Weiße Weihnachten oder weiße Weihnachten?

Zuerst ein kleiner Beitrag zur Rechtschreibung: Heißt es "weiße Weihnachten" oder "Weiße Weihnachten"?

Ganz eindeutig geklärt scheint diese Frage nicht zu sein, denn in Artikeln und Beiträgen zum Thema erscheinen beide der oben genannten Varianten. 

Orientieren wir uns am Duden-Sprachratgeber zum Thema Weihnachten, dann ist "weiße Weihnachten" die korrekte Schreibweise:

Wir erwarten weiße Weihnachten. (Quelle: duden.de)

Was versteht man überhaupt unter weißen Weihnachten?

Ein weißes Weihnachtsfest ist für die meisten Menschen dann gegeben, wenn an Heiligabend und den Weihnachtsfeiertagen Schnee fällt, der (über Weihnachten) auch liegen bleibt bzw. wenn bereits eine geschlossene Schneedecke liegt. 

Meteorologisch gesehen spricht man ebenfalls dann von weißen Weihnachten, wenn

  • eine geschlossene Schneedecke mit einer Schneehöhe von ca. 1-2 Zentimeter vorhanden ist und dieser Schnee auch über die Feiertage liegen bleibt
  • Niederschlag als Schnee stattfindet (Schneetag) und es kalt genug ist, dass dieser nicht wieder wegschmilzt 

Die perfekte Vorstellung: Schnee an allen drei Weihnachtstagen (24. bis 26. Dezember). 

Weiße Weihnacht - die Vorstellungen sind ganz unterschiedlich

Die Erwartungen an eine weiße Weihnacht sind jedoch von Region zu Region unterschiedlich. Dort wo regelmäßig relativ viel Schnee fällt, zum Beispiel im Alpenraum und in höheren Gebirgslagen, gilt bei wenig Schneefall eine Landschafts allerhöchstens als "angezuckert". 

Wohin sich Schneeflocken jedoch eher selten verirren - in tiefere Lagen und Gebiete mit milderem Klima - freut man sich schon über jede einzelne Flocke. 

Auch kommt es nicht nur darauf an, wie viel Schnee fällt, sondern auch wann er fällt: In dieser Hinsicht sind die Sitten und Traditionen ebenfalls ganz unterschiedlich.

In einigen Ländern feiert man Weihnachten vor allem am Heiligabend (dem Abend des 24. Dezembers) und wünscht sich idealerweise schon für diesen Tag den ersten Schnee.

In anderen Gegenden sind die Weihnachtsfeiertage (25. und 26. Dezember) die Hauptfeierzeit. Der ersehnte Weihnachtsschnee sollte also bitteschön spätestens am 25. Dezember auftauchen und wenigstens ein paar Tage lang liegen bleiben. 

Wie kommt ein weißes Weihnachtsfest in Deutschland überhaupt zustande?

Anders gesagt: Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, dass es in Deutschland an allen drei Weihnachtstagen schneit bzw. der (bereits) gefallene Schnee auch liegen bleibt?

Meteorologisch gesehen ist das eine ziemliche komplexe und komplizierte Angelegenheit, in der einige Variablen eine Rolle spielen:

  • der NAO-Index als Gradmesser für den Winter in Europa: Online-Lexikon Wikipedia erklärt die sogenannte Nordatlantische Oszillation als "Schwankung des Druckverhältnisses zwischen dem Islandtief im Norden und dem Azorenhoch im Süden über dem Nordatlantik". Der NAO-Index kann positiv oder negativ sein, beide Varianten haben ganz bestimmte Auswirkungen auf das Klima in Europa und somit auch in Deutschland. Ist der NAO-Index positiv, so urteilen Wetterexperten, fällt der Winter in Europa (außer für Russland) meist eher zu mild aus. 

  • die Großwetterlagen, laut Wikipedia "ein bestimmter atmosphärischer Zustand, der in seiner charakteristischen Strömungsanordnung mehrere Tage im Wesentlichen gleich bleibt" (meist rechnet man hier mit 3 Tagen)

  • das Wetter der Weihnachtsfeiertage

  • die örtliche Witterung

  • die Höhenlage

  • andere Faktoren wie z.B. die Windverhältnisse

Weiße Weihnachten in Deutschland ist dann wahrscheinlich, wenn ...

  • die Frostgrenze vor Ort 0 °C beträgt

  • oder doch zumindest aufgrund der Schneefallgrenze der gefallene Niederschlag als Schnee liegen bleibt und nicht wieder zu Regen taut 

  • die Wetterlage der Vorweihnachtstage und die Wetterlage der Weihnachtstage günstig sind, so dass selbst ein kurzfristiger Wärmeeinbruch den Schnee nicht wieder zum Schmelzen bringen kann

Begünstigend wären Umstände wie ein schneeloser intensiver Wintereinbruch, der den Boden gut ausfrieren lässt, gefolgt von ausgiebigem Schneefall, dann eine vorweihnachtliche Hochdruckphase mit Kälte, die durch Sonnenschein die Decke verfestigt, oder durch wiederholte Regen/Frost-Perioden. (Quelle: Wikipedia)

Kurz gesagt: Für ein weißes Weihnachtsfest braucht es entsprechend kalte Temperaturen und ein oder mehrere günstig auftretende Tiefdruckgebiete. 

Vorsicht, Weihnachtstauwetter!

Typisch für den Dezember ist das sogenannte Weihnachtstauwetter: Es sorgt dafür, dass nach kaltem Winterwetter im frühen Dezember oft kurz vor den Weihnachtstagen milde Westwinde aufkommen, die den bereits gefallenen Schnee wieder abtauen lassen. 

Wie wahrscheinlich ist die weiße Weihnacht für Deutschland? Was sagt die Statistik?

Im Durchschnitt kann man in Deutschland alle 7 bis 10 Jahre ein weißes Weihnachtsfest erleben.

In höheren Lagen und vor allem im Gebirge sind die Chancen deutlich größer als an der Küste und im Flachland.

Wer im Mittelgebirge lebt, kann mit einer Chance von 30-60 % auf weiße Weihnachten hoffen, in höheren Gebirgslagen ist Schnee an Weihnachten mit einer Wahrscheinlichkeit von 90 % schon ziemlich sicher gegeben. 

Wenn bereits in den frühen Dezembertagen eine geschlossene Schneedecke liegt, so soll auch Schnee an den Weihnachtsfeiertagen relativ wahrscheinlich sein. 

Eine andere Quelle formuliert es folgendermaßen: Im Osten oder Süden Deutschlands darf man alle 5 Jahre auf eine weiße Weihnacht hoffen, im Westen oder Norden hat man nur alle 10 Jahre weißes Weihnachtsglück. 

Die bayerische Hauptstadt München ist die deutsche Großstadt mit der größten Chance auf weiße Weihnachten. 

Der Dezember ist zwar in Deutschland der niederschlagreichste Monat, jedoch fällt in den Dezembertagen eher Regen als Schnee.

Die letzte weiße Weihnacht in Deutschland war im Jahr 2010

Der Dezember 2010 war in ganz Deutschland sehr schneereich, auch an allen drei Weihnachtsfeiertagen. Noch am Abend des 24. Dezembers fiel Neuschnee, der auch über die Feiertage liegen blieb.

In Berlin gab es mit einer 34 cm hohen Schneedecke einen neuen Winterrekord, in höheren Gebirgslagen wurde sogar bis zu 100 cm Schnee gemessen.

In ganz Deutschland war im Dezember 2010 Wintersport möglich.

Früher gab es noch "echte" Winter ... oder?

Früher war doch irgendwie alles besser, meinen viele. Früher gab es auch noch "echte" Winter mit viel Schnee, wie es sich eben für Winter gehört.

Mit etwas Wehmut erinnert sich so mancher an seine Kindheit, an das Schneemännerbauen, das Schlittenfahren, die Skiausflüge, die verschneiten Weihnachtsfeiertage ... 

Stimmt es tatsächlich, dass die Winter in Deutschland vor einigen Jahren noch schneereicher und kälter waren?

Experten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) sagen: Der Heiligabend war in Deutschland traditionell schon immer grün. Die weiße Weihnacht ist in den letzten Jahren weder seltener noch häufiger geworden.

In den Jahren zwischen 1939 und 1974 scheint es tatsächlich besonders viele kalte Winter gegeben zu haben - Experten vermuteten schon das Nahen einer neuen Eiszeit. Doch auch in diesen kalten Jahren blieb die Landschaft zu Weihnachten meistens ohne Schnee. 

Warum ist uns Schnee an Weihnachten eigentlich so wichtig?

Eine uralte Tradition ist es, sich zum Weihnachtsfest Grün ins Haus zu holen: Aus Zweigen von Nadelbäumen bindet man einen Adventskranz, grün sind auch die "Blätter" des berühmten deutschen Tannenbaumes.

Warum stört es dann so viele Menschen, wenn auch das Weihnachtsfest sich grün statt weiß verhüllt? 

Wer an Weihnachten die Geburt Jesu feiert, wird in der berühmten Weihnachtsgeschichte aus der Bibel nicht auf schneebedeckte Landschaften stoßen - die christliche Tradition kann den deutschen Wunsch nach weißer Weihnacht also nicht beeinflusst haben. 

Woher kommt also der Traum vieler Menschen von einer weißen Weihnacht?

Zum einen soll das Lied "White Christmas" (1947), die wohl meistverkaufte Single aller Zeiten, den Traum vom weißen Weihnachtsfest inspiriert haben.

Auch alte deutsche Wintermärchen spielen sich oft vor einer verschneiten Kulisse ab. Schnee spielt außerdem in bekannten deutschen Weihnachtsliedern wie "Leise rieselt der Schnee" oder "Scheeflöckchen, Weißröckchen" eine Rolle. 

Noch bis ins 19. Jahrhundert hinein soll man verschneite Wintermonate in Europa eher gefürchtet haben. Weihnachtskarten waren bis etwa 1860 vorwiegend von herbstlichen Szenen ohne Schnee geprägt. 

Beliebt wurden Weihnachtspostkarten mit schneebedeckten Landschaften vermutlich gegen Ende des 19. Jahrhunderts in der Schweiz und Neuengland (USA). Europäische Auswanderer schickten diese Weihnachtsgrüße aus der verschneiten Fremde an die Verwandten in der deutschen Heimat. 

Eine verschneite Landschaft symbolisiert für viele Menschen Ruhe, Friede und Besinnlichkeit - eben die Werte, die am Weihnachtsfest besonders wichtig sind. 

Wie sieht die Prognose aus: Kann Deutschland auch in Zukunft noch mit weißen Weihnachten rechnen?

In dieser Frage widersprechen sich die Experten:

  • Bedingt durch die Klimaerwärmung, argumentieren manche, werden weiße Weihnachten in kommenden Jahrzehnten in Deutschland eher seltener werden. 

  • Im Gegenteil, behaupten andere: Die Klimaerwärmung würde für mehr Luftfeuchtigkeit sorgen und so könne man in Zukunft eher häufiger mit einer weißen Weihnacht in Deutschland rechnen. 

Und was sagen die guten alten Bauernregeln zum Thema "weiße Weihnachten"?

Wir können uns trösten: Dürfen wir schon nicht Weihnachten im Schnee verbringen, dann doch vielleicht immerhin das Osterfest ... 

Geht St. Barbara in Grün, kommt's Christkindel in Weiß.

Ist es Grün zur Weihnachtszeit, fällt der Schnee auf Ostereier.

Grüne Weihnachten, weiße Ostern

Kommt weiße Weihnacht, der Winter lang und hart.

(Quelle: bauernregeln.net)

Laden ...
Fehler!