Die Geschichte des Totensonntags

Die Gründe für die Einführung des Totensonntags im Jahre 1816 sind vielfältig. Zum einen gab es bis zu diesem Zeitpunkt keinen Tag im evangelischen Kirchenjahr, der dem Gedenken an die Toten gewidmet war. Zum anderen war die Frau von Friedrich Wilhelm III., Königin Luise, sechs Jahre zuvor im Alter von nur 34 Jahren verstorben. Mit dem Totensonntag schuf der König einen Tag zum öffentlichen Trauern.

Doch nicht nur um Königin Luise wurde getrauert. In den Jahren 1813 bis 1815 fanden in Europa die Befreiungskriege gegen Napoleon statt, die mit der Niederlage Napoleons in Waterloo endeten. Mit dem Totensonntag wollte Friedrich Wilhelm III. den Gefallenen gedenken.

Allerseelen - das katholische Pendant zu Totensonntag

Die Idee, einem Tag im Kirchenjahr den Toten zu widmen, ist nicht neu. In der katholischen Kirche existierte ein ähnlicher Feiertag schon seit dem frühen Mittelalter. Allerseelen wird am 2. November, dem Tag nach Allerheiligen gefeiert. Gläubige gedenken an diesem Tag ihrer Toten und beten für die verlorenen Seelen im Fegefeuer.

Volkstrauertag - kein kirchlicher Feiertag

Nicht nur in verschiedenen Religionen sind Feiertage zum Gedenken der Toten üblich. In Deutschland wurde 1919 der Volkstrauertag eingeführt. Seit 1952 findet er zwei Wochen vor dem ersten Adventssonntag, also eine Woche vor dem Totensonntag statt. Es handelt sich um einen staatlichen Feiertag in Deutschland. Im Gegensatz zu Totensonntag und zu Allerseelen wird am Volkstrauertag hauptsächlich an die Opfer von Krieg und Gewaltherrschaften gedacht. Auch in anderen Ländern gibt es entsprechende staatliche Feiertage.

Totengedenktage in anderen Ländern

Ob nun Volkstrauertag, Totensonntag oder Allerseelen - nicht nur in Deutschland bestand das Bedürfnis, an einem Tag des Jahres der Toten zu gedenken. In den Niederlanden wurde zum Beispiel der Nationale Dodenherdenking eingeführt, der jedes Jahr am 4. Mai begangen wird.

In Japan heißt das entsprechende Fest Obon und wird mit Tänzen landesweit zelebriert. Obwohl es sich bei Obon um einen buddhistischen Feiertag handelt, lassen sich seine Ursprünge auf das hinduistische Lichterfest, Dipavali, zurückführen.

Die Chinesen gedenken ihrer Toten mit dem Qingming-Fest, das jedes Jahr Anfang April stattfindet. Zu diesem Zeitpunkt legen Angehörige Blumen, Lebensmittel und Gegenstände, die den Toten gefallen hätte, auf ihre Gräber.

Gebräuche zum Totensonntag

Deutschlandweit haben sich am Totensonntag weder einheitliche Gebräuche entwickelt noch ist irgendwo vorgeschrieben, wie das Gedenken an die Toten zu geschehen habe. Die Gestaltung dieses Tages ist den evangelischen Gemeinden überlassen. An vielen Orten werden im Gottesdienst die Namen der im vergangenen Jahr Verstorbenen vorgelesen. Andere Gemeinden organisieren Gottesdienste auf den Friedhöfen, zu denen die Angehörigen der Toten eingeladen werden.

Vielerorts ist es Brauch, an Totensonntag Kränze und Gestecke aus Blumen auf Gräbern niederzulegen.

Ein stiller Feiertag

Die Benennung des Totensonntag als Feiertag unterliegt den Bundesländern. In allen bis auf Hamburg gilt dieser Tag als stiller Feiertag. Dies dient dem Schutz des Tages als Gedenktag. Zu gewissen Zeiten sind Musikaufführungen in Gaststätten oder Tanzveranstaltungen verboten. Auch können Aufführungen von Filmen verboten werden, wenn sie dem Charakter des Feiertages zu stark widersprechen.

Zwischen den einzelnen Bundesländern gibt es dabei Unterschiede bezüglich der Schutz- und Verbotsregelungen. Es unterliegt den Ländern, zu entscheiden, welche Art von Veranstaltung verboten ist und ob dieses Verbot für den gesamten Tag oder nur für einige Stunden gilt.

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