Die Summierungsthese von Aristoteles – der Grundgedanke der Demokratie

Bereits Aristoteles stellte in seinem Werk "Politik" den Gedanken vor, dass eine größere Menschengruppe mit ihrer kollektiven Intelligenz gemeinsam eine bessere Entscheidung treffen könnte als eine Einzelperson es könnte, ja sogar eine bessere Entscheidung, als sie ein einzelner Spezialist treffen könnte.

"Denn die Menge, von der der einzelne kein tüchtiger Mann ist, scheint doch in ihrer Gesamtheit besser sein zu können als jene Besten; nicht jeder Einzelne für sich, sondern die Gesamtheit, .... Denn es sind viele, und jeder hat einen Teil an Tugend und Einsicht. Wie sie zusammenkommen, so wird die Menge wie ein einziger Mensch, der viele Füße, Hände und Wahrnehmungsorgane hat und ebenso, was den Charakter und den Intellekt betrifft." Aristoteles: Politik III, 11 (1281 a38–b9).

Der Superorganismus – die Schwarmintelligenz

Ein Biologe erfand den Begriff des Superorganismus, nachdem er Tiere in Gemeinschaft beobachtet hatte. Genauer gesagt, sah sich William Morton Wheeler einen Ameisenhaufen genauer an und stellte fest, dass zwar die einzelne Ameise für sich lebensfähig (sie hat alle Organe, die sie zum Leben braucht) ist, für ein längerfristiges Überleben aber die Gemeinschaft des Ameisenstaates braucht. Die Tiere haben sich so stark spezialisiert, dass sie ohne die Expertise der anderen nicht auskommen – einige sind für die Nahrungsbeschaffung zuständig, einige für die Brutpflege und wieder andere sind für den Schutz der übrigen da. Die gebündelten Kompetenzen der Tiere überschreiten deren Einzelkompetenzen bei Weitem und man spricht hier von einer kollektiven Intelligenz oder Schwarmintelligenz (auch wenn Ameisen keine Schwärme bilden). Auch schwarmbildende Tiere wie Vögel oder Fische haben damit eine kollektive Intelligenz, meist dient die Schwarmbildung dazu, Feinden den Angriff schwer zu machen. Finden sich viele eigenständige Tiere der gleichen Art zusammen und übertreffen deren gemeinsame Fähigkeiten die Fähigkeiten eines einzelnen, so spricht man von einem Superorganismus.

Gedanken zu Schwarmintelligenz und zu Schwarmdummheit

  • In Studien hat sich gezeigt, dass eine Gruppe von Menschen beispielsweise das Gewicht eines Objektes besser einschätzen kann, wenn jeder seinen Tipp abgibt und man dann den Mittelwert bildet, der dann recht nahe an das richtige Ergebnis heranreicht. Das funktioniert aber nur solange, wie die einzelnen Individuen unabhängig voneinander ihre Entscheidung treffen. Eine Gruppendynamik à la "ich schließe mich der Allgemeinheit an bzw. lasse mich von den Tipps anderer beeinflussen" führt zwar letztendlich auch zu einem Mittelwert (eben mit weniger Streuung), ist aber KEINE Schwarmintelligenz. Das Gesetz der großen Zahl macht die Schwarmintelligenz aus, auch wenn einige Schätzungen weit vom Mittelwert abweichen. Allerdings heißt das auch: Je größer die Zahl der Meinungen ist, umso höher ist am Ende auch die Qualität dessen, was als Ergebnis herauskommt. Ist das dann Intelligenz?
  • Routineaufgaben lassen sich durch Schwarmintelligenz prima handhaben, zeigen uns doch auch die Beispiele aus dem Tierreich, dass solche Aufgaben durch Spezialisierung und Arbeitsteilung besser gelöst werden können als von einzelnen Individuen. Intelligenz im Sinne von intellektuellen Leistungen oder Weisheit entstehen meist nicht dadurch, dass man so viele Individuen wie möglich befragt und dann den Durchschnitt ermittelt – denn dann erhält man auch bloß Durchschnitt und keine Topleistung. Dennoch findet das Schlagwort "Schwarmintelligenz" immer häufiger Einzug auch in unsere Arbeitswelt, wo dann teilweise jeder seine Verbesserungsvorschläge einbringen darf und soll. Wie sinnvoll und umsetzbar diese dann letztendlich sind, darüber lässt sich streiten. Schwarmintelligenz oder kollektive Intelligenz sinnvoll nutzen ließe sich, wenn man das Kollektiv etwas kleiner hält und nur die dafür geeignetsten Köpfe ins Boot holt. Dann ist es zwar kein Schwarm mehr, aber der Mittelwert der dort abgegebenen Meinungen wird sich wohl über dem Wert einpendeln,den man unter Einbeziehung aller erreicht hätte.
  • Im Internet sind Ansätze von Schwarmintelligenz zu finden. Viele Menschen tragen ihren Teil dazu bei, innerhalb des Kollektivs werden auch die Aussagen überprüft und gegebenenfalls korrigiert.Werden Dinge von den vielen Menschen als unwichtig wahrgenommen, so verschwinden diese Dinge aus Timelines, News und den vorderen Suchrängen. Strenggenommen ist diese Selektion aber keine Schwarmintelligenz der Benutzer (also des Menschen), sondern ein ausgeklügelter und dynamischer technischer Algorithmus. Für Schwarmdummheit in diesem Zusammenhang spricht eher das Ansammeln von Datenmüll und ungebremster Informationsflut.
Sonja, am 04.03.2017
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Eigenes (Können Hunde zählen?)

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