Zwiesel findet jeder im Wald

Zweisamkeit bei Bäumen - Zwiesel Ein Zwiesel ist ein Baum, dessen Stamm sich in einer bestimmten Höhe teilt. Er wächst mit zwei Haupttrieben, also zwei Stämmen. Jeder bildet für sich eine eigene Krone. Für mich kling das Wort Zwiesel wie zweisam. Es könnte auch auf Zwillinge deuten, was bei einem doppelten Stamm naheliegend ist. Je nachdem, wie die Teilungsstelle gestaltet ist, nimmt der Baum Schaden oder nicht. Mit einer "U"-förmigen Gabel kommen Bäume besser zurecht, als mit der Teilung in spitzer "V"-Form. Warum sind diese Zwiesel gefährdet? Es ist einfach so, dass die beiden Stämme bei Sturm und Wind verschieden schwanken. Dadurch wird die Stelle der Gabelung stark belastet und reißt bei sehr spitzem Winkel immer wieder auf. Dort wo sich die beiden Stämme trennen, an der tiefsten Stelle, entsteht immer wieder eine schmerzhafte Wunde. Der Baum versucht sie durch Überwuchernden der Risse zu heilen, aber oft bleibt die Wunde für immer offen. Sie erkennen es an einem kleinen Rinnsal. Es sickert ständig Baumsaft heraus. Bakterien färben die Stelle schwarz. Kommt dann noch stehendes Wasser in dem Spalt dazu, muss ein Zwiesel bald gegen Fäulnis kämpfen. Für eindringende Pilze ist die Wunde, sei sie noch so klein, ein offenes Tor. Irgendwann bricht einer der Stämme ab. Nur wenige Jahre darauf wird auch der zweite Teil absterben, denn die gewaltige Wunde schwächt den Baum bis zum Tod. Die eine Hälfte des Zwiesels kann nicht ohne die andere leben. Ob Zwiesel spüren, dass sie auf Gedeih und Verderb miteinander verbunden sind?

Beim Hexenbesen sind Pilze im Spiel

Als Hexenbesen bezeichnet man buschartige Verwachsungen in den Kronen von Bäumen. Am häufigsten finden sie sich in Birken und Fichten. In jedem Fall sind Pilze die Verursacher der Missbildungen. Bei Tannen ist es ein Rostpilz, bei Birken sind Schlauchpilze im Spiel. Diese Pilze bilden auf der Birkenrinde kleine Schläuche aus, die den Wuchs nachhaltig stören. Sie regen den Baum immer wieder zur Bildung von Knospen an, die dann austreiben. Zahlreiche dünne Zweige treiben dadurch an der gleichen Stelle aus. Es entsteht ein Hexenbesen. Man spricht auch von Zweigsucht. Die besenartigen Gebilde sind ebenso als Donnerbüsche bekannt. Nicht zu verwechseln sind Hexenbesen mit Misteln. Das sind eigenständige Pflanzen, die als Halbparasiten auf Bäumen leben.

Hexenbesen oder Donnerbusch

Hexenbesen oder Donnerbusch (Bild: Heike Nedo)

Sind Mastjahre fette Jahre?

Ja, das sind sie. Der Begriff bezieht sich auf einen besonders starken Fruchtansatz bei Buchen, Eichen und Kastanien, kann aber auch auf andere Baumarten übertragen werden. Bucheckern, Eicheln und Kastanien sind Früchte mit hohem Nährwert. Diese zu produzieren bedeutet für den Baum eine hohe Kraftanstrengung. Er muss alle Energie in Blüte und Frucht stecken, sein Holzwachstum wird reduziert, an den Jahresringen ist das gut zu erkennen. Dem Baum ist es nicht möglich, jedes Jahr eine üppige Samenmenge zu produzieren, es würde seine Kraft übersteigen. Gleichzeitig wird so verhindert, dass sich Schädlinge wie kleine Mausarten, Eichhörnchen und Vögel jährlich gleich gut vermehren. Auf ein Mastjahr, das für diese Tiere ein fettes Jahr ist, folgen mehrere Jahre mit geringem Fruchtfall. Der Bestand an Fressfeinden bleibt somit im erträglichen Bereich. Wie viele magere Jahre auf ein Mastjahr folgen ist regional und von Baumart zu Art verschieden. 

Der Begriff Mast selbst stammt aus früheren Zeiten, als die Menschen ihr Vieh zum Weiden noch in den Wald trieben. In den fetten Jahren, wenn es zum Beispiel besonders viele Eicheln gab, sprach man von Mastjahren.

Eichenblätter filtern das Sonnenlicht

Eichenblätter filtern das Sonnenlicht (Bild: Heike Nedo)

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