Sommersdorf am Kummerower See

Sommersdorf erfüllt weitgehend die sorgsam gehegten Klischees über mecklenburgische Dörfer: Es ist vor allem sehr, sehr beschaulich und verfügt über ein kleines Schloss im Gutshaus-Stil. Sprich – der idyllischen Abgelegenheit kann man durchaus etwas abgewinnen, solange eben typisches Sommer-Urlaubswetter ist. Allerdings sollte man bei jedem Einkauf in der nächsten (etliche Kilometer entfernten) Kleinstadt daran denken, ja nichts zu vergessen. Wie vermutlich die meisten Mecklenburg-Urlauber lieben wir dieses Arrangement trotzdem.

Sommersdorf liegt nördlich der Müritz, sozusagen einigermaßen zentral in Mecklenburg-Vorpommern. Der Ort befindet sich etliche Höhenmeter oberhalb des Kummerower Sees. Zwischen Gewässer und Ortschaft besteht ein für diesen Landstrich beachtlicher Höhenunterschied, welcher durch längere Zufahrten überwunden wird. Direkt am Seeufer befinden sich Ferienunterkünfte, Gärten, Vereinsanlagen und ein Zeltplatz. Öffentlich nutzbare Uferbereiche scheinen am Kummerower See generell selten zu sein. Viele Uferabschnitte befinden sich in der Hand privater Besitzer oder kommerzieller Anbieter. Das benachbarte Dorf Kummerow und der See weisen übrigens keinen Bezug zum Film "Die Heiden von Kummerow" auf.

Die Ferienanlage mit dem Appartmenthaus Seeperle

Die Ausstattung der 70m²-Wohnung sowie das Gelände an sich entsprachen zunächst einmal grundsätzlich zu vernünftigen Preisen dem offerierten Angebot. Im Detail zeigten sich aber deutliche Mängel. Insgesamt ähnelte die heruntergekommene Anlage ein bisschen einer alternden Diva. Die frühere Attraktivität ließ sich nur noch erahnen… 

Die gepflasterten Wege wiesen durch Wurzelwerk erhebliche Stolperfallen auf. Der Parkplatz bestand aus einer Wiese. Wir waren nach unseren Beobachtungen nicht die einzigen Gäste, deren Auto mit zwei im hohen Gras liegenden Feldsteinen am Parkplatzrand kollidierte. Nach ein paar Tagen setzte ein freundlicher Zeitgenosse die Steine übereinander, so dass die Gefahrenquelle wenigstens sichtbar war. Wir fanden auch schön, dass Gartenstühle und eine Hollywoodschaukel vorhanden waren. Verfügbare Sitzauflagen wären jedoch noch schöner gewesen…

Das durchaus ansprechend gestaltete Gelände besitzt einen eigenen idyllischen Uferbereich. Es sollte jedoch im Angebot darauf hingewiesen werden, dass dieser zum Baden ungeeignet ist. Der See ist dort auf geschätzte 200 Meter sehr seicht und teilweise bewachsen, wobei der Untergrund aus großen, unförmigen Steinen besteht. Hineinwaten ist somit eine recht schmerzhafte Angelegenheit. Wer schwimmen möchte, kann mit einem kostenpflichtig ausgeliehenen Boot ein Stück auf den See hinausfahren. Ein weiterer, frei zugänglicher, Badestrand mit einigen Spielgeräten befindet sich unmittelbar vor dem etwa 500 Meter entfernten Campingplatz.

Der Service-Gedanke war durchaus noch ausbaufähig, denn insgesamt entstand bei uns der Eindruck, beinahe schon lästig zu sein:

  •  Obwohl wir vertragsgemäß am Tag zuvor sowie ca. 1,5 Stunden vor unserem Eintreffen die Ankunftszeit telefonisch durchgaben, war zunächst niemand vor Ort. Nach ungefähr 20 Minuten riefen wir erneut beim Vermieter an. Daraufhin erschien dieser schließlich.
  • Für zwei kostenpflichtig entliehene Fahrräder erhielten wir nur ein Fahrradschloss.
  • Mit dem hochgenauen Hinweis, 500 Meter weiter könne man Brötchen bestellen, ließ sich zunächst nicht viel anfangen, da dort lediglich ein kleiner Strand war. Erst die Nachfrage auf dem benachbarten Campingplatz ergab, dass die dortige Rezeption Bestellungen entgegennimmt. Dieser Hinweis war übrigens keine temporäre Unachtsamkeit des Vermieters. Auch im Reiseangebot des Veranstalters wurde haargenau diese Formulierung verwendet.

Die Ferienwohnung

Die Unterkunft verfügte über einen französischen Balkon, also ein Geländer vor einem großen Fenster. Jenes war leider trotzdem nur kippbar, so dass sich auch nicht die Illusion eines Balkons ergab. Positiv hervorzuheben ist die Tatsache, dass eine Kaution entgegen der Katalogangaben nicht entrichtet werden musste.

Am ersten Morgen war die gesamte Wohnung, auch das fensterlose(!) Bad, voller Insekten. Besonders dichte Ansammlungen waren naturgemäß in den zahlreichen Spinnweben an den Zimmerdecken vorzufinden. Allerdings blieb dies ein einmaliges und nicht so recht erklärbares Phänomen.

Bedauerlicherweise gab es jedoch auch einige Aspekte, die hingegen ganz klar durch etwas Sorgfalt hätten vermieden werden können:

  • Die Unterbauleuchten sowie die Deckenbeleuchtung der Küche funktionierten nicht.
  • Der in einer Ecke angebrachte Geschirrspüler war recht unglücklich platziert: Öffnete man zwecks Ausräumen dessen Klappe, blockierte man dadurch die Türen einiger Geschirrschränke. Darüber befindliche Schränke ließen sich dann nur schwerlich erreichen.
  • Zudem gab es in der Wohnung einige vermutliche Lichtschalter, deren Funktion sich uns nicht erschloss. Im Schlafzimmer hingegen zeugten zwei Dübel-Löcher davon, dass hier offenbar einmal ein Elektroheizer angebracht war. Das Gerät stand daneben auf dem Fußboden…
  • Nahezu alle Schranktüren der Wohnung hingen überdeutlich schief in den Angeln.

 Unglücklicherweise fiel unser Sommerurlaub auf eine regnerische und kühle Woche, obwohl doch fanatische Ökofreaks ständig behaupteten, 2020 wäre der dritte Dürresommer in Folge. Irgendwie wollte sich das Wetter daran wohl nicht so recht halten… Durch diesen Umstand waren die Räume nicht sonderlich angenehm, zumal die Wohnung einen gefliesten Fußboden und eine sonnenlose Fensterseite aufwies. Die Räume verfügten zwar über elektrische Heizgeräte. Da Verbrauchskosten für Wasser und Strom jedoch separat erhoben wurden, schlug sich dies finanziell nieder. Verschärfend kam hinzu, dass offenbar kein warmes Wasser verfügbar war. Wir duschten daher (in einer sowieso schon kühlen Wohnung und bei herbstlichen Außentemperaturen) kalt. Auch mehrfache Informationen an die Vermieter-Familie bewirkten da keine Abhilfe!

 Letztendlich waren wir froh, nur eine Woche gebucht zu haben. Obwohl wir nichts dafür konnten, stellte sich bei der Abreise ein bisschen das schlechte Gewissen ein, dass die nachfolgenden Urlauber vermutlich ebenso enttäuscht sein würden wie wir. Eigentlich war es schade, dass ein ursprünglich attraktives Ferienangebot durch viele kleine Nachlässigkeiten für so viel Frust sorgte.

Was der Reiseanbieter dazu sagte - und was nicht

Doch wie bereits angedeutet, waren diese Umstände nur ein Teil des Problems. Denn auch der Reiseanbieter, ein anscheinend zum TUI-Konzern gehörendes Unternehmen, ließ uns deutlich merken, dass zahlende und zufriedene Kunden eigentlich ein lästiges Überbleibsel früherer Zeiten sind. In jenem Jahr konzentrierte sich der Konzern schließlich ganz auf andere Einnahmequellen: Milliardenschwere Staatshilfen. Da auch ich Steuerzahler bin, wurde ich quasi gleich doppelt geschädigt.

Wir hatten den Urlaub immerhin über ein Reisebüro gebucht. Wir sind also keine Billigheimer, die nach dubiosen Schnäppchen im Internet suchen. Zudem handelte es sich ja um das Angebot eines namhaften Touristik-Unternehmens. Man hätte also durchaus mehr Qualität erwarten können.

Aus diesem Grund beschwerten wir uns erstmals in unserem Leben über eine Urlaubsunterkunft. Mit keineswegs unfreundlicher Wortwahl schilderten wir das Erlebte und baten um Preisnachlass. Der Reiseanbieter hüllte sich jedoch in Schweigen. Vielleicht war ja nach dem forcierten Stellenabbau auch einfach keiner mehr da, der den eigens für Beschwerden eingerichteten Mail-Account betreute?

Nach einem Monat schrieb ich jedenfalls einen Brandbrief an den Reiseanbieter und schickte eine Kopie davon an die TUI-Konzernzentrale. Nach einiger Zeit erhielt ich sogar Antwort. Es war ein kurzes, lapidares Schreiben. Zum geforderten Preisnachlass äußerte man sich nicht. Die Kernaussage lautete: Tut uns leid. Wir hoffen, dass Sie uns bald wieder beehren…

 

Ganz sicher werde ich diese Hoffnung nicht erfüllen!

Autor seit 8 Jahren
227 Seiten
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