

Welche Aufgaben Senioren und Junioren dabei übernehmen müssen, erfahren Sie im nächsten Teil der Serie.

Herzpoet, am 28.07.2013
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Bildquelle:
www.helenesouza.com / pixelio.de (Wie sinnvoll ist ein Businessplan?)
Rudolf Schneider (Baufinanzierung: Zinssicherheit für die gesamte Laufzeit)

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